Matthäus 25,19
Andachten
Über eine lange Zeit kam der Herr der Knechte und hielt Rechenschaft mit ihnen.
Wir sind am letzten Tage des alten Jahres angelangt, und wenn wir hineinblicken in die Gedanken des Tages, so bewegen sie sich großenteils um: „Jahresschluss, Rechnungsschluss.“ Nur wenige überschreiten die Grenze des Jahres, ohne sich über die irdische Frage klarzumachen: „Bin ich vorwärts gekommen oder ist's rückwärts gegangen?“ Das aber ist nur eine irdische Frage. Es gibt eine größere. Du bist ein Bürger des Himmelreiches. Dein Heiland hat dir Schätze anvertraut, die mit den irdischen gar nicht gemessen werden können. Gold ist gegen sie Staub, Silber ist Asche, und Wertpapiere sind Spreu und Stoppeln. Vergiss nicht, dass es auch über deine Haushaltung mit diesen Gütern einen Jahresschluss gibt, dass der Herr kommen wird und Rechenschaft halten. Bei diesem letzten Abschluss gibts nur ein zweifaches Ergebnis, entweder Alles gewonnen oder Alles verloren. Ein Drittes, so ein armes Mittelding, wo Einer meinen möchte: „Bei mir deckt der Gewinn den Verlust,“ gibt es dort nicht. Auf diesen letzten Abschluss kommt Alles an; an ihm hängt entweder ewiges Leben, ewiger unermesslicher Reichtum in den unschätzbaren Gottesgütern, oder ewiger Tod und eiskalte Armut. Darum forsche heute, wie es mit deinem Reichtum in himmlischen Gütern steht: Bist du vorwärts gekommen, oder rückwärts?
Treuer, barmherziger Heiland, aus freier Gnade hast du uns alle leiblichen und geistlichen Güter gegeben. Alles was wir Gutes haben, ist von dir gekommen. Herr, lass uns das doch nie vergessen. Wenn wir die anvertrauten Pfunde missbrauchen oder ungenützt liegen lassen, versündigen wir uns an dir. Du willst einst Rechenschaft von uns fordern. Wie wollen wir da bestehen? Du bist treu gewesen wieder dies ganze Jahr hindurch bis zu diesem letzten Tag. Wir aber sind untreu gewesen. Herz und Gewissen klagt uns vor dir an. Anstatt dir zu dienen, haben wir uns und der Welt gedient. O Herr, geh mit uns nicht ins Gericht. Komm noch nicht mit deiner letzten Rechenschaft. Gib uns noch so viel Zeit, dass wir unserem Herzen, Willen und Gute dein Siegel aufprägen können. Mache uns treu darin und ernst dazu heute an dem ernsten Tag des Jahresschlusses, dann ist das Jahr, das wir heute vollenden, ein Segensjahr gewesen. Amen. (Fr. Ahlfeld)
Ein böser Knecht sagt in seinem Herzen, mein HErr kommt noch lange nicht, und fängt an zu schlagen seine Mitknechte, isst und trinkt mit den Trunkenen; es kommt aber der HErr desselben Knechts an dem Tage, des er sich nicht versieht, und zu der Stunde, die er nicht meint, und zerscheitert ihn usw., Matth. 24,48.49.50.51. Gleichwie aber der HErr diesem bösen Knecht zu bald zu kommen scheint, so sprechen hingegen der Geist und die Braut: komm, und wer es hört, der spreche: komm, und Er antwortet: Ja! ich komme bald. Amen. Off. Joh. 22,17.20. Wenn man also die Erscheinung Jesu lieb hat, wenn man auf Ihn wartet, so spricht man zu Ihm: komm, wie man einem Geliebten zuruft, der lange ausbleibt, und Er selbst spricht, um Seine Ihm rufende Braut zu trösten: Ich komme bald. Hingegen beschreibt Er Matth. 25,19. Sich selber als einen HErrn Seiner Knechte, der über eine lange Zeit kommt, und Rechenschaft mit Seinen Knechten halte. Er war nämlich gleichsam über Land gezogen, das ist in den Himmel gefahren, und hatte Seinen Knechten gerufen, ihnen Seine Güter, d.i. Seine Kirche zur Verwaltung übergeben, und Jedem Zentner, das ist Gaben, gegeben, um damit zu wuchern, oder etwas Gutes zu schaffen. Hernach kam Er über eine lange Zeit, usw. Diese lange Zeit zeigt an, dass Er den Knechten zur Erweisung ihrer Treue und ihres Fleißes Zeit genug gelassen, und sie, wenn sie mit ihren Gaben nichts gewonnen hätten, sich mit der Zeitkürze nicht hätten entschuldigen können. Auch mag der liebe Heiland, da Er von einer langen Zeit redete, auf den Sinn Seiner treuen Knechte Rücksicht genommen haben, welche, da sie Ihm dienen, sagten: es wird meiner Seele lang, zu wohnen bei denen, die den Frieden hassen. Es mag nun die Zeit, die bis zur Ankunft unsers HErrn verfließt, einem Menschen lang oder kurz zu sein dünken, so ist doch gewiss, dass Er kommen werde, ja schon jetzt komme. Wenn Er nun wird gekommen sein, so wird Er mit Seinen Knechten Rechenschaft halten. Dieses Rechnen wird aber ein anderes sein, als dasjenige, das Matth. 18,23. und ff. beschrieben ist, und bei welchem der Knecht, der seinem Herrn zehntausend Pfund schuldig war, noch die Erlassung der Schuld erlangen, und hernach auf die Probe gesetzt werden konnte, ob er seinem Mitknecht auch eine Schuld erlassen werde. So rechnet der HErr Jesus mit den Menschen, wenn Er ihm in diesem Leben seine Sünden aufdeckt, und Buße in ihm wirkt: aber am Tage Seiner Zukunft wird Er so rechnen, dass die Untersuchung und Offenbarung der Treue und Untreue Seiner Knechte auf ein unwiderrufliches Urteil hinauslaufen wird. Er wird entweder sagen: ei du frommer und getreuer Knecht, (welche Freude wird diese Anrede machen!) du bist über Wenigem getreu gewesen, Ich will dich über Viel setzen, gehe ein zu deines HErrn Freude; oder du Schalk und fauler Knecht, (welchen Schrecken wird diese Ansprache erwecken!) wusstest du usw., so hättest du sollen usw., darum nehmt von ihm den Zentner – werfet den unnützen Knecht in die äußerste Finsternis hinaus, da wird sein Heulen und Zähneknirschen. Lasst uns täglich an diese Rechenschaft gedenken, und in demjenigen, was uns befohlen ist, treu sein. (Magnus Friedrich Roos)