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Matthäus 22,12

Matthäus 22,12

Andachten

Und er sprach zu ihm: Freund, wie bist du hereinkommen und hast doch kein hochzeitliches Kleid an? Er aber verstummte.
Unter allen denjenigen, die im Evangelium unter den Berufenen, aber nicht Auserwählten angeführt werden, ist gewiss der Mensch, welcher, weil ihm das hochzeitliche Kleid mangelte, aus dem Hochzeitsaale geworfen wurde, der bedauernswürdigste. Er war dem Ruf der Knechte nicht ungehorsam, er ist gekommen, er hat nicht verachtet, er hat seinen Acker und seine Hantierung gegen den himmlischen Beruf gering geachtet, er hat nicht gegriffen, nicht gehöhnt, nicht getötet, er ist hineingedrungen bis in den Hochzeitsaal, - und doch musste er vor der Frage des Königs verstummen, und gebunden hinaus in die äußerste Finsternis; das ist jämmerlich. Man kann also laufen, man kann kommen bis in den Hochzeitsaal, man kann in Allem aussehen wie ein wahrer Christ, und ist doch ein Mensch, dessen Erbteil ewige Finsternis ist. O lasst uns das wohl bedenken! Dieser Mensch war entweder zu träg dazu, sich der Verwandlung im Vorzimmer, dem Ausziehen des alten und dem Anziehen des neuen Menschen zu unterwerfen, oder er war zu hochmütig dazu, meinte, seine Kleider, seine mitgebrachten, selbsterworbenen Kleider seien schön genug für die königliche Mahlzeit, kurz er verschmähte die königlichen Kleider. Ach dass der HErr in unsere Herzen einen Strahl seines Lichts sendete zur Durchforschung und Durchsuchung unsers Innern! Fragt euch doch, ihr, die ihr einigen Anfang im Christentum gemacht habt, fragt euch doch: ist es uns denn auch ein wahrer Ernst zum Heiland? Sind wir auch willig, uns all dem zu unterwerfen, was zu unserer Reinigung und Vorbereitung auf den Tag der Ewigkeit gehört? Ist es uns auch das höchste Anliegen, nichts an uns zu dulden, was den Augen Jesu missfällig ist? Suchen wir auch in die Gemeinschaft seines Todes und seiner Auferstehung einzubringen, mit ihm zu sterben, das alte Leben der Natur je mehr und mehr in seinen Tod zu ziehen, und mit ihm im neuen Leben des Geistes zu wandeln? Wollen wir aus seinem Evangelium kein Kopfkissen für den alten Menschen machen? Wollen wir allein aus seinem Verdienst gerecht werden, nicht durch unsere Werke, Heiligkeit, Verleugnungen und dergleichen? „Erforsche mich, Gott, und erfahre mein Herz, prüfe mich und erfahre, wie ich es meine, siehe, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege!“ (Ludwig Hofacker)


Der Grund, warum ein gottloser Mensch sich nicht zu Gott bekehrt, liegt nicht darin, dass er nicht kann (obgleich er nicht kann), sondern darin, dass er nicht will. Er kann am Gerichtstage nicht sagen: „Herr, Du weißt, dass ich mein Bestes getan habe, um heilig zu sein, aber ich konnte nicht.“ Der Mann, der kein hochzeitliches Kleid anhatte, konnte nicht sagen: „Herr, ich war nicht imstande, mir eines zu beschaffen.“ Sondern „er verstummte.“ (W. Fenner.)


