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Matthäus 11,30

Matthäus 11,30

Andachten

„Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“
Möge das Wort „Joch“ uns ja nicht er: schrecken. Wir tragen wohl seine Last, aber Gott trägt sie mit uns, und Er trägt mehr als wir, weil dieses Joch von zweien getragen werden muss und das Seinige und nicht das Unsrige ist. Jesus Christus macht uns dieses Joch lieb. Er macht es durch die innere Freude an der Gerechtigkeit und Wahrheit sanfter; Er breitet reines Entzücken über die Tugenden aus, und lässt uns die falschen Vergnügungen zum Ekel werden. Er hält den Menschen aufrecht im Kampf gegen sich selbst, entreißt ihn seiner ursprünglichen Verderbnis und macht ihn stark trotz seiner Schwäche. O du Kleingläubiger, was fürchtest du? Lass Gott walten; überlass dich Ihm. Du wirst zu kämpfen haben, aber du wirst den Sieg davontragen und nachdem Gott selbst zu deinen Gunsten gekämpft hat, wird Er dich mit Seiner eigenen Hand krönen. Du wirst weinen; aber deine Tränen werden süße sein, denn Gott selbst wird sie in seiner Huld dir abwischen. Du wirft dich deinen herrischen Leidenschaften nicht mehr hingeben dürfen; aber, wenn du freimütig deine Freiheit opferst, wirst du dafür eine andere wiederfinden, die die Welt nicht kennt, die aber kostbarer ist, als alle Macht der Könige.

Wie verblendet sind jene, welche fürchten, sie möchten sich zu sehr mit Gott einlassen. O versenken wir uns in Seinen Schoß. Je mehr man Ihn liebt, desto mehr liebt man auch alles, was Er uns tun heißt; Seinen Willen. Solche Liebe tröstet uns in unseren Verlusten, sie lindert unser Kreuz, sie macht uns los von allem, dessen Liebe uns Gefahr bringt, sie bewahrt uns vor tausenderlei Gift, sie zeigt uns eine Barmherzigkeit, die auch durch alles Elend hindurch, das wir erdulden, noch wohl tut, sie deckt uns selbst im Tode eine Herrlichkeit und ewige Seligkeit auf. Wie können wir Furcht haben, uns zu sehr mit ihm zu erfüllen? Ist denn das ein Unglück, wenn wir entlastet werden von dem schweren Joch der Welt und die leichte Last Jesu Christi tragen? Fürchten wir denn, wir möchten zu glücklich sein, zu sehr los und ledig von uns selbst, frei von den Launen unseres Stolzes, der Gewalt unserer Leidenschaften und der Tyrannei der trügerischen Welt? (François Fénelon)


Man hat von dem Christentum irrige Vorstellungen, wenn man meint, es bestehe nur in Beschwerden, Lasten und Kämpfen. Freilich heißt es: „kämpft“; aber dieser Kampf ist doch ein guter Kampf und hat ein herrliches Ende; freilich heißt es: Ringt danach, dass ihr durch die enge Pforte eingeht. Einer erlangt das Kleinod, lauft nun also, dass ihr es ergreift. Das Himmelreich leidet Gewalt, und die Gewalt tun, reißen es zu sich. Das ist alles wahr, aber ebenso wahr ist es auch, wenn Jesus sagt: Mein Joch ist sanft und Meine Last ist leicht. Schwer machen wir uns dieses Joch, wenn wir trachten, unsere eigene Gerechtigkeit aufzurichten, durch Wollen oder Laufen erschweren wir uns den Dienst des HErrn JEsu, der gesagt hat: „in Mir habt ihr den Frieden!“ Irrig ist es aber auch, wenn man meint, in lauter angenehmen Empfindungen und Erquickungen zum gewünschten Ziel zu kommen, und sich darein nicht finden kann, wenn man zuweilen eine Zeitlang auf den HErrn harren muss und daraus allerlei irrige Schlüsse macht, als ob ein Christ lauter angenehme und gute Tage haben müsse. Freilich wollte die stolze Natur dieses gern, die wünscht es nicht nötig zu haben, alle Tage und in allen Vorkommnissen dieses Lebens so arm, elend, jämmerlich, blind und bloß zu JEsu zu kommen und Seinem Rat zu folgen, Gold von Ihm zu kaufen! Aber dies ist der einzige wahre Weg, den uns das Evangelium zeigt. „Er muss wachsen, wir aber müssen abnehmen.“ Amen. (Gottfried Daniel Krummacher)


