Matthäus 16,24

Andachten

Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir Jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir.
Wir wollen Jesu nachfolgen. Also müssen wir auch, wenn es anders unser Ernst ist, unter seine Fahne. Seine Fahne ist das Kreuz. Das Kreuz ist eine durchbrochene Welt; der Strahl von oben hat sie zerspalten. Wie kommt es aber, dass Kreuz und Christus so eng zusammengehören? Du wirst es erfahren, wenn du anfängst dich selber zu verleugnen. In dir sind zwei Personen, von denen die eine die andere verleugnen soll; das ist der alte und der neue Mensch, das ist die Welt und Christus in dir. Jedes ist ein Ich in dir. Das eine sagt: Leben, gewinnen, genießen, an heute denken, den Tag in seinen Freuden auskaufen, seinen Willen haben, sich Nichts abgehen lassen. Dieses falsche Ich, das dir der Feind in deine Seele gepflanzt hat, sollst du verleugnen. Du sollst ihm sagen: „Ich kenne dich nicht, ich will nichts von Dir wissen, du bist nicht mein wahres Wesen und Leben.“ Das ist saure Arbeit. Wenn der alte Spötter oder Wüstling oder Hoffärtige oder Geizhals oder Neidhard, oder wie er geheißen hat, an die Tür deines Herzens pocht und herein will, dann schlage sie zu und sprich zu ihm: „Ich kenne dich nicht.“ Treibst du die Verleugnung so, dann kommt das Kreuz ganz von selbst. Kein Christ kann sich über Mangel desselben beklagen. Jede Verleugnung der alten Sünde kostet Herzblut. Aber sei nur getrost und unverzagt. Halte nur aus im Gebet und Kampf, dann ist Christus selbst im Kampfe dir der treueste Helfer.

Herr Jesu Christe! Gib uns den rechten Mut, das Kreuz zu tragen, und uns selbst unter das Kreuz zu wagen. Lass uns erfahren, dass am Kreuzesbaum köstliche Früchte reifen. Weil du dich verleugnet hast und gehorsam geworden bist bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuze, darum hat dich auch Gott erhöht und hat dir einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, in welchem sich beugen sollen aller Derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass du der Herr seiest, zur Ehre Gottes des Vaters. So willst du uns auch durch das Kreuz zur Krone führen. Was darum der heutige Tag und jeder folgende uns bringen möge, lass es uns in deiner Kraft tragen und mache uns das Kreuz immer lieber als das Zeichen in dem wir siegen sollen. Amen. (Fr. Ahlfeld)


Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst.
Bei jedem Schritt, den ich tue, berate ich mich mit mir selbst. Ich höre auf das, was ich als Glück empfinde und als Schmerz fürchte. Ich erwäge, wie weit meine Mittel reichen, und stelle fest, was meine Lage von mir verlangt. Ohne diese Beratung mit mir selbst kann ich nicht handeln und sie ist wichtiger als jede Beratung mit anderen Menschen; denn ihr Rat kann mir dazu helfen, dass ich mich selber richtig berate. Denn sie kennen mich nicht so, wie ich mich kenne. Nun trifft mich Jesu Wort wieder wie ein Blitz. Höre nicht auf dich, sagt er; tue nicht, was du dir rätst, folge nicht deinem eigenen Urteil, deinem eigenen Empfinden, deinem eigenen Begehren. Verleugne dich. Wenn du einen anderen verleugnest, sagst du: ich kenne ihn nicht und habe keine Gemeinschaft mit ihm. Sage dir selber die Gemeinschaft auf. Was soll denn, lieber Herr, mich leiten? Du willst ja, sagt er, mir nachfolgen. Nun sage dir nicht selber, was du tun willst, sondern lass mich es dir sagen, und miss die Dinge nicht nach deinem Maß, sondern empfange das Maß von mir, mit dem du deine Entschlüsse formst. Ob dein Weg dir gefällt, daran liegt nichts; deine Sorge kann nur sein, dass er mir gefällt. Wieder zeigt mir Jesu Gebot seine Herrlichkeit. Stände er neben mir in derselben Entfernung von Gott wie ich, dann brauchte ich nicht mich selbst verleugnen, um ihm zu gehorchen. Dann meinten wir dasselbe und handelten aus denselben Beweggründen. Nun denkt er aber an das, was Gottes ist, und ich an das, was des Menschen ist. Er will das, was Gott verherrlicht, und ich das, was mir nützt. Er handelt in der Liebe und ich in meiner natürlichen Eigensucht. Darum gibt es zwischen uns keinen gemeinsamen Rat, sondern für mich gibt es nur die Unterweisung unter den seinen, und damit ich das fertig bringe, ziehe ich mein Vertrauen von mir weg und bin nicht für mich selbst die Autorität, der ich folge, sondern höre auf ihn und glaube ihm.
Ich habe es oft erfahren, dass ich mir selbst nicht trauen kann, habe es aber auch reichlich erfahren, dass ich Deinem Wort trauen darf. Du bist das Licht der Welt. Das Licht leuchtet nicht in mir, gibt mir aber die beleuchteten Augen, wenn Dein Licht mich bescheint. Amen. (Adolf Schlatter)


