Matthäus 6,24

Andachten

Matth. 6,24: „Niemand kann zweien Herren dienen.“ und 1. Kön. 18,21: „Wie lange hinket ihr auf beiden Seiten?“
Man weiß wohl, dass man Gott dienen und Ihn lieben muss, wenn man selig werden will, aber man möchte in Seinem Dienst und Seiner Liebe alles Lästige entfernen und nur das Angenehme daran lassen. Man möchte Ihm dienen, aber unter der Bedingung, dass man Ihm nur Worte und Zeremonien, und dazu kurze, zu geben habe, deren man bald müde und überdrüssig ist. Man möchte Ihn lieben unter der Bedingung, dass man mit ihm zusammen und vielleicht noch mehr als ihn, Alles, was Er gerade nicht liebt und verdammt an der Eitelkeit der Welt, lieben könne. Man möchte Ihn unter der Bedingung lieben, dass jene blinde Selbstliebe keine Einbuße erleide, die ja bis zur eigenen Vergötterung geht, und uns nicht nur verhindert in steter vertrauensvoller Abhängigkeit von Gott, für welchen wir geschaffen sind, zu leben, vielmehr Gott von uns abhängig sein lassen möchte, wo wir Ihn nur als eine tröstende Aushilfe schätzen, wenn die Kreaturen uns im Stiche lassen. Man möchte Ihm unter der Bedingung dienen und Ihn lieben, dass man sich der Liebe zu Ihm auch schämen dürfe, und sie wie eine Schwäche verborgen halten, ja dass man über Ihn erröten könne als über einen Freund, der unserer Liebe nicht würdig; dass man Ihm nur gewisse religiöse Äußerlichkeiten darbringe, um das Ärgernis zu vermeiden und nach dem Willen der Welt zu leben, und Gott nur dann etwas zu schenken, wenn die Welt selbst es erlaubt. Was ist das für ein Dienst, welch eine Liebe!

Gott erkennt keinen anderen Bund mit uns an, als den, der sich auf unseren ersten Bund in der Taufe bezieht, wo wir versprochen haben, allem zu entsagen, um Ihm anzugehören, und auf das erste Gebot des Gesetzes, wo Er rückhaltlos unser ganzes Herz, unsern ganzen Geist und all unsere Kräfte fordert. Kann man in der Tat Gott aufrichtig lieben und noch so viele Rücksichten auf die Welt haben, die seine Feindin ist, über die Er so schrecklichen Fluch ausgesprochen hat. Kann man Gott lieben und fürchten mit Ihm zu vertraut zu werden, aus Angst man habe ihm alsdann Vieles zu opfern? Kann man Gott lieben und sich damit zufrieden geben, ihn nicht gröblich zu verletzen, ohne es sich Mühe kosten zu lassen, ihm zu gefallen, Ihn zu verherrlichen, Ihm mutig, so oft jeder Tag Gelegenheit gibt, die Inbrunst und Aufrichtigkeit unserer Liebe zu bezeugen? Gott ist schranken- und rückhaltlos in Seiner Hingabe an uns, und wir wollen tausenderlei uns von Ihm reservieren. Gibt es so gemeine Naturen auf der Erde, die sich damit begnügen würden, so von uns geliebt zu werden, wie wir schamlos genug verlangen, dass Gott sich mit unserer Liebe zufrieden gäbe? (François Fénelon)


