Matthäus 15,11
Andachten
Was zum Munde eingeht, das verunreinigt den Menschen nicht; sondern was zum Munde ausgeht, das verunreinigt den Menschen.
Himmlischer Vater, jeder Tag, den du mir schenkst, soll deiner Ehre und deinem Dienst geweiht sein. Jeden Tag unseres Lebens sollen wir ausschauen zu dem Anfänger und Vollender unseres Glaubens, der uns vorangegangen auf dem Weg zur Herrlichkeit. Aber der Name des heutigen Tages, er trägt noch etwas Besonderes in sich, was uns an den Ernst unseres Lebens erinnert. Feder Freitag erinnert uns immer auch an jenen stillen Freitag, den großen Trauertag der Christenheit, da diese sich in heiligem Schmerze sammelt um das Kreuz des Erlösers. Feder Freitag erinnert uns daran, wie noch Unzählige in unserer christlichen Kirche diesen Tag mit einem alten Brauch begehen und durch Enthaltung von gewissen Speisen ihren Glauben an Christum bekennen.
Aber auch an das Wort des Herrn erinnert er uns: Was zum Munde eingeht, das verunreinigt den Menschen nicht; sondern was zum Munde ausgeht, das verunreinigt ihn. Welch' ein tiefes und ernstes Wort! Ja, frei hast du uns gemacht durch die frohe Botschaft, dass wir in ihm deine Kinder seien, frei von äußern Satzungen der Menschen; aber umso ernstlicher gebunden hast du uns durch das Gebot deiner Liebe, dass wir nichts tun, nichts reden sollen, was deinem Geiste widerspricht. Und doch, wie vieles wohl lassen wir aus unserm Munde ausgehen, was uns verunreinigt, was nicht wohl lautet, was den Frieden der Menschen stört, ihre Ehre kränkt, ihr Gemüt verletzt, ja wohl auch, was nicht mit der reinen Wahrheit stimmt. O himmlischer Vater, gib uns Gnade, unsern Mund rein zu halten von unreinen Worten, berühre auch unsere Lippen mit der Feuerkohle deines Geistes, dass sie nur reden, was lieblich, was keusch ist, was zum Frieden und zur Besserung unter einander dient. Reinige den Grund unserer Herzen, dass nicht aus unreinen Gedanken auch die unreine Rede entspringe. Hilf uns durch deine Gnade, dass wir nichts sagen, was wider die Wahrheit streitet, sondern dass wir Jedem in voller Aufrichtigkeit und Redlichkeit begegnen, dass wir nicht richten mit scharfen Worten, nicht zanken und streiten in heftiger Aufwallung des Herzens, sondern, dass wir auch dem Fehlbaren zurechthelfen mit sanftmütigem Geist. Hilf uns, dass wir nicht uns selber rühmen in eitlem und selbstgefälligem Wesen, sondern allezeit dir die Ehre geben, dem Duell aller Gnade, aus dem auch das Wollen und Vollbringen des Guten kommt. Ja, bewahre uns, dass wir kein faul Geschwätz aus unserm Munde gehen lassen, eingedenk der ernsten Tatsache, dass wir Rechenschaft geben müssen von einem jeglichen Worte. O, wenn wir das bedächten, wie viel sorgfältiger würden wir unsere Worte wägen! Lehre uns durch deinen Geist die rechte Besonnenheit, zu zügeln das gefährliche Feuer der Zunge. Ja, das sei unser Fasten, dass wir uns selbst überwinden und ihm nachfolgen, welcher sich für uns dahingegeben hat, auf dass er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte ihm selbst ein Volk zum Eigentum, das da fleißig wäre zu guten Werken. Amen. (Robert Grubenmann)