Jesus verpflichtete die Seinen zum Sterben. Als er ihnen den Ausgang zeigte, der in Jerusalem auf ihn wartete, sagte er ihnen: mein Kreuz zeigt euch, wohin ich euch führe. Als die Ausgestoßenen, Verfluchten, zum Tod Verurteilten geht ihr hinter mir her denen gleich, die ihre Kreuze zum Richtplatz tragen. Für solche ist die Welt vergangen und das Leben abgeschlossen; was sie noch vor sich haben, ist nur Schmach und Schmerz und Tod. Das sagte der Herr denen, die er zu Israel sandte, damit sie in heißem Ringen in Jerusalem ausharrten, bis die letzte Möglichkeit, das Wort Jesu zur Judenschaft zu bringen, erschöpft sei. Sagt dieses Wort auch mir etwas, was zum Evangelium Jesu gehört und für keine Zeit die Geltung verliert? Wie feierlich hat Jesus vom Sterben gesprochen, mit dem das Leben gewonnen sei, während es verloren gehe, wenn wir unser Leben erhalten wollen! Galt dies nur seinen ersten Boten oder steht es als Gottes heilige Ordnung über uns allen? Trete ich zu Jesus hinzu, so bedeutet das die Trennung von allem, was mich ohne ihn berührt und beherrscht. Das schneidet durch alle menschlichen Beziehungen durch und löst mich von allen natürlichen Zielen ab. Wenn ich aber die natürlichen Güter hinter mir lasse, so trete ich auf jenen Weg, der zum Sterben führt, und wenn ich den Menschen nicht über mich Herr sein lasse, so mache ich ihn zu meinem Feind. Ich kann nicht auf die Freundschaft der Welt verzichten, ohne dass sie mir zur Feindin wird. So kommt auch zu mir, was Jesus das Kreuztragen nannte. Er legt es uns deshalb auf, weil er selber es trug. Er ging in das Leben durch das Sterben; darum besteht auch der Christenstand in der entschlossenen Bereitschaft zum Sterben. Er war nicht von der Welt und ließ sich von ihr nicht führen und wurde nicht ihr Knecht. Darum besteht auch unser Christenstand in der Trennung von der Welt. Er hatte sein Ziel nicht im Bereich der Natur, sondern schritt ins ewige Leben hinüber. Darum zieht auch uns der Christenstand von allem weg, was unser Fleisch und Blut begehrt, und zeigt uns unser Ziel im ewigen Leben. In diesem Sinn wird auch für uns alle das Leben aus dem Tod geboren.
Dass wir dem Bösen entsagen, das, lieber Herr, ist ganz und gar Gnade und der Natur gemäß. Schwer wird es uns aber, auch auf das Gute zu verzichten, das die Natur uns bereitet, und das Schöne zu missen, das wir bei den Menschen finden. Vor dem Sterben bangt die Seele. Nun gilt es, Dir zu glauben, willig zu entsagen und den Blick auf Dich zu richten, der Du zum Heil der Welt das Kreuz getragen hast. Amen. (Adolf Schlatter)


Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir.
Es gibt keinen andern Weg zum Leben und zum wahren Seelenfrieden, als den Weg des Kreuzes. Trägst du das Kreuz geduldig, so wird es dich zum erwünschten Ziele führen, nämlich dahin, wo alles Leiden ein Ende hat. Aber hier auf der Erde ist dieses Ziel und Ende nicht. Bist du ungeduldig, so vermehrst du dir die Last und trägst schwerer. Dennoch musst du tragen. Wer sich ohne Murren unterwirft, dem verwandelt sich die Pein der Trübsal in freundliche Zuversicht zu Gott, dem Helfer und Tröster. Je mehr das Fleisch verwest, desto mehr wird der innere Mensch von Tag zu Tag durch Gnade erneuert. Schicke dich als ein guter und getreuer Knecht Christi, männlich zu tragen das Kreuz deines Herrn, der für dich aus Liebe sich Kreuzigen ließ. Trinke den Kelch des Herrn unerschrocken, wenn du sein Freund sein und Teil an ihm haben willst. Deine Freuden überlass Gott; er mag es damit machen nach seinem Wohlgefallen. Du aber sei geduldig in der Trübsal und halte das für den größten Trost, dass dieser Zeit Leiden nicht wert sind der Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll. Leiden musst du, wenn du Christum lieben und ohne Unterlass ihm dienen willst. Wärest du doch würdig, etwas um Christi willen zu leiden! Welche Ehre wäre das für dich! Jesus spricht: Ich will ihm zeigen, wie viel er leiden muss um meines Namens willen. Herr, um deinetwillen will ich gern leiden, was du mir schickst. Behüte mich nur vor der Sünde! Wenn du mich nur nicht verwirfst und mich nicht auslöscht aus dem Buche des Lebens, dann wird mir keine Anfechtung und Trübsal schaden. Gib mir nur deine Gnade, dass sie bei mir sei und bleibe, und bis ans Ende mich trage. Amen. (Aus der Nachfolge Christi.) (Adolf Clemen)


Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir.
Dass wir nur in unserm Kreuz, unserm Hauskreuz den Herrn suchen und finden lernen, den für uns Gekreuzigten! Dass wir nur unser Kreuz unter sein Kreuz tragen, und ihm nachfolgen, dass er es uns segne und heilige! Dass wir nur den Segen des Kreuzes uns nicht verderben durch unsre Schuld! Dass wir nur nicht, wie es so oft geschieht, durch das Kreuz irre werden am Herrn, und ihm noch ferner kommen! Dass wir nur nicht wähnen, Gott hätte uns verworfen, er hätte Etwas wider uns, weil er uns das Kreuz auflegt. Das war Hiobs Verzweiflung. Vielmehr sucht er uns in der Trübsal heim; näher will er uns kommen in seiner Liebe. Wie oft ist das Hauskreuz die Ursache, dass die Liebe, die sonst die Herzen untereinander verbindet, abnimmt. Sie murren wider einander, sie werden vergrämt und verbittert. O, so soll's nicht sein. Durch das gemeinsame Kreuz sollt ihr erst recht fest miteinander verbunden werden. Je schwerer das Kreuz, mit umso innigerer Liebe sollt ihr einander halten und tragen. Grade da sollt ihr ganz innewerden, was ihr aneinander habt. Einer trage des Andern Last; tragt sie zusammen, so wird sie leichter. Je größer Kreuz, je größer Liebe. - Und das gilt auch von dem schwersten Kreuz, das nicht Gott, das sich die Menschen selber aufbürden, da Einer leiden muss von des Andern Schuld, und ist doch fürs Leben mit ihm verbunden. Schweres Märtyrertum, meist verborgen vor der Welt! Da gilt es leben, auch wo man nicht geliebt wird. Da gilt es die Liebe beweisen, die Alles glaubt und Alles hofft und Alles duldet. Da gilt es nicht ermüden in der Heilsarbeit an des Andern Seele, auch wenn er immer wieder zurückfällt. Ist dir solch ein Kreuz aufgelegt, wirf dich täglich in deines Gottes Arme. Sprich: Die ich liebe, sind wider mich; ich aber bete. O Herr, mach uns stark in dem Kampf, den du uns verordnet hast; mach uns stark zum Siege. Amen. (Adolf Clemen)


Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir.
An der Selbstverleugnung erkennt der Herr seine rechten Jünger. Man kann sehr zärtlich tun gegen Jesum, sehr schön beten in Versammlungen, und doch ist ein Knoten da, den die Leute nicht sehen, den der Herr aber kennt. Es ist die Selbstverleugnung, die noch fehlt. Man weicht ihr aus, wo man kann, und gibt sich oft die schönsten Gründe an, dass sie hie und da ja nicht nötig sei. Der Herr hat viele Verehrer, aber wenig Jünger, und auch unter diesen sind die wenigsten rechte Kreuzträger. Das liebe, alte Ich will sich immer noch nicht in den Tod begeben; man verleugnet sich wohl gelegentlich, wenn es sich nicht mehr anders tun lässt, aber das ganze Leben liegt noch nicht unter dem Kreuz; daran fehlt es. Wo aber der Geist der Selbstverleugnung fehlt, da fehlen auch noch die Werke derselben, und wenn man ins Einzelne hinein sieht, entdeckt man wiederum, dass nicht Alles Gold ist, was glänzt. Es sind drei Ursachen, die uns das Selbstverleugnen schwer machen. Zuerst: man will sich nicht beugen; die Hoffart steckt noch zu sehr im Herzen. Am Knopfloch trägt man das Kreuz sehr gern; aber wenn man es dem Meister in stiller Ergebung nachtragen soll, da sträubt man sich bis aufs Äußerste. Zweitens: man kann noch nichts hergeben; der Opfersinn fehlt immer noch. Man hängt und klebt an so Vielem, und wenn der Herr die Hand nach etwas ausstreckt, was ihm ebenso ist, als uns, so meinen wir, solch ein Opfer geht uns ans Leben. Drittens endlich: man will mit dem Verleugnen immer warten. Mancher erkennt wohl: Es muss zu einem völligeren Ausziehen meiner selbst kommen; aber einstweilen bleibt es doch beim Alten. Es ist immer dieselbe Genusssucht, dieselbe innere Zuchtlosigkeit, man kann nur die Sprüche von der Selbstverleugnung, aber die Sache stößt man von sich. Gewinnt man nun etwas durch solch ein Christentum, das an der Hauptsache krankt? Seien wir sicher: was der Herr uns abfordert, ist nicht etwas, das er braucht, sondern das uns selber ein Hindernis ist, weiter zu kommen. Warum schneidet der Gärtner die Schmarotzerschößlinge weg? Wie ganz anders gedeiht der Baum und auch das innere Leben, wenn die falschen Auswüchse weg sind! Wie ganz anders kann Jesus eine Gestalt in uns gewinnen, wenn wir die Triebe und Kräfte der Gnade an den rechten Ort kommen lassen! Er hilft in Allem, und wo es Opfer gilt, Demütigungen, augenblicklichen Gehorsam, da gibt er Alles hundertfältig wieder, wenn er seinen Mann gefunden hat. Sein Geben ist Gnade, aber sein Nehmen ist eine doppelte Gnade; richten wir hiernach unser Leben ein, und wir finden dann erst unsere Freude und unsere Krone. (Friedrich Lobstein)


Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.
Welch ehrenvolles Amt wurde dem Simon von Kyrene zuteil, dass er dem Herrn Jesu das Kreuz tragen durfte! Wir könnten beinahe darüber weinen, dass wir nicht auch dabei waren und auch der Ehre teilhaftig wurden, Jesu Christo das Kreuz zu tragen. Aber wir brauchen nicht zu weinen; denn wenn wir wirklich seine Kinder sind, so wird schon auch für uns die Zeit kommen, da wir sein Kreuz tragen müssen. Niemand wird im Himmel eine Krone tragen, der nicht hier unten ein Kreuz getragen hat. Unter der Schar der Seligen wird kein einziger zu finden sein, der nicht auf der Erde ein Kreuzträger war. Hast du ein Kreuz, mein Christ? Nimm es auf die Achsel und trag es wie ein Mann! Lad es auf! Geh deinen Weg unverzagten Schrittes und fröhlichen Herzens, denn du weißt ja, wenn es Christi Kreuz ist, das du trägst, so ist es eine Ehre für dich, es zu tragen, und während du es trägst, bist du in der allerbesten Gesellschaft, denn du folgst ihm nach. (Charles Haddon Spurgeon)


Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir Jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden.
Wir beginnen unsern Lauf aufs Neue; vor uns liegt der Tag mit seiner Unruhe, Sorge und Arbeit, mit allem, was er sonst noch im Gefolge haben mag. Du ewiger Gott, Vater im Himmel, bei welchem keine Veränderung ist, schenke uns deine Gnade auch während dieses Tages, weihe unser Herz und Leben durch deinen Geist für die Aufgabe, an die wir hinantreten. Lass die Sorge um das Zeitliche uns nicht also übernehmen und beunruhigen, dass wir dich, unsern ewigen Versorger vergessen und unnötig in Furcht und Eifer geraten. Lass die Bitterkeiten, die da kommen mögen, uns nicht also reizen und überwinden, dass wir das heilige Gebot der Liebe verleugnen und in Worten und Werken vergessen, wes Geistes Kinder wir sind. Wenn uns Freude widerfährt, wenn wir Erfolg und Anerkennung finden, so erhalte uns demütig durch deinen Geist, und wenn die Stunde der Heim-suchung uns erwartet, dann erhalte unser Herz fest, unverzagt und getrost in dir. Lass uns allezeit schauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender unseres Glaubens, und ihm nachfolgen als seine rechten Jünger in Selbstverleugnung und Geduld. wie war er so willig, das Werk zu tun, das du ihm aufgetragen hattest, daheim in seiner Eltern Haus und draußen, unter den verlorenen Schafen Israels. Wie hat er sich für sein Volk dahingegeben in Armut und Niedrigkeit, in Mühsal und Entbehrung; wie hat er sich nicht ermüden lassen durch Undank und Unverstand, durch Hass und Neid und Heimtücke; wie hat er nicht aufgehört zu lieben und zu suchen, zu retten und zu trösten; wie hat er das Kreuz auf sich genommen und treu geliebt bis ans Ende.

O gib uns Begeisterung und Kraft, ihm nachzufolgen. Ja auch wir wollen freudig tun das Werk, das du uns aufgetragen hast; auch wir wollen gerne dienen unsern Brüdern, Unverstand und Undank, Neid und Hass ertragen; auch wir wollen Böses mit Gutem zu überwinden suchen, und was uns auferlegt ist als unsere Heimsuchung, wir wollen es auf uns nehmen als ein Kreuz, das wir im Namen und in der Nachfolge Christi tragen. Wozu sind wir denn da? Nur um eine Zeit lang dieses arme Leben zu fristen und uns abzumühen und zu verlieren im Zeitlichen? Um nach vergänglichen Gütern und Ehren zu geizen? damit würden wir ja gerade das wahre Leben einbüßen und dahingeben. Wenn wir aber nach dem Einen trachten, deinen Willen zu tun, dein Reich zu fördern, unsere Brüder zum Guten anzuleiten und unser eigenes Leben immer mehr dir zu einem lebendigen Opfer zu weihen, dann werden wir das wahre Leben erlangen, Freude und Frieden haben und die Krone des Lebens gewinnen. Weil aber nur der getröstet wird, der da recht kämpft, so hilf auch uns durch deine Gnade dazu, dass wir recht kämpfen und einst als Sieger gekrönt werden. Amen. (Robert Grubenmann)


