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Matthäus 16,6

Matthäus 16,6

Andachten

Jesus aber sprach zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor dem Sauerteige der Pharisäer und Sadduzäer.
Wenn die Pharisäer zur Zeit Jesu mit einem äußern Werkdienst ihren Gott abzufinden meinten, aber das Schwerste im Gesetz dahinten ließen, das Gericht, die Barmherzigkeit und den Glauben, schleicht nicht gar gern in die Gemeinde des Herrn immer wieder dieser äußere Werkdienst sich ein, weil eben das Menschenherz heut noch ist wie damals und den Ernst der Buße und den Kampf der Selbstverleugnung und die Arbeit der Heiligung scheut? Wenn im Menschen von Natur die pharisäische Neigung steckt, sich besser zu geben als er ist, und nicht nur vor andern, sondern auch vor sich selbst seine Tugenden ins Licht zu sehen, seine Fehler tunlichst zu bemänteln, sich mit einem guten Schein, sei es von Frömmigkeit und Gottseligkeit, oder von Biederkeit und Redlichkeit, oder von Gutmütigkeit und Edelmut zu umgeben, und dabei mit offenerem oder versteckterem Hochmut herabzusehen auf die, welche schlechter sind oder schlechter scheinen als wir, hat da der Herzenskündiger, der Menschenfreund, der da wusste, was in der Menschen Herzen war, nicht alle Ursache, auch die besseren in der Gemeinde, auch seine Jünger zu warnen: Seht zu, hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer? Und haben wir nicht Ursache, uns zu fragen: war nicht auch mein Gottesdienst je und je pharisäischer Werkdienst? Sache der Gewohnheit statt Sache des Herzens? Ist vielleicht auch mein Christentum mehr Schein als Wesen? Hat nicht auch in meinem Herzen sich etwas eingenistet von dem pharisäischen Wahn, besser zu sein als andere Leute? Habe etwa auch ich mir den Geschmack am Brote des Lebens verderbt und den Segen des Evangeliums vereitelt durch solch pharisäischen Wahn und Dünkel?

Denn wie an einem stählernen Panzer beides abprallt, die scharfe Schneide des Schwerts und der milde Strahl der Sonne, so verliert auch das Wort Gottes seine verwundende Kraft, durchzuschneiden, bis dass es scheide Seele und Geist, Mark und Bein, und seine heilende Kraft, selig zu machen alle, die daran glauben, wo es auf ein abergläubisches, selbstgerechtes Pharisäerherz stößt, und beides, die Schwertstreiche des göttlichen Gesetzes wie die Sonnenstrahlen des Evangeliums, gleiten wirkungslos ab an der glatten Rinde solchen pharisäischen Wahns. Aller Ernst des Gesetzes, alle Predigt der Buße, alle Lehre und Vermahnung des göttlichen Worts, was richtet sie aus an einem Herzen, das gewappnet ist mit dem Wahn: ich bin schon gerecht, ich bin schon weise, ich bin jedenfalls besser als tausend andere? Und aller Trost des Evangeliums, alle Süßigkeiten der göttlichen Gnade, alle Segnungen des Sünderheilands, wie kann der sie schmecken und schätzen, der in dem Dünkel steht: ich brauche keine Gnade; der die Armut seines Geistes, die Verderbnis seines Herzens, die Eitelkeit seiner Tugend und die Größe seiner Sünden noch gar nie erkannt und gefühlt hat? Und alle Gnadenzeiten und Gnadenmittel, was können sie dem für Gewinn bringen, der sie an sich kommen und an sich vorübergehen lässt in der Selbsttäuschung: ich bin schon reich und habe satt und bedarf nichts? Ja, wenn der Heiland leibhaftig wieder auf die Erde käme, er müsste mit all seiner Gottesmacht und Sünderliebe vorübergehen an einem solchen Pharisäer und sprechen: Die Kranken bedürfen des Arztes und nicht die Gesunden; ich bin gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen, und nicht die Gerechten.

Darum hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer! Und du, Herr, unser Gott, hüte uns selber vor dem abergläubischen Wahn, als seien wir etwas; öffne uns die Augen und zeige uns unser Elend, damit wir auch den Trost deines Wortes mögen schmecken und es erfahren: dieses Wort stärkt unsre Seelen als das rechte Himmelsbrot! Amen. (Carl von Gerok)


