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Matthäus 22,2

Matthäus 22,2

Andachten

Das Himmelreich ist gleich einem Könige, der seinem Sohne Hochzeit machte, und sandte seine Knechte aus, dass sie die Gäste zur Hochzeit riefen: und sie wollten nicht kommen.
Wenn der König nicht nur seinen Sohn dahingibt für uns aus unbeschreiblicher Liebe, sondern auch noch einmal über das andere uns rufen, bitten, inständig bitten lässt, dass wir doch möchten nicht unser eigenes Verderben, sondern das Leben wählen was wäre unsere Pflicht? Offenbar das, dass wir diesem Ruf, den der König durch seine Knechte, aber nicht nur durch seine Knechte, sondern noch viel öfter durch seinen Geist in unserm Innern, durch allerhand Schickungen, durch die Stimme der Weisheit auf der Gasse an uns kommen lässt, Folge leisten, dass wir uns wirklich aufmachen und uns anschicken, zum Hochzeitmahl zu gehen; dies wäre unsere Pflicht. Wie betrübend muss es für den Heiland sein, wenn seine Gnadenmittel, die er so sauer verdient hat, und die er nun der Welt, der armen Welt einmal um das andere antragen lässt, geringgeschätzt, wenn die Stimme seiner Boten in den Wind geschlagen und seiner Gnade das Nichtige weit vorgezogen wird von den Seelen, die er so gern selig hätte! Der Apostel Jakobus sagt: „siehe der Arbeiter Lohn, der von euch abgebrochen ist, das schreiet; und das Rufen der Ernter ist gekommen vor die Ohren des HErrn Zebaoth“ (Jak. 5, 4.). Dies meint er von irdischen Arbeitern, von einem irdischen lohn. Aber welch eines viel größeren Gerichts wird der schuldig sein, welcher dem König aller Könige den Lohn seiner Schmerzen, den Lohn seiner Todesarbeit entzieht, nämlich sich selber, und diejenigen, welche diesen Lohn einfordern sollen, schnöde von sich weist! Das wäre also unsere heiligste Pflicht, das unsere Schuldigkeit, dass wir schon oft und viel und auch heute Geladenen Ade sprächen: ja wir wollen kommen, wir wollen uns bekehren, wir wollen den HErrn suchen, und dass man es dann nicht bloß sagte, sondern dass man auch anfinge, dass man sich auf seine Knie niederwürfe vor dem Heiland, dass man auch umkehrte von seinen verkehrten Wegen, vom Geiz, von der Liederlichkeit, von den faulen Geschwätzen, dass man sich auch herzlich nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit ausstreckte. (Ludwig Hofacker)


Mit diesen Gleichnisworten ist das tiefinnerste Wesen des Christentums und des Reiches Gottes geschildert. Es bedarf kaum der Bemerkung, dass dieser König Gott selbst ist, der Vater im Himmel, der Seinem eingeborenen Sohn JEsus Christus die Braut sucht. Die Braut des HErrn aber ist die gläubige Gemeinde und in der Gemeinschaft mit dieser auch jede gläubige, erlöste und begnadigte Menschenseele, die Jesum als ihren himmlischen Bräutigam mit inniger Liebe umfasst. Diese innige und völlige Vereinigung der Gemeinde der Gläubigen und der einzelnen gläubigen Christenseele mit JEsu, als ihrem Heilande und Erlöser, wird in unserem Text unter dem Bild der Hochzeit dargestellt. Ohne eine solche, völlig liebende Hingebung an Jesum, den himmlischen Bräutigam, gibt es für uns kein Himmelreich. Nur in dieser völligen Hingabe und Liebe zu Ihm, der uns erlöst hat, haben wir teil am Reiche Gottes. (Alwill Müthel)