Will mir Jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.
Die großen Herren und Fürsten dieser Erde pflegen ihre treuen Anhänger und Diener mit allerhand Kreuzen zu schmücken, welche man Orden nennt. Es gibt derselben eine große Menge in verschiedenen Klassen; sie haben aber alle den Zweck, die Untertanen an die Person ihrer Fürsten zu fesseln. Also verteilt auch der Herr aller Herren Kreuze verschiedener Art und verschiedenen Ranges, als Hauskreuze, Amtskreuze, Leibeskreuze, Herzenskreuze u. d. m. in höherer oder geringerer Stufe, je nach Bedarf und Kraft. Und alle diese Kreuze haben den Zweck dich mit deinem Herrn enger zu verknüpfen, dessen Hand sie dir anheftet, freilich nicht auf der Brust, sondern auf den Rücken, freilich nicht zum Stolze, sondern zur Demütigung. Dafür haben aber auch Brustkreuze ihre Neider, Rückenkreuze nie. Brustkreuze erheben, Rückenkreuze drücken und demütigen. Und das ist gut. Denn den Hoffärtigen widerstrebet Gott, aber den Demütigen gibt Er Gnade. Wo wäre noch Demut zu finden, wenn wir das liebe Kreuz nicht hätten? Ohne seinen heilsamen Druck würde die Hoffart unseres Herzens ins Unendliche wachsen; das Fleisch würde mächtig, der Geist aber matt werden. So aber wird das Fleisch gezüchtigt und seine Lust gedämpft, der Geist aber durch den Kampf geübt und gestärkt, und da das Kreuz geeignet ist, uns die Welt, mit ihrer Lust zu vergällen und zu verleiden, weist es uns an, unsere Befriedigung nicht in irdischen, sondern in himmlischen Gütern zu suchen und macht uns sehnsüchtig nach der jenseitigen Herrlichkeit. Das Kreuz presst dir manchen Seufzer ab, der seinen Weg zum Himmel findet, wohin du ohne Kreuz dich nicht verstiegen hättest, das Kreuz macht dich willig, aus den zu achten, der sein Kreuz dir vorangetragen, am Kreuze gestorben und das Kreuz zu Ehren gebracht hat. Die Qual, welche die Welt zu tragen hat, macht sie mürrisch, störrisch und verzagt. Das Kreuz aber macht den Christen sanft, stille, demütig, einfältig, weise, innig, abgeschieden, gottgelassen. Wohl, sagst du, das Kreuz ist notwendig, und ist ein Segen für den Christen. Aber grade mein Kreuz ist so schwer, wie keines Andern. Ich möchte wohl mit Diesem oder Jenem tauschen. Nun, Christus spricht: Will mir Jemand nachfolgen, der nehme nicht ein, sondern sein Kreuz auf sich, und folge mir. Eines Anderen Kreuz würde dir vielleicht zu leicht sein, dich nicht genug drücken und demütigen, dir die Welt mit ihrer Lust nicht genug vergällen, dein Fleisch nicht genug dämpfen und also seinen Zweck bei dir verfehlen; oder es dürfte dir, was du nicht ahnst, doch noch schwerer sein, als dein eignes, und dich so drücken, dass du darunter erlägest. Nein, grade dein Kreuz ist dir zugewogen von dem, der ein barmherziger Hoherpriester heißt und ist, und Mitleiden mit uns haben kann, nachdem Er selbst versucht ist, gleich wie wir, doch ohne Sünde, nicht zu schwer und nicht zu leicht. Oder kennst du nicht die Geschichte jenes Mannes, der mit schweren Seufzern über die Last seines Kreuzes sich zu Bette legte, und im Traume von einem Engel zu vielen Kreuzen geführt ward, damit er sein eignes Kreuz mit einem andern vertausche, welches seinen Kräften besser angemessen wäre? Er versucht eines nach dem andern, aber dieses ist zu schwer, jenes zu kantig, ein drittes zu lang, ein viertes zu breit. Er versucht sie schier alle durch, bis er zu einem kommt, das ihm noch am bequemsten zu sein scheint. Er nimmt es, und da er es recht besieht, so ist es eben das, was er mitgebracht und weggeworfen hatte, sein eignes Kreuz. So nimm denn auch du dein Kreuz willig auf dich und trage es deinem Jesu nach. (Anton Camillo Bertoldy)