Niemand kann zwei Herren dienen. Entweder er wird einen hassen und den andern lieben, oder wird einem anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
Es gibt viele Menschen, die nur dem Mammon dienen wollen und sich nicht um ihren Gott und ihrer Seelen Heil kümmern, die nachjagen den Freuden und der Lust, unbekümmert was dahinter kommt, die mit Eifer jeden Gedanken an das Vergängliche der Welt unterdrücken und die spotten des mahnenden Freundes, der sie zur Buße rufen möchte. Sie eilen dahin in ihr Verderben und der Christ vermag nur für sie zu beten und zu hoffen, dass der Herr, der Macht hat über Alles, ihnen die Augen öffnet, ehe es zu spät wird. Nun gibt es aber auch Viele, die sich für ungemein klug halten, für sehr vortrefflich, und die es auch recht übel nehmen, wenn man sie bedeuten will, dass sie nicht auf dem rechten Wege. Das sind die, die da meinen, sie können Gott und dem Mammon zugleich dienen. Sonntags in die Kirche gegangen, wenn's hoch kommt auch zu Hause sich einmal erbaut aus einem guten Buche, oder mit einem frommen Liede, dann aber ist man mit Gott abgefunden. Werktags wird geschafft und gesorgt, gearbeitet und gemüht - es wird berechnet, wie viel zu verdienen sei und wie und wo man gewinnen könne, es wird geseufzt über schlechte Aussichten und Missernten, es wird gescholten mit Wind und Wetter, kurz es scheint, dass diese Leute vergessen, es sei ein Gott über Alles, sobald sie der Kirche den Rücken gekehrt oder die Bibel zugeschlagen haben.

Aber sollen wir denn uns gar nicht um das Irdische kümmern, sollen wir nur beten und die Hände in den Schoß legen? Die Hände in den Schoß legen sollen wir wahrlich nicht, denn so lange wir hier auf Erden sind, sollen wir schaffen und wirken im Schweiß unseres Angesichts, aber kümmern, bekümmern, d. h. Kummer und Sorge machen um das Irdische sollen wir uns auch nicht. Und wenn wir unter Gebet die Gemeinschaft mit Gott verstehen, so sollen wir auch immer beten, d. h. wir sollen in Allem, was wir tun, Gottes Ehre suchen und nichts, gar nichts tun ohne Hinblick auf Ihn! Und wenn es auch dem natürlichen Menschen schwer wird; es geht! Aber nur mutig den Mammonsdienst im Herzen zernichtet und den Gottesaltar mit dem Heilandes-Bilde darin aufgerichtet, so groß und so mächtig, dass nichts weiter Raum hat, und es wird sich die tröstliche Verheißung erfüllen, dass die Gott suchen, auch Ihn finden. Da wird sich die Gnade Gottes über all unser Verstehen beweisen, und in Seiner Gnade, die Er uns bietet durch unsern Herrn Jesum Christum, können wir schon hier auf Erden, trotz Schmerz und Schwachheit, den seligen Himmel spüren. Amen. (Burghard von Cramm)


Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
Besitz haben und Gott haben, das stimmt fein zusammen. Denn der Besitz ist uns von Gott gegeben und wird uns als sein Segen zuteil. Weil er uns nötig ist, dienen wir der göttlichen Ordnung, wenn wir ihn erwerben und verwalten. Gott haben bedeutet aber, ihm dienen. Ich kann ihn nur dadurch für mich haben, dass ich mit allem, was ich bin und tue, sein eigen bin und seinen Willen tue. Dieser Dienst ergreift mich aber ganz. Somit ist es unmöglich, dass ich dem Besitz diene, an ihn gebunden sei und mich ihm zum Knecht mache, wenn ich Gott habe und darum auch Gott diene. Es ist also meine Christenpflicht, zu prüfen, wann aus meinem Erwerben, das mir mein Besitz verschafft, der Dienst des Besitzes wird. Ernsthaft und erfolgreich kann ich nur dann arbeiten, wenn ich mein Herz in meine Arbeit lege. Ich muss mit gesammeltem Nachdenken und entschlossenem Willen meine Arbeit tun. Das ist aber das, was sie gefährlich macht. Deshalb, weil ich nicht mit halbem Herzen arbeiten und erwerben darf, dreht sich leicht das Verhältnis um, so dass aus dem Besitz der Besitzer, aus dem Mittel der Zweck, aus dem Herrn der Knecht wird. Ich spüre, dass das Verhältnis sich umgedreht hat, wenn ich nicht mehr entbehren kann, unfähig zum Geben bin, wenn ich im Ertrag meiner Arbeit deshalb, weil sie meinen Besitz mehrt, meine Ehre und Größe suchte. Damit bin ich aber dem Dienst Gottes entflohen und habe aus allem, was ich meine Religion oder mein Christentum heiße, Schein und Einbildung gemacht. Wachsamkeit ist hier von mir gefordert, unablässige, stets gewaffnete. Der Kampf ist heiß, und je verwickelter unsere Wirtschaft wird, desto künstlicher die Wege sind, auf denen wir die Lebensmittel suchen müssen, um so härter, an Wunden und Niederlagen reicher wird der Kampf. Uns allen ist aber auch die uns schützende Hilfe gezeigt. Du kannst, sagt mir Jesus, Gott dienen und damit endet deine Verknechtung an deinen Besitz. Dass du ihm dienen kannst, ist sein gnädiges Geschenk, seine herrliche Gnadentat. Nahe dich zu Gott, so naht er sich dir. Nun habe ich den Standort, der mich über alle Fragen und Sorgen der Wirtschaft erhebt, kann erwerben, ohne zu verderben, kann besitzen, ohne an meinem Besitz zu sterben. Denn jetzt kann ich nicht nur erwerben, sondern auch gebrauchen, nicht nur gewinnen, sondern auch geben, und bereite mir mit der Mehrung meines Besitzes die verstärkte Pflicht und das erhöhte Vermögen zu meinem Gottesdienst.