Was es heißt, Gottes Volk zu sein, hat Jesus den Männern von Jerusalem in drei Gleichnissen mit herrlicher Klarheit gezeigt. Sie sind Gottes Söhne, Gottes Arbeiter und Gottes Gäste. Jedes dieser Gleichnisse gilt von allen, die zu Gottes Volk gehören, und sie alle sind nicht abwechselnd jetzt nur dies und dann nur dies, jetzt nur die Söhne, denen der Vater das Leben gab und die er in seine Gemeinschaft aufnahm, dann nur die Arbeiter, denen er seinen Weinberg zur Bebauung übergab, dann nur die Gäste, die er zum Feier seines Festes an seinen Tisch einlädt. Zusammen beschreiben ihnen diese Gleichnisse ihr Verhältnis zu Gott und sie können dieses nicht in Stücke zerlegen, können nicht Söhne sein, wenn sie Gott nicht dienen, können nicht Gäste sein, wenn sie nicht seine ihm gehorchende Söhne sind. Sie erleben darum im Verkehr Jesu mit ihnen dies alles im selben Vorgang. Durch Jesus sagt ihnen der Vater als seinen Söhnen: geht in meinen Weinberg, und weil sie die von Gott in den Weinberg gesetzten Arbeiter sind, bittet sie der Sohn, dass sie Gott geben, was Gottes ist, und weil sie Bürger in Gottes Stadt sind, lädt Jesus sie ein zur Feier des Festes, das der König seinem Sohne macht. Je heller aber Jesus Gottes Gnade leuchten lässt, an der jeder teilhat, der zu Gottes Volk gehört, um so dunkler und schrecklicher wird eines jeden Schuld. Nein, sagen die Söhne, die der Vater in seinen Weinberg schicken will. Nein, sagen die Weingärtner, die Gott seine Frucht geben sollten. Nein sagen die Gäste, die zum König gerufen sind, weil er seinem Sohn die Hochzeit bereitet und diese nicht einsam feiern will. Mit diesem letzten Nein spricht die Gottlosigkeit ihr hässlichstes Wort, wie uns auch Jesus seine Größe dadurch besonders deutlich zeigt, dass er sich auch auf dem Weg zum Kreuz als den beschreibt, der uns an seinem Feste Anteil gibt. Israel hat nicht recht, wenn es Jesus verwirft; du forderst uns zur Buße auf; das ist ein hartes Wort, und was du verlangst, ist ein schweres Gebot. Freilich duldet Jesus keinen Raub an Gott und ist von jenen Söhnen geschieden, die den Vater nur mit leeren Worten ehren. Er weckt uns auf aus unserer Erstarrung in Lieblosigkeit und macht unserem boshaften Unrecht ein Ende. Aber sein Wort ist nicht nur Gebot und nicht nur Gericht, das uns zur Buße treibt, sondern ist Evangelium, ist Einladung zur Gemeinschaft mit ihm an Gottes festlichem Tisch an Gottes herrlichem Tag. Das ist der Abschluss der Sünde, durch den wir sie vollenden, wenn wir zu seinem Evangelium sagen: nein, wir kommen nicht.
Du machst, Vater, aus unserer Buße ein freudiges Werk und aus unserem Gehorsam eine süße Pflicht und aus unserem Hoffen eine uns reinigende Kraft. Gib mir, wenn mich bedrückt, was in mir natürlich und verwerflich ist, einen Blick in die Feier Deines großen Tags. Amen. (Adolf Schlatter)


Das Himmelreich ist gleich einem Könige, der seinem Sohne Hochzeit machte.
Wo eine Hochzeit ist, da muss vor Allen Bräutigam und Braut sein. Den Bräutigam kennt ihr, er ist Jesus Christus. Nie hat es einen reicheren Bräutigam gegeben. Alles, was des Vaters ist, ist sein. Nie hat es einen treueren Bräutigam gegeben. Um seine Braut loszukaufen, hat er sein Herzblut gezahlt, das echteste Gold, das es je in der Welt gegeben hat. Und wer ist die Braut, um die er freit? Es ist die ganze Menschheit. Es ist auch jede einzelne Seele, auch deine Seele. Sehen wir diese Hochzeit an, so kann es für den herrlichen Bräutigam keine elendere Braut geben, als unser Geschlecht und uns. Reich sind wir nicht. Alles, was wir haben, ist göttliche Barmherzigkeit. Schön sind wir nicht. Denn wenn das Angesicht unserer Seele mit allen seinen Flecken und Falten offen da läge, so wäre das Angesicht der Lea noch ein Engelsangesicht dagegen. Treu sind wir nicht. Das ganze Geschlecht ist von dem Vater abgefallen. Und dennoch kommt der eingeborene Sohn dieses Vaters und wirbt mit aller Liebe um dieses Geschlecht, um diese armen Seelen. Begreife diese Barmherzigkeit, wer sie begreifen kann. Menschenliebe weiß Nichts davon. Nur in dem Gotte, der die Liebe selbst ist, und in seinem lieben Sohne kann solche Liebe wohnen.