Wenn Jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren, wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden. Denn was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewänne, litte aber Schaden an seiner Seele? Oder was könnte ein Mensch zum Gegenwert seiner Seele geben?
Der letzte Tag der Woche ist erschienen. Auch bei seinem Beginne erheben wir Herzen und Hände zu dir und bitten dich, himmlischer Vater, um Alles, was wir bedürfen für Seele und Leib. Gib uns auch heute unser tägliches Brot; lass es uns redlich verdienen im Schweiß unseres Angesichts und begleite unsere Arbeit mit deinem Segen, dass sie wohl gelinge, und es bei Genügsamkeit und Sparsamkeit Keinem am Nötigen fehle. Erhalte uns das köstliche Gut der Gesundheit und lehre uns selbst dafür Sorge tragen als für ein von dir anvertrautes Pfund, dass wir sie nie unbedacht oder mutwillig gefährden, aber ebenso wenig uns feiger, selbstsüchtiger Ängstlichkeit für unser Leben und Wohlsein hingeben. Erhalte uns unsere Lieben, Groß und Klein, die du uns als treue Lebensgefährten zur Seite gegeben hast, damit wir einander gegenseitig unsere Tage beglücken und veredeln! Bewahre uns, wenn es sein kann, vor den Schmerzen der Trennung durch Entfernung oder gar durch Tod, und lass uns am Ende dieser Woche kein teures Haupt fehlen! Erhalte uns unsern guten Namen und Ruf, unsere Ehre, die unendlich höher ist als Geld und Gut, und doch so leicht mit und ohne unsere Schuld, öffentlich oder insgeheim angetastet und geraubt werden kann! Sollen wir aber eines dieser Güter unerwartet verlieren oder sonst eine schmerzliche Prüfung erdulden, so verleihe uns die Kraft, solchen Schlag zu ertragen; lehre uns die Ergebung, die da spricht: der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen, der Name des Herrn sei gelobt! und lass es uns erfahren, dass wir an dir mehr haben, als an Allem, was die Erde uns bieten kann. Und so bitten wir dich denn zu allermeist um das Eine, was not ist, um die Gabe deines guten und Heiligen Geistes, um ein frommes, weises, in dir festes und ruhiges Gemüt, um große Gedanken in den kleinen Sorgen des Tages, die so gern unsern Blick trüben, unsere Seele verengen, unsern Geist darniederhalten und abstumpfen, und um ein reines Herz in den Versuchungen der Welt. Wie schwer wird es uns, im Staub und Drange des Alltagslebens, im Verkehr mit Menschen von allerlei Charakter und Sitten, bei so vielen Gelegenheiten und Verführungen zur Übertretung deiner Gebote solch' ein reines Herz zu bewahren! Verleihe du uns denn dazu deinen starken Schutz und Beistand; lass ein unbestechliches heiliges Pflichtgefühl, lass das Bewusstsein unserer hohen Menschenwürde, unserer Gottebenbildlichkeit und Gotteskindschaft, lass die Freude an allem Guten und Schönen uns als eine Engelwache überallhin begleiten und behüten, dass wir nicht straucheln und fallen, sondern, was uns auch äußerlich begegnen mag, für unsern inneren Menschen diese Woche mit einem guten Ende beschließen. Amen. (Robert Grubenmann)

Predigten

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