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Matthäus 26,30

Matthäus 26,30

Andachten

Und sie gingen hinaus an den Ölberg, da sprach Jesus zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr euch alle an mir ärgern. - Und er fing an zu zittern und zu zagen.
Möchten alle Herzen der Menschen sich im Geiste dahin begeben und nur eine Stunde recht ernstlich betrachten, was der Heiland da für sie gelitten hat, gewiss, sie würden alle der Sünde und Welt Abschied geben und sich ihm in die Arme werfen - sie würden Christen. Nun du, frommer Christ! wenn sie Alle nicht mit dir gehen, wenn sich Alle an ihm ärgern, wenn sie Alle seine Leiden zu geringe achten, so eile doch du recht oft zu ihm hin, zu deinem leidenden Versöhner, und lass es dein liebstes Geschäft auf Erden, deine Herzenslust sein, in den Leiden des Erlösers deine Seele zu weiden. Du kannst keine wohlriechenderen Blumen, keine Herz und Geist stärkenderen Gerüche finden, als in diesem Garten. Es kann dir kein helleres Licht leuchten, als in dieser Nacht, wenn du dich zu deinem Heiland am Ölberge hinwirfst und ihn betrachtest, wie er für dich betet, weint, seufzet, ringt, sich ängstet und Blut schwitzet. O lass diese heiligste Geschichte, die allermerkwürdigste, die je auf Erden geschehen und geschrieben worden ist, nicht vergeblich für dich geschrieben sein, sondern sammle dir Alles, was von den Schmerzen und Leiden deines Heilandes aufgezeichnet ist, als köstliche Kleinodien in den Schatz deines Herzens und weide deine Augen Tag und Nacht daran, so bist du reicher und glücklicher, als alle Glücklich- und Reichgenannten auf Erden. (Johannes Evangelista Gossner)


Und da sie den Lobgesang gesprochen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. Da sprach Jesus zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr euch alle ärgern an mir; denn es steht geschrieben: Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen. Wenn ich aber auferstehe, will ich vor euch hingehen in Galiläa.
Drei Verse dieses großen Kapitels, und eine dreifache Herrlichkeit Jesu, meines Heilandes. Zum Ersten: den Lobgesang haben sie gesprochen, das sind die sechs Psalmen 113-118, die man das große Hallelujah nannte, womit jeder Hausvater die Passafeier schließen sollte. O, mein Jesu! mit einem Hallelujah solltest Du in Dein Leiden gehen?! mit einem Lobgesang in den Ölgarten, wo Deine Seele betrübt war bis an den Tod, wo Dein Schweiß wie Blut ward?! Wie wunderbar sind die Wege Gottes! Und doch, was konnte Ihn kräftiger stärken und rüsten als die großen Heilstaten Gottes, deren der Psalmist gedenkt: mit welcher Inbrunst mochte Jesus einstimmen in das Wort: Ich will den heilsamen Kelch nehmen und des Herrn Namen predigen! (Ps. 116) mit welchen Tröstungen musste es sein Herz erfüllen, da es heißt: Du hast meine Seele aus dem Tode gerissen, mein Auge von den Tränen und meinen Fuß vom Gleiten! Ich werde wandeln vor dem Herrn im Lande der Lebendigen! Zum Andern: Nun weist Er als der treue Hirte die Seinen auf Das, was kommen soll: Ihr werdet euch an mir ärgern! die Schrift (Sach. 13, 7) sagt es: Ich will den Hirten schlagen und die Schafe werden sich zerstreuen! als wollte Er sagen: es geschieht Alles vom Herrn; Er schlägt und richtet auf, er tötet und macht lebendig. Ich aber bleibe der gute Hirte und Niemand soll euch aus meiner Hand reißen; denn ich sammle das Zerstreute. Zum Dritten: Er reißt aus der Tiefe in die Höhe; denn auf diese Nacht folgt ein großer Morgen, wie er noch nie gewesen ist, ein Auferstehungs-Morgen, da werde ich meines Hirten-Amts an euch walten, hingehend vor euch in Galiläa. O, Du wunderbarer Jesus! wie klar Dein Auge! wie süß Deine Stimme! wie treu Dein Herz! wie selig Deine Verheißung! Bist Du mit einem Lobgesang nach Gethsemane gegangen, alle Deine Zeugen und Märtyrer auch! o zeuch uns nach Dir! Hast Du Deine armen Jünger aus der Zerstreuung gesammelt, so wirst Du auch uns nicht in der Irre lassen! bist Du Auferstandener vor ihnen hingegangen, so getrösten auch wir uns Deines Naheseins bis in den Himmel hinein. (Nikolaus Fries)