Glaube ich das wirklich oder trete ich denen bei, die sagen, das Gebot Jesu sei schwer, sogar unerfüllbar, niemand könne es halten? War es nicht leichter, nach der jüdischen Weise fromm zu sein? Man blieb bei der Sitte, tat, was sie vorschrieb, und war dadurch ein Glied der Gemeinde, vor den Menschen in Ehren und bei Gott wohl angeschrieben. So stellt sich Jesus nicht zu uns, sondern greift nach uns und macht sich unser inwendiges Leben untertan. Er lässt nichts Halbes zu, keinen halben Gehorsam, keine zersplitterte Liebe. Das ist freilich schwer, ja unmöglich, wenn ich auf mich selbst sehe. Ich müsste träumen, wenn ich den Mut nicht verlöre, wenn ich das, was Jesus gebietet, neben das stelle, was ich bin und kann. Allein Jesus ruft uns zu sich, heraus aus der Schar der Lastträger, denen ihre Frömmigkeit wie eine schwere Last auf dem Nacken liegt. Sein Joch nennt er sanft, das, mit dem er uns unter seine Leitung stellt und ihm folgsam macht, und seine Last heißt er leicht, die, die seine Hand uns reicht. Sowie ich meinen Blick von mir los machen kann und ihn anschaue, dann verstehe ich, dass er mir sagt: ich quäle dich nicht und stelle dich nicht in einen freudlosen Dienst und mute dir nichts zu, was dich erdrückt. Sehe ich auf ihn, so weiß ich: hier spricht die Güte, auch wenn er gebietet; hier spricht der Vergebende, auch wenn er verpflichtet; hier spricht der Gebende, auch wenn er fordert. Er fordert alles; denn er gibt alles. Er fordert Glauben; denn er hat die Gnade; er fordert Gehorsam; denn er versöhnt uns mit Gott. Er kann auch verlangen, dass ich mein Kreuz anfasse; denn er gibt das Leben. Weil er gibt, fordert er und darum ist sein Joch sanft und seine Last leicht.
Uns umtönt, lieber Herr, beständig das Gerede der Menschen und ihre Gedanken setzen sich in uns fest. Sie heißen dich einen harten Herrn, weil sie nicht gehorchen wollen, und nennen deinen Weg unmöglich, weil es der der Liebe ist. Ich will nicht auf die Menschen hören, auch nicht auf meine Stimme, sondern auf dich und du wirst es mich erfahren lassen, dass deine Hand, die mich führt, gütig ist. Amen. (Adolf Schlatter)


Mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
Sucht, wo ihr wollt, ihr findet keinen liebevolleren Herrn, als Jesum. Er sagt selbst: „Mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht;“ und anders lässt es sich ja nicht denken. Wie könnte der ein grausamer Herr sein, der uns zuvor mit seinem Blute erkauft hat? Wie könnte er einen Dienst von seinen Erlösten verlangen, der ihnen nicht selbst zum Heile diente? Noch immer gilt sein Wort: „Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, dass er ihm dienen lasse, sondern dass er diene.“ Ihr Erlösten des Herrn, er fordert euren Dienst; aber nur, weil es euch gut ist, ihm zu dienen, weil dies der einzige Weg ist, Ruhe zu finden für eure Seele. Ihm dienen, das ist das Leben der heiligen Engel. Vor ihm, dem großen Mittler zwischen Gott und Menschen, beugen sich die Geister des Himmels in tiefer Demut; sie tun, was er gebietet. Er sendet sie aus zu seinen Erwählten und Erlösten, und sie gehen aus und lagern sich um die Kinder des Allerhöchsten her. Sie tun es mit Freuden; denn, indem sie es tun, vollbringen sie den Willen ihres Schöpfers und dienen einer ewigen Liebe und Weisheit. Ihr Erlösten des Herrn, er fordert auch euren Dienst; er gesellt euch hiermit den heiligen Engeln zu. Ihr dient dann auch einer ewigen Liebe und Weisheit. Was ihr in diesem Dienste tut, das ist in Gott getan und bringt eine ewige Frucht. Dem Herrn dienen, der uns erlöst hat, sagt selbst, ist das nicht der Himmel auf der Erden? Ist es nicht die größte Herrlichkeit, zu der ihr erhoben werden könnet? Wisst ihr eine höhere Seligkeit, als dem Herrn mit vollkommener Treue zu dienen in himmlischer Liebe und Unschuld?

Wer sind die, deren Andenken in der Gemeinde Christi in größtem Segen bleibt? Sind es die Mächtigen dieser Welt? Sind es die stolzen Eroberer, die Treiber der Völker? Nein, deren Namen nennt die Kirche Christi nicht. In ihrem Gedächtnis leben die am herrlichsten, die dem Herrn mit der größten Hingebung gedient haben an seinem Reiche. Die sind die Fürsten geworden im Reiche Gottes. Ist es ihnen wohl ein schwerer Dienst gewesen? Wir hören es nicht von ihnen. „Seine Gebote sind nicht schwer“, rufen sie uns zu. „Unser Glaube“, sagen sie, „ist der Sieg, der die Welt überwunden hat; und alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt.“ so tritt auch du ein in den Dienst deines Heilandes; nimm willig und freudig auf dich sein sanftes Joch und seine leichte Last. (Ranke)

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nt/40/matthaeus_11_30.txt · Zuletzt geändert: von aj
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