Jesaja 57,18
Andachten
Ich leite ihn und gebe ihm wieder Trost,
Der Blick auf den Herrn macht demütig; Seine Gegenwart zerschmilzt das harte, kalte Wesen. Wenn dich deine Sünden drücken, wenn sie dir wie eine schwere Last zu schwer geworden sind, o, so schaue auf Jesus. Er hat deine Missetat getragen und gesühnt und verleiht dir Vergebung und Frieden. Wenn schwere Schläge dich getroffen haben und deine Seele versinken will im Jammer, so wende dich hin zum Heiland, Er versteht dich. Was immer du magst zu beklagen haben, das bringe dem Herrn dar, Er kann noch alles zum Besten für dich lenken. Wenn dich Anfechtungen Satans, der Menschen oder der Sünde peinigen, wenn du in heißes Gedränge kommst, so blicke auf den Herrn, Er macht Weg im Meer und Bahn in großen Wassern, Er behütet deine Seele, Er schafft dir einen Ausgang, wo Menschen ratlos dastehen; gegen alle List und Bosheit der Welt und des Teufels schüft Er dich. Wenn Krankheiten dich niederbeugen, o, so blicke auf den Herrn. Wer glaubt, der soll die Herrlichkeit Gottes sehen. Und wenn Er dich in der Leidensschule lassen will, so erquicken Seine Tröstungen deine Seele. Du kannst durch Seine Gnade gesund werden, kannst aber auch glücklich sein als ein Kranker, wenn Er bei und mit dir ist. Und wenn es dir scheinen will, als kämest du nicht vorwärts im Glaubensleben, o, so blicke auf den Herrn! Aus der Erde zieht der Leib seine Nahrung; aus Gott aber muss sich die Seele nähren. Du wirst wachsen und zunehmen, wirst dem Herrn ähnlich werden, wenn du unverwandt Ihn anblickst. Du kannst unmöglich zuschanden werden, wenn du völlig dem Herrn vertraust. (Markus Hauser)
„Da ich ihre Wege ansah, heilte Ich sie, und leitete sie und gab ihnen wieder Trost, und denen, die über Jene Leid trugen.“
Hier finden wir Gottes Gedanken an trauernde Herzen ausgesprochen. Derselbe, der vor Alters auf das geknechtete Volk Israel hernieder sah, seiner gedachte und seine Not kannte - Derselbe, der später vom Ufer des Sees Tiberias aus die Gefahr des Schiffes überwachte, in welchem Seine Jünger sich befanden, und ihnen zu Hilfe kam - Derselbe sagt zu einer jeden trauernden Seele: Ich kenne deinen Schmerz, Meine Gedanken sind bei dir. Ich habe dein Geschick geleitet, habe diesen schmerzlichen Verlust, den du erlitten, vorher bestimmt. Lass deinen Glauben nicht schwach werden in dieser dunkeln Stunde, wo dein armer menschlicher Verstand das Geheimnis Meiner Führung nicht zu ergründen vermag.
In den Worten unseres Verses ist eine herrliche Steigerung enthalten. Erst „sieht“ Gott, dann „heilt“ Er, weiter „leitet“ und „tröstet“ Er.
