Matthäus 17,5
Andachten
Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.
Zwei Male hören wir die Stimme des Vaters über dem Sohn in gleicher Weise: das erste Mal unmittelbar nach der Taufe und jetzt wieder auf dem Berge der Verklärung. Wir fühlen es den Worten ab, wie bedeutungsvoll sie sind. Als der Herr sich taufen ließ, hatte er seine dreißigjährige Stille hinter sich, über die wir, abgesehen von den kurzen Bemerkungen über seine Kindheit, nichts wissen. Die Stimme des Vaters: das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, gibt jenen dreißig Jahren die Überschrift. Sie ist auch für unsere Erlösung wichtig. Als der Geliebte des Vaters, auf dem sein Wohlgefallen ruht, hatte er in heiliger Weise jene stille Zeit verlebt, und als solcher steigt er bei der Taufe in die Fluten des Jordans, und bezeugt dadurch, dass er für Israel und uns in den Tod gehen und unsere Sünden auf sich nehmen will als das Lamm Gottes. So spricht Gott schon bei der Taufe vom Himmel herab aus, dass auf dem, der jetzt durch sein Untertauchen im Jordan seine Bereitwilligkeit zum Sterben für die Sünden der Welt bezeugt, sein Wohlgefallen ruht. Er ist der Mann, bei dessen Geburt die Engel fangen: an den Menschen ein Wohlgefallen. Dieses Wohlgefallen Gottes an uns ist eingeschlossen in dem Zeugnis Gottes am Jordan: „an dem ich Wohlgefallen habe“; in ihm, dem Geliebten, der unsere Sünden trug, sind wir angenehm gemacht.
Auf dem Berge der Verklärung erschienen Mose und Elias unserem Herrn und redeten mit ihm von dem Ausgang, den er nehmen sollte, d. h. von seinem Leiden und Sterben. Wir wissen nichts Einzelnes, was sie mit ihm redeten und wie er ihnen antwortete; Eines aber steht fest, dass er dort aussprach, wie immer: ich lasse mein Leben von mir selber; es bleibt dabei, ich will sein das Lamm Gottes, das Opfer für die Sünden der Welt. Das Leuchten seines Angesichtes bewies, dass das Opfer geheiligt war, durchheiligt vom heiligen Geist. Da bezeugt der Vater wieder sein Wohlgefallen an ihm, an seiner geheiligten Person und an seiner Leidenswilligkeit. Das ist Nahrung für den Glauben Aller, die durch Jesu Opfer versöhnt und geheiligt sind und es werden wollen.
Lieber Vater im Himmel! habe herzlich Dank für Deine Stimmen vom Himmel auf Deinen lieben Sohn. Habe Dank! dass in ihm Dein Wohls gefallen auch auf mir ruht. Amen. (Elias Schrenk)
Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören! Da das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr. Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht.
Klare Zeugnisse für die Wahrheit des Evangeliums sind sehr wichtig. Manchmal wünschen wir vielleicht, Gott möchte vom Himmel herab sprechen oder ein besonderes Wunder tun, damit uns jeder Zweifel genommen werde. Aber wir wissen nicht, was wir bitten und wünschen. Wir sind aus demselben Stoff gemacht, wie Petrus, Jakobus und Johannes, und eine Stimme vom Himmel würde auf uns dieselbe Wirkung haben, wie auf sie. Wir würden auf unser Angesicht fallen und erschrecken. Geistliches muss aus Geistlichem herauswachsen; der seligmachende Glaube entsteht nicht durch leibliches Sehen und Hören. Und wie oft müsste ein sichtbares Zeichen wiederholt werden. Der Unglaube stirbt ja so schwer. Unser Text zeigt uns, dass nicht eine hörbare Stimme Gottes notwendig ist, um die Wahrheit des Christentums zu erweisen, sondern das Zeugnis Gottes von Christus in unserem Innern. Die besten Beweise sind die, die aus der Erfahrung hervorwachsen, und diese Erfahrung bekommt ein Mensch viel mehr, wenn er in innerer Gemeinschaft mit dem Herrn lebt und sich seiner Gegenwart erfreut, als wenn der Vater selbst aus einer Wolke zu ihm spräche. Was wir so sehnlich wünschen, ist Gewissheit, aber Gewissheit erlangen wir viel eher durch persönliche Erfahrung als durch äußeres Zeugnis. Ein wunderbares Eingreifen würde uns zwar überzeugen aber auch niederschmettern; eine geistliche Heimsuchung, ein tröstliches Wort erquickt zugleich, indem es uns überzeugt. (Charles Haddon Spurgeon)