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Hesekiel 3,22

Hesekiel 3,22

Andachten

Gehe hinaus ins Feld, da will ich mit dir reden.

So sprach der Herr zu dem Propheten Hesekiel (Hes. 3,22.). Und der Prophet machte sich auf, und ging hinaus ins Feld; und siehe, da stand die Herrlichkeit des Herrn daselbst.

Lieber Christ, wenn du hinausgehst ins Feld, so erscheint dir zwar die Herrlichkeit des Herrn nicht so wie damals dem Propheten Hesekiel, aber doch steht sie auch für dich da. Seine ewige Macht und Gottheit kannst du an seinen Werken wahrnehmen, und wenn du ein offenes Herz hast, so wirst du dich dort unter dem Anblick seiner Herrlichkeit von ihm in mannigfacher Weise angesprochen fühlen. Siehe die Herrlichkeit des Herrn im Winter, wenn er Schnee gibt wie Wolle, Reif streut wie Asche, seine Schlossen wirft wie Bissen, und niemand bleiben kann vor seinem Frost. Oder im Frühling, wenn er auslässt seinen Odem und erneuert die Gestalt der Erde; wenn es heißt: „Siehe, der Winter ist vergangen, der Regen ist weg und dahin; die Blumen sind hervorgekommen im Land, der Lenz ist herbei gekommen, und die Turteltaube lässt sich hören in unserem Lande; der Feigenbaum hat Knoten gewonnen, die Weinstöcke haben Augen gewonnen, und geben ihren Geruch.“ Oder im Sommer, wenn er die Berge feuchtet von oben her, und macht das Land voll Früchte, die er schafft; wenn er lässt Gras wachsen für das Vieh, und Saat zu Nutz den Menschen, dass er Brot aus der Erde bringe. Oder im Herbst, wenn er ihnen gibt, dass sie sammeln, und seine Hand auftut, dass sie mit Gut gesättigt werden. Aber wenn er dir so seine Herrlichkeit im Feld zeigt, da will er auch mit dir reden ernst und freundlich, warnend und ermahnend. Er zeigt dir in der Natur die Bilder und Gleichnisse, durch welche er dir sein Wort in der heiligen Schrift anschaulich macht. Deines zeitlichen Lebens Bild ist das Gras und die Blume auf dem Feld; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennt sie nicht mehr. Der fruchtreiche Baum ist das Bild eines wahren Jüngers Christi, welcher von Christo dazu gesetzt ist, dass er viel Frucht bringe, wodurch der Vater geehrt werde. Jeder unfruchtbare Baum zeigt dir das Bild des Unbußfertigen, der nicht rechtschaffene Früchte der Buße bringt. Die Vögel unter dem Himmel und die Lilien auf dem Felde mahnen dich an die Fürsorge deines himmlischen Vaters. Ein großes, bedeutungsvolles Bild der Welt ist der Acker. Der gute Same sind die Kinder des Reichs. Das Unkraut sind die Kinder der Bosheit. Der Feind, der die sät, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel. Gleichwie man nun das Unkraut ausjätet, und mit Feuer verbrennt; so wird's auch am Ende dieser Welt gehen. Des Menschen Sohn wird seine Engel senden; und sie werden sammeln aus seinem Reich alle Ärgernisse, und die da Unrecht tun; und werden sie in den Feuerofen werfen: da wird sein Heulen und Zähnklappen.

So findest du im Buche der Natur noch viele andere große und kleine Bilder, die dir Gottes Wort und Lehre veranschaulichen. Siehe da, wie sich's der treue Gott angelegen sein lässt, dich in allerlei Weise zu unterweisen und dich gelehrt zu machen zum Himmelreich. Wo du gehst und stehst, da will er mit dir reden. So höre und gehorche doch! (Carl Johann Philipp Spitta)

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