Sacharia 9,16
Andachten
“Der HErr, ihr Gott, wird ihnen zu der Zeit helfen, wie einer Herde Seines Volks.“
Da ist eine Zeit großer Not und Bedrängnis nach Seele und Leib vorausgesetzt, die kommen würde, und die anhalten würde, bis die Erlösungszeit käme. Das Wort: „zu der Zeit“ geht immer auf die Zeit der gnädigen Heimsuchung, die Gott von Grund der Welt an, besonders von der Zeit der Propheten an, vorhat. Diese Zeit aber teilt sich in zwei Zeiten, in die ihres Anfangs und die ihrer Vollendung.
Die Zeit der Heimsuchung Gottes hat angefangen mit Christo, dem Heiland vom Himmel her. Da war es aber vorerst nur eine innerliche Hilfe. Von jener Zeit an ist insofern geholfen, als nun, wer glaubt, wer an den Heiland glaubt, durch den wir selig werden, Mut gewinnt, Alles zu tragen, und eine gewisse Hoffnung auf Weiteres hat, in Nichts verzagen darf, sich auch unter einer beständigen, sorgsamen Hut seines Gottes und Heilandes fühlen darf. Im Herzen ist ihm wohl geworden. Den Zugang und die Freudigkeit zu Gott hat er wieder gewonnen, weil die Sünden vergeben sind und Frieden im Herzen eingekehrt ist und die Gewissheit des ewigen Lebens. Auch viele wirkliche Hilfe und Segnung erfährt er in mannigfachster Weise, wenn er bittet. Dabei aber sind doch im Allgemeinen die Bedrängnisse nicht gewichen. Bedrängnisse arger, auch ärgster Art, Anfechtungen nach innen und außen sind viele geblieben; und der Widersacher hat noch viel Macht übrig behalten. Darum, kann man sagen, warten wir noch auf Hilfe, obwohl uns auch geholfen ist, geholfen, sofern wir eine gewisse Hoffnung des ewigen Lebens haben und versichert sein dürfen, wir werden bewahrt durch Gottes Macht, und der HErr lasse uns nicht, wenn wir auch noch so tief, wie es eben der Kampf zum Sieg erfordert, im Elend und in der Anfechtung stehen, und oft, dass ich so sage, in großen Schmerzen zappeln müssen. Denn an Trost und Seelenfrieden lässt's der HErr in den Angstzeiten nicht fehlen; und wer JEsum hat und durch Ihn unter allen Umständen von Hölle und Verdammnis sich erlöst weiß, kann in Allem weit überwinden. Die Liebe seines Gottes bleibt ihm gewiss.
Aber die gnädige Heimsuchungszeit wird sich auch vollenden und äußerlich machen zu vollem Wohlergehen, dass alle Not und Anfechtung, und die beständige Sorge und Angst wird aufhören. Aus dieser Schlusszeit heraus, in der Alles zum Frieden sich gestalten wird, reden in der Regel die Propheten. Solche erwarten wir noch. Wir haben also vom Kommen des HErrn an bis dahin noch Angstzeiten in allerlei Art; und diese Angstzeiten werden sich vermehren gegen das Ende hin, dass dem Volk des HErrn nahezu auch sein innerer Trost wird schwinden wollen. Doch wird sich's auch da bewähren, wie es sonst heißt: „Wenn die Not am größten, ist die Hilfe am nächsten.“ Zu der Zeit, wenn es immer finsterer und finsterer wird und Alles verloren scheint, zu der Zeit wird der HErr helfen, wie einer Herde Seines Volks. Da wird Er mit Seiner Gnade erscheinen, und wird plötzlich allem Übel steuern, den Widerwärtigen aus dem Wege räumen und die Seinen zu sich führen.
Diese Hoffnung ist uns von den Propheten und Aposteln vielfältig zugesichert; und auf sie hin, die nicht ausbleiben wird, wollen wir glauben, hoffen, dulden, ausharren. Sie wirft auch ihre Strahlen rückwärts in unser Elend herein, da wir, auf sie blickend, wissen, dass denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen. (Christoph Blumhardt)