Herr Jesu, du bist gekommen und hast um meine Seele geworben mit aller Liebe, Treue und Freundlichkeit. Um sie zu gewinnen, hast du bald das Feierkleid deiner himmlischen Herrlichkeit, bald wieder das Purpurkleid der Liebe bis in den Tod getragen. Ach dass doch meine Seele für deine gnädige und treue Werbung ein offenes Ohr hätte! Ach dass sie nicht mehr hörte auf die Stimme der Welt und ihres Fürsten, sich von dir zu scheiden, und die Wege des Fleisches zu laufen! Herr erbarme dich meiner! Wenn du heute fragst: „Hast du mich lieb, willst du dich mir vertrauen als eine feusche Braut ihrem Mann?“ so gib uns Freudigkeit, dass wir dir mit einem wahren, vollen, hellen Ja antworten. Ja, Amen. (Friedrich Ahlfeld)


Das Himmelreich ist gleich einem Könige, der seinem Sohne Hochzeit machte.
Was ist denn Christentum? In unserm Evangelium ist's beschrieben. Dasselbe sagt: „Das Himmelreich ist gleich einem Könige, der seinem Sohne Hochzeit machte.“ Das ist nun wohl ein Gleichnis, aber das Gleichnis muss einen Sinn haben, und was dieses Gleichnisses Sinn sei, darüber können wir nicht irre gehen. Der König, der die Hochzeit ausrichtet, ist Gott; der Sohn, dem er Hochzeit macht, ist Christus das ist klar; aber was ist die Hochzeit? Gemeinschaft mit Jesu Christo, ähnlich der Gemeinschaft, die zwischen Hochzeitsgästen besteht und dem Bräutigam, zu dem sie geladen sind. Diese Gemeinschaft erfordert von unserer Seite, dass man den Sohn kennt, dass man zu ihm kommt, nach ihm etwas fragt, dass man der Ehre sich freut, die er einem antut und sie sich über alles gehen lässt, weit über Acker und Hantierung, dass man in seiner Nähe sich wohl fühlt und, was er gibt und bietet, mit Dank als sein bestes und kostbarstes ansieht. Diese Gemeinschaft erfordert von Christi Seite, dass er ein Auge für uns hat, sich unser nicht schämt, als Freund uns lieb hat und mit einer Stätte in seines Vaters Haus uns ehrt, uns speist und tränkt mit seinen Gaben, als ein rechter Königssohn uns reich und stark macht, uns zu Ehren bringt und uns beschirmt und erhält, solange wir uns zu ihm halten. Diese Gemeinschaft ist also ein nahes Verhältnis zwischen uns und Jesu Christo, eine innige Freundschaft zwischen ihm und uns, ein Zusammenwachsen mit ihm durch Schmach und Ehre, durch Freud und Leid und solche Gemeinschaft ist Christentum, und solches Christentum, solche Religion das eine, was not ist. Was folgt nun daraus? Dies, dass wenn ich ein Christ sein will, ich mit Christo Gemeinschaft haben muss. Ich muss bei allem, was ich tue oder leide, ihn bei mir haben und Licht, Kraft, Stärke, Trost von ihm empfangen. Habe ich diese Gemeinschaft, dann habe ich das eine, was not tut; habe ich diese Gemeinschaft nicht, so ist alles, was ich habe, kein Christentum. Also: lebte jemand so rechtschaffen, dass auch nicht ein Stäublein übler Nachrede auf ihn gebracht werden könnte, Christus hätte aber dabei nichts zu tun, der hätte kein Christentum. Hat aber einer Gemeinschaft mit Christo und verspürt infolge davon etwas in seinem Geiste, das ihn zu einem Gräuel macht alles, was unrecht, lügenhaft, unsauber und lieblos ist, hingegen alles Gute und Löbliche ihm lieb und wert macht, so dass in Kraft dieses Geistes der Gemeinschaft mit Christo der Mensch rechtschaffen und unbescholten lebt, der hat Christentum. Trügest du dein Leiden wirklich mannhaft und ohne Bitterkeit und ohne unnützes Klagen, Christus aber hätte mit deiner Fassung nichts zu tun, und du nähmest ihn in deinem Leiden dir weder zum Licht noch zur Trostesquelle, dann fehlte das Christentum. Hast du aber Gemeinschaft mit Christo, ist's, wenn das Leiden über dich kommt, dein erster Schritt, mühselig und beladen vor ihn zu treten, dein erstes Bestreben, vor allen Dingen durch Gebet, durch den Gebrauch seines Wortes, durch das heilige Abendmahl die Verbindung mit ihm fest zu machen und zu erhalten, den Glauben in dir zu nähren, dass er das Leiden glorreich wenden oder segensreich für dich enden werde, dann hast du Christentum. (Caspari)

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nt/40/matthaeus_22_2.txt · Zuletzt geändert: von aj
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