Matthäus 19,20
Andachten
Was fehlt mir noch?
Moher kommt's, dass des Menschen Herz oft so schwach ist und so ohnmächtig? Wir haben uns die Frage ernstlich vorzulegen: „Was fehlt mir noch?“ Es darf diese Frage uns nicht verlassen, bis wir klare Antwort haben. Denn von der Antwort hängt unser ewiges Heil ab. Darum frage: „Was fehlt mir noch?“ Wir haben gar mancherlei, das Leib und Seele erquicken kann, und doch kann sich unser Herz daran nicht genügen lassen. Wenn wir selbst Freude und Lust und Geld und Ehre genießen dürfen, es bleibt etwas in uns, das ruft: „Ich habe nicht genug!“ Alle Gaben dieser Erde sind nicht groß genug, um das Herz zufrieden zu stellen. Wir sind zu hoch geboren, als dass unsre Seele sich könnte mit Erdendingen sättigen lassen. Drum wohnt die Frage in uns: „Was macht mich stark und glücklich? Was fehlt mir noch?“ Und welches ist die Antwort? Nun, wenn das Herz nicht ganz zufrieden ist, dann fehlt ihm der Herr Jesus Christus. Der Herr fehlt ihm, der sich hat um unsrer Sünde willen zerschlagen lassen, damit er die Sündennot, die uns immerdar quält und elend macht, vertilgen möchte. Der Herr ist dem Herzen fern, der so herrlich und mächtig vor uns steht, mit der Siegerkrone auf dem Haupt, und reicht uns seine beiden Hände voll Gnade entgegen. Der Herr muss wiederkommen und muss die erschreckte Seele wieder trösten mit himmlischem Trostspruch und ihr sagen, dass sie Kraft und Freude finden soll durch das Blut der Versöhnung. Denn das gerade ist so köstlich und so erquickend für uns, dass wir wissen: der Herr denkt an mich! Die ganze Welt liegt ihm zu Füßen, und er denkt an mich! Völker und Geschlechter wandeln unter seinem Auge, und er denkt an mich kleines Menschenkind. Wohl dir, wenn der Herr Jesus kommt!
Lasst uns beten: Du treuer Wächter Israels, lieber Vater im Himmel! Wir danken Dir, dass Dein Auge auch in dieser Nacht über uns offen gewesen ist, und dass Du uns bis zu dieser Morgenstunde wider alle Fährlichkeit beschirmt hast. Dir empfehlen wir uns heute mit Allem, was wir sind und haben. Insonderheit bitten wir Dich, lehre uns bedenken, was uns noch fehlt. Schreib es uns ins Herz, dass die Güter dieser Erde uns nicht genug sind, sondern dass wir mehr haben müssen. Du bist es ja doch allein, der unser Herz füllen kann; du allein kannst uns geben, was uns fehlt; in Dir allein ist Freude die Fülle und liebliches Wesen. Darum sei nicht ferne von uns. Amen. (Wilhelm Hunzinger)