Matthäus 13,52
Andachten
“Ein jeglicher Schriftgelehrter, zum Himmelreich gelehrt, ist gleich einem Hausvater, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorträgt.“
Wenn denn Einer nur Neues weiß, so ist's nichts mit ihm, und wenn Einer nur Altes weiß, so ist's auch nichts mit ihm. Zum Alten gehört Neues und zum Neuen gehört das Alte. Das Beides muss gehörig gewürdigt werden. Das Alte reicht nicht mehr aus; die Zeit ist anders; es ist, wie man sagt, abgedroschen. Wenn man z. B. in unserer Zeit nur alte Lieder und Predigten will, so hat das keinen rechten Wert. Die jetzt alten Sachen hatten seiner Zeit durch ihre Neuheit auch einen Wert, wenn gleich wir's natürlich nicht dahin missverstehen dürfen, als ob das Göttliche an sich alt und abgenutzt werden könnte; das nicht, aber das Menschliche dran. Umgekehrt aber hat das Alte auch seinen Wert, umso mehr, je reiner göttlich es ist, ohne menschliche Zugabe. Denn die letztere nützt sich unter allen Umständen ab und darf deswegen auch nicht fest gehalten werden. Die Zeiten ändern sich, aber das Göttliche bleibt gleich wichtig, ob alt oder neu. Namentlich müssen wir uns wohl hüten, dass wir nicht dem Alten Testament seinen Wert nehmen, weil wir das Neue Testament haben. Das ist so das Christentum unserer Tage, dass man meint, man brauche das Alte Testament nicht mehr. Christus ist freilich gekommen und hat ein Neues gebracht, aber ein rechter Schriftgelehrter weiß die alten Worte Gottes so gut zu schätzen und zu verwerten, wie die neuen. (Christoph Blumhardt)