Matthäus 17,8
Andachten
Da sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand, denn JEsum allein.
Herrliches Wort! Ach möchte dasselbe auch von uns gelten! Zwar leiblich ist es nicht möglich, aber umso mehr geistlich, indem unser Glaubensauge so geschärft wird, dass es den völligen Sieg über das irdische Dunkel gewinnt und der helle Morgenstern aufgeht in unsren Herzen. Von Elias heißt es: „Und er ging Tag und Nacht kraft dieser Speise, bis dass er kam an den Berg Gottes.“ Auch uns wird die stärkende Wegkost in Seinem Wort und Sakrament gereicht und unsere müden Knie werden aufgerichtet, um zu laufen im Kampf, der uns verordnet ist. Darum vorwärts! In Seinem Namen ziehen wir, in Seinem Geiste pilgern wir, in Seiner Kraft überwinden wir, in Seinem Blut werden wir gerecht und Erben des ewigen Lebens. Er verleihe uns Kraft, hinfort nur noch Eine Passion, Ihn, nur Ihn zu haben und zu behalten! (unbekannt)
Da sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand, als Jesus allein.
Martha kann nun nicht länger warten, ihrer Schwester die frohe Botschaft mitzuteilen, welche sie zuerst gehört hat. Eilenden Fußes kehrt sie nach Hause zurück mit der Kunde: „Der Meister ist da und ruft dich.“ Maria hört es, sagt in ihrem stillen Kummer kein Wort, steht eilend auf und geht zu ihm. Die Nachbaren haben ihren Weggang bemerkt und glauben, dass sie zum Grabe gehe, dort zu weinen. Sie verstehen es nicht, dass sie den Einen suchte, der allein ihr Herz trösten und froh machen konnte. Nur ihm, dem Herrn des Lebens, konnte sie ihr Herz ausschütten. Auch jetzt noch ist es Jesus allein, der unser Leid ganz versteht, dem auch nicht die zarteste Regung unseres Herzens entgeht, der den schwersten Kummer, den wir vielleicht im Geheimen hegen, mit uns fühlt. „Sein Mitleid ist ein Mitleiden.“ Menschliches Mitleid dagegen ist begrenzt und kommt nicht immer aus des Herzens Tiefe. Darum lässt es uns gar oft unbefriedigt. „Das Verlangen der Elenden hörst du, Herr, und ihr Herz ist gewiss, dass dein Ohr darauf merkt (Ps. 10, 17).“
In Maria sehen wir das getreue Bild eines gebrochenen Herzens. Sie ist dankbar für das menschliche Mitleid, das viele Juden von Bethanien ihr bezeugen; aber über dies alles geht ihr die Nachricht: Der Herr ist gekommen. Glücklich alle, die so von allem menschlichen Trost gern absehen, wenn sie die Botschaft vernehmen: Der Herr ist da.
„Der Meister ist da und ruft dich.“ Er will allen Verlust ersetzen. Es ist das Ziel und die Absicht unseres gnädigen Gottes, bei all seinem Tun, uns, wie Maria, zu Jesu Füßen hin zu leiten. Ja, er ruft dich, du armes, untröstliches Herz, da du glaubtest, mit deinem Leid allein in der weiten Welt zu stehen, er will Öl und Wein in dein verwundetes Herz gießen und dir ein Pfand seiner Liebe in der Heimsuchung geben. Er will seinen Trost in den bitteren Kelch gießen, deine schwere Last will er dir erleichtern und dir die Hoffnung ewigen Lebens schenken. Siehe, welch ein gütiger, barmherziger und gnädiger Meister er ist. Gehe zu ihm hin mit deiner Betrübnis. „Den Abend lang währt das Weinen, aber des Morgens ist Freude.“ (Ps. 30,6.) Wir können uns vorstellen, wie Maria den Weg entlang eilte und die Worte des Psalmisten in ihrem Herzen bewegte: „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir; meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott!“ (Ps. 42,2.3.) (John Ross MacDuff)
Da sie aber ihre Augen auftaten, sahen sie niemand denn Jesum allein.
Als Petrus den Herrn mit Moses und Elias sah, rief er: „Herr, hier ist gut sein!“ Es scheint fast, er dachte, mit Jesus, Moses und Elias zusammen zu sein, sei noch besser, als Jesus allein zu haben. Nun, es mag das eine Mal recht gut für Petrus gewesen sein, dass er Jesus verklärt sah und bei ihm die Männer, die das Gesetz und das Prophetentum des alten Bundes darstellten, aber immer in einem solchen Zustand der Verzückung zu sein, wäre nicht gut für die Jünger gewesen. Das Beste für Petrus war nicht die hohe geistige Erhebung bei der Verklärung, auch nicht die auserwählte Gesellschaft der beiden großen Männer, sondern der ebenso herrliche aber viel weniger aufregende Verkehr mit Jesus allein. Beseligende Erfahrungen und Gefühle hoher Freude sind hie und da einmal eine wohltuende Stärkung und Erquickung, aber für das Alltagsleben wären sie lange nicht so gut, wie der stille, aber köstliche stete Umgang mit Jesus allein, der das Kennzeichen des christlichen Lebens sein sollte. Als die Jünger mit Jesus allein den Berg erstiegen und als sie mit Jesus allein wieder zu dem Volk hinuntergingen, hatten sie ganz ebenso gute Gesellschaft, wie auf dem Berge mit Moses und Elias, und wenn auch Jesus in seiner gewöhnlichen Gestalt und in seiner gewöhnlichen Kleidung ihre Augen nicht so blendete wie auf dem Berg der Verklärung, so war er doch ebenso herrlich und der Umgang mit ihm ebenso segensreich. Jesus allein ist doch besser als Moses und Elias. Jesus allein, der Jesus, den wir alle Tage haben können, der als Mensch unter Menschen wandelte, ist, solange wir im Leibe sind, auf die Dauer viel besser für uns, als es der Anblick seiner verklärten Majestät wäre. (Charles Haddon Spurgeon)