Matthäus 6,19
Andachten
Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, da sie die Motten und der Rost fressen, und da die Diebe nachgraben und stehlen.
Der Heiland trifft mit diesem Wort so zu sagen den Nagel auf den Kopf; Er greift damit in das tägliche Sinnen und Trachten des natürlichen Herzens und in das tägliche Tun und Treiben des natürlichen Menschen ein. Aber Er schneidet es mit diesem Wort auch ab. Er zieht eine Mauer davor. Er stellt es als verwerflich und verdammlich dar.
Er verbietets. Ihr könnt des Besitzes dieser Dinge auch nie sicher sein. Das will der Heiland mit dem Nachgraben der Diebe sagen. Und wenn ihr diese Dinge noch so verwahrtet, mit Schlössern und Riegeln und in feuerfesten Gewölben und in Bank- und Versicherungs-Anstalten, die nie zu Fall kommen, es gibt einen Dieb, der doch danach graben und sie euch alle stehlen wird, das ist der Tod. Oder werdet ihr etwas von diesen Dingen, die ihr auf Erden gesammelt, mitnehmen im Tod? Werden wir nicht alle, nackt wie wir von Mutterleib gekommen sind, so auch dahinfahren? Nun, das ist nichts Neues. Das weiß jedermann. Das wissen wir alle. Und doch, nun fragen wir uns vor Gottes Angesicht, wie stehn wir mit unserem Sinnen und Denken, mit unserem Tun und Treiben zu dem Verbot des Heilandes: „Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden?“ Betrüge sich keiner! Amen. (August Ferdinand Huhn)
Weltliche Gesinnung ist ein allgemeines und fatales Symptom der Heuchelei, denn durch keine andere Sünde kann Satan sicherer und schneller die Seele gewinnen, als unter dem Deckmantel eines religiösen Bekenntnisses. Etwas, das die Seele besitzt, das sie als beste Sache ansieht, worin sie ihre Freude und Vertrauen hat, mehr als in anderen Dingen.
Christus gibt den Rat, unsere liebsten Dinge in der Freude und des Herrlichkeiten der anderen Welt zu sehen, in den unsichtbaren Dingen, die ewig bestehen, und unsere Glückseligkeit darin zu sehen. Es gibt Schätze im Himmel. Darin besteht unsere Weisheit, all unseren Fleiß anzuwenden, um unsere Stellung im ewigen Leben durch Jesus Christus fest zu machen und all diese Dinge hier unten als nicht wert zu sehen, damit verglichen zu werden und zufrieden zu sein, in allem die Fülle zu haben. Es ist Freude über und nach den Veränderungen und Gelegenheiten der Zeit, eine unvergängliche Erbschaft. Der weltlich gesinnte Mensch liegt mit seinem hauptsächlichen Trachten falsch; deshalb müssen alle seine Argumentationen und alles daraus resultierende Handeln falsch sein. Dies gilt auch für falsche Religion; die, die man für hell erachtet, ist totale Finsternis. Dies ist ein schrecklicher, aber weit verbreiteter Fall; wir sollten daher sorgfältig unser hauptsächliches Trachten durch das Wort Gottes prüfen, mit ernstem Flehen um die Führung des Heiligen Geistes. Ein Mensch kann vielleicht zwei Herren ein bisschen dienen, aber er kann sich niemals mehr als einem völlig hingeben. Gott will das ganze Herz und wird es nicht mit der Welt teilen. Wenn zwei Herren sich entgegenstehen, kann niemand beiden dienen. Der, der sich an die Welt hält und sie liebt, muss Gott verachten; der, der Gott liebt, muss die Freundschaft mit der Welt aufgeben. (Matthew Henry)
Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden da sie die Motten und der Rost fressen, und da die Diebe nach graben und stehlen.
Die Kinder dieser Welt sind gar eifrig im Sammeln ihrer Schätze. Sie sammeln sich Geld, Gut, Papiere, Kleider, Juwelen, Vorräte; sie erwerben sich Äcker, Häuser, Vieh, reiche Geschäfte, Ehre, Orden, Titel und dergleichen. Das Alles stammt aus der Erde und von der Erde. Die Perlen holt man aus der Tiefe des Meeres, Gold und Silber aus dem Schoß der Erde, vieles Andere muss die Oberfläche der Erde geben, und wieder vieles Andere müssen Menschen hinzufügen. Wenn wir nun noch so viel gesammelt haben, Rost und Motten können es fressen. Feuer und Wasser können es vernichten, und Diebe graben danach, es zu stehlen. Übrigens braucht man heut zu Tage auf Rost und Motten und Diebe gar nicht mehr zu warten. Ein Umschlag in der Politik, eine Krisis in den Handelsverhältnissen, macht viele arme Leute. Wandelbar sind Blätter und Blumen, doch wachsen sie wieder an demselben Stamme. Wandelbar ist Geld und Gut. Wer sie verloren, weiß nicht, ob er sie je wiederbekommt. Wandelbar ist das Meer. Wo am Vormittage die Flut hoch geht, sehen wir am Nachmittage den kahlen Strand; doch kommt die Flut am nächsten Tage wieder. Wer seine Güter verloren hat, weiß nicht ob je die Flut des Reichtums sich wieder an dieser Stätte erhebt. Und wenn uns auch die Güter bleiben, so bleiben wir doch den Gütern nicht. Es kommt die Stunde, in welcher wir sie lassen müssen.
Herr Jesu! Hilf, dass wir unser Herz nicht an irdische Güter binden, und sie nicht zum Hauptziel unserer Arbeit machen. Sie ziehen uns ja hernieder zu der Erde von der sie stammen. Werden sie unser Schatz, dann gehört ihnen auch unser Herz. Und wir wissen ja nicht, wie bald du uns einmal hinwegrufst von dieser Erde. Da mache uns denn recht eifrig, zu trachten nach dem das droben ist. Wache auch heute über uns, dass unser Herz sich nicht in Erdenlust und Erdensorge verliere und verkaufe. Lenke den Blick von der Erde immer wieder empor zur Sonne deiner Liebe und Gnade. Amen. (Friedrich Ahlfeld)