Jesus sprach zu seinen Jüngern: Seht zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer.
Die Sadduzäer waren gebildete Weltleute, Leute, die ihre eigene Religion hatten, die Volksreligion für Aberglauben hielten, und sich weit über den Pöbel hinaufdachten mit ihren aufgeklärten Religionsansichten. Weil der fleischliche Mensch, dessen Trieb auf das Sichtbare geht, keine Freude am Unsichtbaren hat, und der Gedanke an eine Geisterwelt und Ewigkeit mit einem uns heimlichen Gefühl für ihn verbunden ist: so hatten es sich die Sadduzäer bequem gemacht. Sie entfernten aus ihrer selbstgemachten Religion Alles, was nur von ferne an eine unsichtbare Welt erinnerte; sie glaubten keinen Engel, noch Geist, keine Auferstehung der Toten, vielleicht nicht einmal eine Unsterblichkeit der Seele. Dies Alles hatte viel zu sehr die Gestalt des Aberglaubens, oder konnte dazu Anlass geben. Sie scheinen den Grundsatz gehabt zu haben, der auch in unsern Tagen den sogenannten aufgeklärten Religionsansichten auf eine offenbarere oder verstecktere Weise zu Grunde liegt, dass nichts zu glauben sei, was nicht in die fünf Sinne falle. Diesen aus dem Fleische, aus tiefer Blindheit des Herzens und aus den gröbsten sinnlichsten Begriffen entsprungenen Wahn nannten sie Weisheit, Aufklärung, geistigere Religionsansicht. Dabei suchten sie natürlich ihr Teil in dieser Welt, trachteten nach Ehre, nach Geld, nach Wollüsten; die Welt und was die Welt gibt, das war ihnen groß; das Unsichtbare war nichts in ihren Augen, und so sehr sie sich feiner und geläuterter Religionsbegriffe rühmten, so grob dienten und frönten sie den Lüsten und Begierden des Fleisches.

Wie sehr aber eine solche Denkungsart gegen die züchtigende und ergreifende Kraft des Wortes Gottes das Herz verschließe, werde ich nicht erst beweisen dürfen. Was mag Johannes der Täufer für ein verächtliches Lichtlein in den Augen dieser aufgeblasenen Leute gewesen sein; was muss die einfältige Predigt des Evangeliums für ein törichtes Ding vor einem solchen Weltweisen sein! Wie wenig kann der Geist Gottes durch das verworfene und für einen Aberglauben gehaltene Wort einem solchen stolzen Herzen beikommen! Wahrlich! es war schon viel, wenn ein solcher weiser Mann nur hinausging, um den armseligen Propheten in der Wüste zu hören! Es war viel, wenn er den Bußprediger nicht ins Angesicht hinein auslachte. Und wenn je ein oder das andere Wort des Täufers einen solchen Sadduzäer traf, so war der Eindruck von seinen Freunden bald wieder weggelacht und weggespottet. (Ludwig Hofacker)


Jesus sprach zu seinen Jüngern: Seht zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer.
Es gibt auch Pharisäer, welche christliche Erkenntnis haben, die Heilslehre wohl kennen, schon vieles vom Heiland gehört, wohl auch selbst von ihm geredet haben, und sind doch tot im Herzen. Diese halten ihre Erkenntnis, ihre Sprüche, ihre Verse, die sie im Kopf haben, ihr Anerlerntes, das auf der Oberfläche ihres Herzens schwimmt, und niemals in ihr Blut und Leben eingedrungen ist, für das wahre, ihnen eigentümliche göttliche Leben. Diese sind wohl die unzugänglichsten für die Kraft des Wortes. Was sie davon lesen oder hören, das ist ihnen schon bekannt, und eine alte ausgemachte Sache. Ist das Wort Gottes scharf, so denken sie: das ist gut für die Unbußfertigen. Ist das Wort tröstend, so deuten sie es ganz auf sich; redet das Wort von Gläubigen, von Kindern Gottes, so sind sie darunter gemeint; ist von Ungläubigen die Rede, so sind Andere darunter verstanden. So wird die Kraft des Wortes ganz an ihren Herzen gebrochen und abgestumpft; sie meinen, sie hätten den Himmel gepachtet. Ein jämmerlicher Herzenszustand! - Wer ist denn nun empfänglich für die Kraft des Wortes Gottes? Antwort: den Armen wird das Evangelium gepredigt, und am Ende des elften Kapitels des Evangeliums Matthäi sagt der Heiland: „Kommt her zu mir, ihr Mühseligen und Beladenen, ich will euch erquicken.“ Wer in einem äußerlichen Leidensbrücke steht, in wem Zweifel an seiner eigenen Weisheit erwachen, wer in seinem Gewissen beunruhigt ist, solche Seelen sind dazu vorbereitet durch die Kraft des Wortes Gottes getroffen zu werden. Wo aber dies alles nicht eintrifft, da findet die bittere und demütigende Wahrheit keinen Raum, und wenn ein solcher Mensch doch durch das Wort Gottes erschüttert wird, so ist es ein doppeltes Wunder. (Ludwig Hofacker)

Predigten

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