Er sieht. Er kennt auf das genaueste meine ganze Lage, meine Natur, meine Umstände - Er allein kann beurteilen, ob mir Trübsal notwendig ist, Seine Behandlung hat die weisesten Gründe. Er heilt. Er kommt mit dem Balsam Seiner göttlichen Tröstungen - wenn die Wogen der Trübsal das ausgerichtet haben, wozu er sie sandte, dann spricht Er: „bis hierher und nicht weiter.“ Er leitet. Er wendet sich nicht ab, nachdem Er uns geschlagen hat, und geht vorüber, er führt uns an Seiner Hand durch die Öde, leitet und versorgt den müden Pilger auf seinem schweren Weg. Er tröstet. Die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind erweist sich nicht allein in dem Augenblick, wo es eine schwere Verletzung erhält, sondern auch in dem nachhaltigen, geduldigen, treuen Pflegen desselben, in der unermüdlichen Aufmerksamkeit. „Wie Einen seine Mutter tröstet, so will ich euch trösten,“ spricht Gott. Die Stunde eines überaus schmerzlichen Verlustes ist für manche Seele die Offenbarung des vorher ihr verborgenen oder unbekannten Gottes geworden. Wenn die Seele, wie einst Jakob, mit dem Bundesengel ringt, dann empfindet sie vielleicht zum ersten Mal, dass Er sie anrührt, dass Er ihr nahe ist, was sie vorher nur dunkel geahnt hat. Gleich ihm hinken wir vielleicht bis zu unserm Ende, aber der Ort und die Stunde dieser schweren Heimsuchung bleibt uns für immer ein Pniel, denn da haben wir Gott von Angesicht gesehen, und von dieser Stunde an pilgern wir weiter, wenn auch als die Traurigen, doch allezeit fröhlich. Lasst uns den Gedanken an diese mächtige Stütze festhalten. Die Gedanken anderer Herzen sind vergänglich - die Lieben, die vormals unsrer gedachten und mit denen wir Gedanken austauschten, deren Lippen sind vielleicht stumm geworden, die liebenden Herzen, die für uns schlugen, und uns so gern trösteten, haben aufgehört zu schlagen. Was unsrer Augen Lust war, ist von uns genommen, wir wandern im einsamen und dürren Lande. Aber - Gott lebt noch! für den Trauernden schlägt noch immer ein Herz mit Gedanken unwandelbarer Liebe. Und die Weinenden können, auch inmitten ihrer Verlassenheit und durch bittere Tränen hindurch sprechen: ich bin arm und elend, aber der Herr denkt an mich.
Gott lebet noch!
Seele, was verzagst du doch?
Sollt' Der schlummern oder schlafen,
Der das Aug' hat zugericht't?
Der die Ohren hat erschaffen,
Sollte Dieser hören nicht?
Gott ist Gott, der hört und siehet,
Wo den Seinen Weh geschiehet
Seele, so bedenke doch:
Lebt doch unser Herr Gott noch! (John Ross MacDuff)
„Da ich ihre Wege ansah, heilte Ich sie.“
Es ist das alleinige Vorrecht Gottes, geistliche Krankheiten zu heben. Natürliche Krankheiten können wohl durch menschliche Vermittlung geheilt werden; aber auch da gebührt Gott die Ehre, welcher den Heilmitteln Wirkung verleiht, und dem menschlichen Leibe die Kraft schenkt, die Krankheit auszustoßen. Aber die geistlichen Krankheiten sind ganz allein Sache des großen Arztes; Er spricht es als Sein ausschließliches Vorrecht an: „Ich kann töten und lebendig machen, Ich kann schlagen und kann heilen;“ und einer der herrlichsten Namen des Herrn ist Jehova-Rophi (der Herr, der dich heilt). „Deine Wunden will Ich heilen, spricht der Herr;“ das ist eine Verheißung, die nicht aus eines Menschen Lippen kommen kann, sondern aus dem Munde des ewigen Gottes. Darum ruft der Psalmist zum Herrn: „Heile mich, Herr, denn meine Gebeine sind erschrocken,“ und abermals: „Heile meine Seele, denn ich habe an Dir gesündigt.“ Deshalb also preisen die Gottesfürchtigen den Namen des Herrn und sagen: „Er heilet alle unsere Gebrechen.“ Der den Menschen erschaffen hat, kann ihn auch wieder herstellen; der im Anfang der Schöpfer unserer Natur gewesen ist, kann sie auch neu erschaffen. Welch ein erhabener Trost liegt darin, dass in der Person Jesu „wohnt alle Füße der Gottheit leibhaftig.“ Meine Seele, worin auch immer deine Krankheit bestehen mag, so kann dieser große Arzt dich heilen. Wenn Er Gott ist, so hat Seine Macht keine Grenzen. So komme denn mit dem blinden Auge der verdunkelten Erkenntnis, komm mit dem verrenkten Fuß deiner gebrochenen Willenskraft, komm mit der lahmen Hand deines schwachen Glaubens, mit dem Fieber deines trotzigen Gemüts, oder mit dem Frost deiner schaudernden Verzweiflung; komm gerade wie du bist, denn Er, der Gott ist, kann dich sicher von deinem Leiden heilen. Nichts verhindert die heilende Kraft, welche von Jesu, unserm Herrn, ausgeht. Legionen Teufel haben die Macht des geliebten Arztes anerkennen müssen, und nie ist Ihm eine Heilung missglückt. Alle Seine Kranken sind bis jetzt hergestellt worden, und auch die künftigen Kranken werden das erfahren, und du, mein Freund, wirst auch darunter sein, wenn du dich nur ganz Ihm übergibst, und das schon heute Abend. (Charles Haddon Spurgeon)