Nur um eines kann ich bitten, nicht um Reichtum und nicht um Armut, sondern darum: Mache Deine Gnade mir so groß und in mir so wirksam, dass ich Dein eigen bin und Dir diene in allem, was ich tue. Ich bedarf in allem Deines Vergebens, denn was natürlich ist, zieht mich an sich mit Allgewalt; aber Dein Vergeben ist stark und überwindet das Böse und führt uns in die Freiheit ein. Amen. (Adolf Schlatter)


Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird einen hassen, und den andern lieben; oder er wird dem einen anhangen, und den andern verachten.
Der HErr Jesus sagte diese Worte, da Er Seine Zuhörer belehren wollte, dass sie nicht Gott und dem Mammon zugleich dienen können. Wenn zwei Herren einander feind sing, oder einander entgegen arbeiten, wie Christus und Belial, so ist’s klar genug, dass man nicht beiden zugleich dienen könne: allein der Mammon, das ist zeitliche Habe, ist eigentlich nichts Böses. Er ist sogar ein Geschöpf und eine Gabe Gottes, und doch kann man ihm nicht neben Gott dienen. Gott fordert nämlich, dass man Ihm allein dienen, und seinen Leib und seine Seele Ihm allein aufopfere. Man soll keine anderen Götter neben Ihm haben, folglich auch keinen Herrn, dem man sich ganz widme. Wer den Mammon so liebt, wie man Gott lieben soll, hasst den großen Gott, dessen Zorn man ohnehin alsdann heimlich fühlt, und wer dem Mammon so anhangt, wie man Gott anhangen soll, verachtet den großen Gott, weil er Ihn nicht für würdig hält, dass er Ihm anhange. Hinwiederum wer Gott über Alles liebt, hasst den Mammon mit demjenigen Hass, den Christus Luk. 14,26. befiehlt, weil er etwas Lästiges und Versuchendes ist, und wer Gott anhangt, verachtet den Mammon als etwas Eitles.