Und da sie den Lobgesang gesprochen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. Da kam Jesus mit ihnen zu einem Garten, der hieß Gethsemane, und sprach zu seinen Jüngern: Setzt euch hier, bis dass ich dorthin gehe und bete. Und nahm zu sich Petrum und die zwei Söhne Zebedäi und fing an zu trauern und zu zagen. Da sprach Jesus zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wacht mit mir.
Lieber Herr! Die letzte Stunde stiller Gemeinschaft und Vertraulichkeit mit deinen Jüngern, nach der so herzlich dich noch verlangt hatte vor deinem Leiden, war vorüber. Das Osterlamm war gegessen nach altem Brauch, das Mahl des neuen Bundes gestiftet von der göttlichen Liebe zu ihrem Gedächtnis bis an das Ende der Welt. Was du noch zu sagen, was du noch zu tun hattest, das hattest du in deinen letzten Reden noch den Jüngern ans Herz gelegt und in der bedeutungsvollen Fußwaschung ihnen abgebildet. Nun heißt es: Da sie den Lobgesang gesprochen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. Judas war schon zuvor hinausgegangen in die finstere Nacht. In deiner Begleitung sind noch die übrigen Elf. Je näher du Gethsemane kommst, dahin dein Weg dich führt, desto näher tritt dir das Vorgefühl der Angst, die dich dort in des Gartens dunklen Schatten erwartet. Du lässt die Jünger zurück und nimmst nur den Petrus, den Johannes und Jakobus mit dir. Du lässt auch diese zurück und gehst ohne sie tiefer in den Garten hinein. Du hebst an zu zittern und zu trauern. Bis in den Tod betrübt ist deine Seele. Ach, einen Lobgesang gabs nicht mehr; der war verhallt. Jetzt ging es an die Gebetsseufzer und an die Tränenopfer. Dein schweres Leiden begann, teuerster Heiland, mein Erlöser, und einen Lobgesang gab es erst wieder, als es hieß: Der Tod ist verschlungen in den Sieg; Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg? Aber meine Seele lobsinget dir für alle Erbarmungen, deren du mich und die Meinigen gewürdigt, für allen Trost, den du mir und ihnen in deinem Leiden und Sterben bereitet hast. Und wir begleiten dich im Geiste nach Gethsemane, in die Ölkelter, um aus der grenzenlosen Angst, die da über dich kommt, auf unsere grenzenlosen Sünden zu sehen, um zu lernen, was es sei, von Gott gerichtet zu werden und als ein Verworfener vor ihm zu stehen. Ach, wie dich Zittern und Zagen ankam, dass du klagtest: Meine Seele ist betrübt bis in den Tod, so lass auch uns ein heilsames Erschrecken ankommen über unsere und der Welt Sünden. Aber lass uns auch zu unserem Troste erkennen, dass der Fluch über uns durch dein Angstgeschrei und Tränen in Segen verwandelt ist und, dir dafür zu danken, von Herzen rühmen: All Sünd hast du getragen, sonst müssten wir verzagen; erbarme dich unser, o Jesu. Amen. (Carl Gottlieb Just)

Predigten

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