Matthäus 28,5
Andachten
Aber der Engel antwortete und sprach zu den Weibern: Fürchtet euch nicht; ich weiß, dass ihr Jesum den Gekreuzigten sucht.
Wie ein Vöglein, dem der Sturm den Baumast, worauf es sein Nest gebaut, samt dem Neste abgebrochen hat, an der Stätte in der leeren Luft umherirrt, so irrt Maria Magdalena an den Stätten umher, wo der Zweig aus der Wurzel Jesse, ihr Schatten und ihre Zuflucht in der Glut des Gerichtes, weggebrochen war. Ohne es zu wissen, suchte sie die Frucht des Kreuzes. Und bald begegnet ihr der Herr und fragt sie: „Wen suchst du?“ Zwei Tage vorher hatte er im Garten Gethsemane den Judas und die Schar gefragt: „Wen sucht ihr?“ Sie suchten den, den sie in den Tod bringen wollten. Maria suchte den, der ihr das Leben bringen sollte. Bei ihr hieß es: „Ich suche mein Leben, ich suche mein Heil, ich suche Vergebung der Sünden.“ Jene waren vor dem Schrecken seiner Majestät zur Erde gefallen. Diese fiel vor großer Freude zu seinen Füßen. Sie hatte, was sie verloren glaubte, Vergebung der Sünden und Leben wiedergefunden. Da war die vollste Osterfreude. Sie hatte den Gekreuzigten gesucht und den Auferstandenen gefunden. Sie hatte das Lamm Gottes gesucht, und den Löwen aus dem Stamme Juda gefunden, der Grab und Tod überwunden hatte. Und du mein Christ, hast jenes Grab auch in dir. Steige nur hinunter in dich. Erkenne dich nur selbst. Kannst du Frieden in dir machen? Kannst du das Gewissen in dir stillen? Nein, suche Jesum den Auferstandenen.
Herr Jesus Christus, führe uns heute zuerst noch einmal zurück nach Golgatha, auf dass wir dort den Heiligen Gottes sehen, welcher keine Sünde getan hat. Daselbst entzünde in uns die Sehnsucht: „Ach dass er lebte!“ Zeige uns dort die Liebe, die eben aus Liebe für uns gestorben ist. Und wiederum entzünde in uns die Sehnsucht: „Ach, dass sie noch lebte, dass auch sie mich trüge auf den Armen der Barmherzigkeit, dass sie mir auch meine Last vom Herzen nähme.“ Und von dort nimm uns mit an dein offenes Grab. Von dort lass uns dem Engel entgegeneilen, der da ruft: „Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten, er ist auferstanden und nicht hier.“ Und wenn wir von dort kommen, Herr, dann begegne du uns selbst. Öffne uns die Augen, dass wir dich kennen. Öffne uns die Glaubensarme, dass wir dich umfassen und dich nimmer von uns lassen. Amen. (Friedrich Ahlfeld)