Wir sind dem großen Gott einen beständigen Dienst als Seien Kinder und leibeigenen Knechte schuldig: weil Ihm aber kein erzwungener und heuchlerischer Dienst angenehm ist, so will er von uns geliebt sein, und diese Liebe macht den Dienst auch auf des Menschen Seite angenehm und leicht. Das ist die Liebe zu Gott, dass wir Seine Gebote halten, und Seine Gebote sind nicht schwer, 1 Joh. 5,3. Ihm sollen wir anhangen, wie David Ps. 63,9. gesagt hat: meine Seele hanget Dir an, Deine rechte Hand erhält mich, und Paulus 1 Kor. 6,17.: wer dem HErrn anhanget, der ist Ein Geist mit Ihm. Anhangen ist etwas, das aus der Liebe folgt, denn Paulus braucht dieses Wort 1 Kor. 6. von zwei Personen, die Ein Leib werden. Also, sagt er, wird derjenige, der dem HErrn anhangt, Ein Geist mit Ihm. Er wird mit Ihm vereinigt, und will ohne Ihn nicht mehr sein. Den Zuhörern Christi waren diese Pflichten wohl bekannt, denn Moses hatte schon 5 Mos. 10,12. gesagt: nun Israel, was fordert der HErr dein Gott von dir, denn dass du den HErrn deinen Gott fürchtest, dass du in allen Seinen Wegen wandelst, und liebest Ihn, und dienest dem HErrn deinem Gott von ganzem Herzen, und von ganzer Seele, und 5 Mos. 13,4.: ihr sollt dem HErrn eurem Gott folgen, und Ihn fürchten, und Seine Gebote halten, und Seiner Stimme gehorchen, und Ihm dienen, und Ihm anhangen. Wer dem Mammon dient, setzt immer alle seine Leibes- und Seelenkräfte in Bewegung, um ihn zu erhalten und zu vermehren: wer ihn so liebt, wie man Gott lieben soll, preist ihn über Alles, und ergötzt sich an ihm mehr als an allem Anderen, und wer ihm anhangt, ist von ihm gleichsam gefangen, und über seinen Verlust untröstlich. Gott mache mich von Allem, was irdisch und eitel ist, los, und erwecke mich immer mehr zu Seinem Dienst, zur Liebe gegen Ihn, und zum Anhangen an Ihn. (Magnus Friedrich Roos)


Niemand kann zwei Herrn dienen. Entweder er wird einen hassen und den andern lieben, oder wird einem anhangen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
Welch' ein gewaltiges, Mark und Bein durchdringendes Wort! Wie richtet und verurteilt es all' die falsche Vermittlungssucht, Gott und dem Mammon zu dienen, wie sie irdisch gesinnten Menschen so eigen ist, all' die falschen Vermittlungskünste, wie sie unzählige Christen heutzutage üben! Niemand, Niemand kann zwei Herren dienen. Das ist unser Beruf, Gott, und Gott allein zu dienen mit einer Liebe von ganzem Herzen und aus allen Kräften. Das ist aber nicht möglich, wenn wir dem Götzen Mammon dienen. Das sind zwei Herren, die das Entgegengesetzte befehlen. Was der eine will, verbietet der andere. Wie wäre es da möglich, beiden zugleich zu dienen? Da gibt es nur ein Entweder Oder. Entweder du hassest Gott und liebst den Mammon, oder du hangest Gott an und verachtest den Mammon. Da gibt es keine Vermittlung, keine Versöhnung; du magst dich anstrengen, so viel du willst, es beiden Herren recht zu machen, beiden zu dienen, es ist alles umsonst; hat Gott dein Herz, so hat es der Mammon nicht, so ist er dir gleichgültig; hat der Mammon dein Herz, so hat es Gott nicht, so ist er dir gleichgültig. Eine ganze volle Liebe hat nur im Herzen Raum, die Liebe des einen treibt die Liebe des andern aus. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. O nehmen wir es doch alle zu Herzen! Immer und immer versuchen wir es wieder mit dem argen Herzen, beiden zu dienen, versuchen es in allerlei Künsten, dingen hier etwas ab und da, wollen die sogenannte goldene Mittelstraße gehen, alle Extreme klug vermeiden, wollen klug sein, wo wir nur einfältig sein sollen, und es geht doch nicht, es ist doch alles vergebens. Einen nur können wir lieben, einen nur sollen wir lieben und in ihm und nur in ihm alles andere lieben, was sonst geliebt werden darf; einem gehören wir an, einem nur sind wir zum Dienst verpflichtet, einem, der uns nicht bloß erschaffen, sondern auch erlöst hat. Diesem einen können wir nicht dienen, wenn wir irdische Schätze sammeln, können es nur, tun es nur, wenn wir uns himmlische Schätze sammeln. Und dem Herrn dienen, ihm allein, von ganzem Herzen, ist Lust und Seligkeit; jeder andere Dienst ist die ärgste Sklaverei, unter deren hartem Joche wir heimlich seufzen. Darum, hören wir, was der Herr uns sagt, tun wir, was er von uns fordert: Sammelt euch nicht irdische, sammelt euch aber himmlische Schätze. (Ludwig Josephson.)

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nt/40/matthaeus_6_24.txt · Zuletzt geändert: von aj
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