Freund, wie bist Du hereingekommen, und hast doch kein hochzeitlich Kleid an?
Die Frage des Königs, der seinem Sohne Hochzeit machte, will eigentlich sagen: „Wie hast du doch herkommen mögen, ohne dich als zu einer Hochzeit zu richten? Hast du es nicht für der Mühe wert gehalten, dein Besseres anzuziehen, dich feierlich, wie sich's gehört, zu kleiden, um säuberlich und anständig unter den Gästen zu sitzen, und ehrerbietig mir, dem Könige, dich darstellen zu können?“ Man muss sich's nämlich vorstellen, dass jener Gast nur so kam, wie er eben gerade war, und gar nicht daran dachte, dass er zu einer Hochzeit eingeladen sei, dass Er zum Könige komme. So ein Betragen ist offenbar eine Geringschätzung der Ehre, der er mit der Einladung gewürdigt wurde, eine Verachtung der übrigen Gesellschaft, und vor allem eine Gemeinheit, Frechheit und Unverschämtheit gegen den gütigen und freundlichen König, welche die empfindlichste Rüge und Strafe verdiente. Vielleicht will in dem Gleichnis auch das betont werden, wie Mancher um deswillen, dass man von den Straßen her die Gäste zusammenbrachte, auf den Gedanken kam, als komme es nicht sehr darauf an, wie man komme, wenn so Alles ohne Unterschied eingeladen werde. Ihm sei, wie ihm wolle, so sieht man leicht ein, wie ein König mit gerechtem Unwillen sagen konnte: „Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn in die äußerste Finsternis, da wird sein Heulen und Zähneklappern.“

Solches, meine ich, spreche gar deutlich zu uns. Es geht die an, welche das Evangelium kalt und schläfrig hinnehmen, gedankenlos mit den Andern laufen, die sich's schon gefallen lassen, dass man durch den HErrn JEsum soll Vergebung der Sünden und Anteil an der himmlischen Seligkeit bekommen, die also sich einreihen lassen unter die Gläubigen, Heiligen und Auserwählten, welche der HErr als die Seinen einst zu sich zu nehmen im Sinne hat, ohne im Geringsten Sorgfalt anzuwenden, dass sie würdig möchten erfunden werden. Leider gibt es Viele, auch unter denen, welche zum kleinen Häuflein sich gesellen, die nur gar nichts dazu tun, um einst gleichsam anständig vor dem HErrn zu erscheinen. Sie tun schon nicht genug Buße für das, was sie zuvor ungerecht gewesen sind, wie wenn ihre Vergangenheit gar nichts zu besagen habe, und kommen auf diese Weise doch nicht eigentlich aus Gnaden durch Christi Blut zu der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Sodann bemühen sie sich nicht, hinfort in einem neuen Leben zu wandeln, sich unbefleckt zu erhalten in einer versuchungsvollen Welt, machen in ihren angewohnten Sünden fort, leben mehr oder weniger nach den Lüsten des Fleisches und nach dem Lauf dieser Welt, ohne ihren Leidenschaften Zügel anzulegen. In letzterem lassen's oft auch Solche fehlen, die im Grunde den richtigen Weg der Buße gegangen sind, indem sie sich nichts weniger als rein halten.

Solcherlei Leute sind's, die ohne ein hochzeitliches Kleid kommen. Bedenken denn diese, wozu sie berufen sind? Erwägen sie, dass es gleichsam zu einer Hochzeitsfreude geht, wo eben das der Triumph ist, dass man der Sünde und dem Fluch der Sünde entronnen ist? Überlegen sie's, dass sich's um eine Darstellung vor dem heiligen und gerechten Gott handelt? Oder meinen sie auch, weil so viele, ja Alle eingeladen sind, so werde es nicht so genau genommen werden? Wie werden ihrer doch Viele erschrecken, wenn sie sehen, wie einst doch die Gäste besehen werden, die da stehen wollen in Gottes Gegenwart? Wie werden sie vollends erschrecken, wenn sie schon glauben, ein Recht unter den Andern zu haben, und doch noch ausgestoßen werden! Der HErr mache uns klug und ernst, dass wir nichts versäumen, um einst unbefleckt vor Ihm und unsträflich im Frieden erfunden zu werden.“ (2 Petr. 3, 14.)(Christoph Blumhardt)

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