Markus 10,15
Andachten
“Wer das Reich Gottes nicht empfängt als ein Kindlein, der wird nicht hinein kommen.“
Ein Kindlein ist ein Mensch, der sich und seine Person als ein Nichts fühlt, in allem der Hilfe bedarf und also sich selbst nicht helfen will. Wer in dieser Gesinnung steht, der ist ein Kindlein, das das Reich Gottes empfangen kann. Natürlich bezieht sich's aufs Geistliche. Im Irdischen hat der Mensch eigene Fähigkeiten; da vermag er viel auch ohne Zusammenhang mit Gott. Aber wenn er zu Gott kommen und eins sein und werden will mit Gott, so muss er ganz als Kind kommen, und das Gefühl und die Überzeugung haben: Ich vermag gar nichts, wenn Er's nicht gibt. Wenn aber Einer mit seinem Arm nur so in den Himmel hinein langen will und denkt: „Ich will mir's schon holen“, der ist kein Kind, sondern ein selbständiger Mensch, der in der Eigenliebe steht, und nicht weiß, wie gar nichts, ja wie verwerflich all sein Wesen ist. Ein rechter Christ wird aber auch im Äußerlichen nicht der sein wollen, der für sich allein da steht. Er wird in allem seine Augen zum HErrn richten und Ihn um Weisheit und Kraft bitten, dass er vollbringen möge, was er vornimmt. Je mehr Einer das tut, desto erfolgreicher wird all sein Wirken sein. Es gehört nicht zu einer guten Zeit, wenn ich das sagen darf wenn die sogenannte Intelligenz als das allein Wirkende und alles Machende gilt, da der Mensch mit seinem Verstand auf den Thron erhoben wird als der allein Herrschende. Auch im Großen muss man Kindlein werden und sich abhängig fühlen von dem, der alles leitet und ohne den nichts Sicheres, Dauerndes, Völliges gemacht werden kann. Gott helfe in Kleinem und Großem zum Besten! (Christoph Blumhardt)
Wer das Reich Gottes nicht empfängt als ein Kindlein, der wird nicht hinein kommen.
Kinder sind aufrichtig; sie sagen's so, wie sie's meinen, und wissen nichts von Verstellung. Die Einfalt und Aufrichtigkeit ist die vornehmste Eigenschaft der Untertanen Jesu. Leget denn ab alle Heuchelei und werdet unschuldig, einfältig und aufrichtig wie die Kinder ruft uns Jesus zu. Ein Kind ist ohne Misstrauen. O! seht doch das Wunder an, ein Herz, das gar nicht zweifeln kann! ruft deswegen ein frommer Dichter darüber aus. So soll unser Herz durchaus kein Misstrauen gegen Gott haben, sondern vielmehr voll Zuversicht zu ihm durch Christum sein, wie ein Kind gegen seine Mutter, von der es nichts als lauter Liebe erwartet. Und was ist Mutterliebe gegen die in Christo geoffenbarte Liebe Gottes gegen uns? - Darum vergleicht sich auch Gott nicht nur einer Mutter, sondern preist seine Liebe noch höher. O süßes Vertrauen! o heilige Kindlichkeit! - Kinder haben die Welt nicht lieb, sie wissen nichts von Pracht und Reichtum, und Ehre und Wohlleben, und begehren davon nicht das Geringste. Wenn sie nur bei der Mutter sind, und die Mutter bei ihnen ist, so haben sie Alles genug. Ach, lasst uns ihnen nachahmen. Christen sollen die Welt so wenig lieben, wie ein kleines Kind. Nur den Vater sollen sie lieben. Sein Trost, seine Liebe, sein Frieden soll ihr einziges Gut sein. Genießen sie dieses, so mögen sie sich hoch freuen, verbirgt er sein Angesicht, so sollen sie so lange weinen und rufen, bis seine mütterliche Liebe sie wieder umfasst.(Gottfried Daniel Krummacher)