Jesaja 49,10
Andachten
Sie werden weder hungern noch dürsten; sie wird keine Sonne noch Hitze stechen.
Sie wird nicht hungern noch dürsten. Und warum nicht? Weil es im Reiche Gottes weder an Speise noch an Trank mangelt, sondern Alles, was zum Ziel, Alles, was zum göttlichen Wandel dient, im größten Überfluss vorhanden ist, so dass der Heilige Geist kein Verlangen in der Seele wirkt, was hier nicht volle Befriedigung findet. Freilich hatten die Kinder Israel nur Eine Speise, das Manna; sie hatten nur einen Trank, das Wasser, das dem geschlagenen Felsen entquoll; aber von Beidem war auch überflüssig vorhanden. Ach ja, wir haben ein Gut, das volle Ruhe gewährt für unsere Seele; mögen es auch wenige kennen, mag dies Gut auch jenem Schatze im Acker gleichen, den ein Mensch fand; er wusste wohl, warum er den Acker kaufte, mochten Andere auch nicht begreifen können, was ihn dazu bewog. Wir haben ein Gut, das das ewige Leben gibt, weil es selbst das ewige Leben ist, und die Wahrheit und der Weg, alles mit einander und auf einmal. Wir haben den guten Meister; Niemand aber ist gut, denn der einige Gott. Kein Wunder, wenn die Seele hungert und durstet, ohne satt zu werden, nach Ruhe, Frieden, Freiheit, Freunde, Kraft, Trost und Heiligkeit, so lange sie den guten Meister nicht kennt, sich zerarbeitet in der Menge ihrer Wege, weil sie den einigen Weg nicht kennt. Kein Wunder aber auch, wenn der Durst ist hin, weil der mich speist, der selbst das Leben ist.
Bei einem wahrhaften Christentum ist nicht bloß ein Suchen, sondern auch ein Finden; nicht bloß ein Anklopfen, sondern auch ein Aufgetanwerden; nicht bloß ein Laufen, Ringen und Kämpfen, sondern auch ein Lagern, ein Stillesein, ein Ruhefinden für seine Seele, weil man von ihm lernt, der sanftmütig und von Herzen demütig ist. (Gottfried Daniel Krummacher)
Ihr Erbarmer wird sie führen, und wird sie an die Wasserquellen leiten.
Ihr Erbarmer wird sie führen. Dies ist kein Führen, wie wir es meinen, oder wie wir es wollen. Das Ziel ist herrlich. Es sind Wasserquellen. Aber der Weg ist zerstörend, und scheint oft lange kein Erbarmen, sondern Zorn und Ungnade. Mit der alten bösen Natur lässt sich Gott in keinen Bund ein. Die wird gekreuzigt und getötet, und siehe, ich mache Alles neu. Törichte Menschen, die von einem Erbarmen, von einer Gnade träumen, die, ich weiß nicht was für ein unfruchtbares, totes Ding ist. Nein, es führt kräftig und lebendig in die Erkenntnis der Sünde, zu den Wasserquellen, zu Christo. Es macht nicht leichtsinnig und verwegen; es leitet Niemand an, in der Sünde zu beharren, oder auf Erbarmen hin zu tun, was seinen Augen gefällt. Und wo das der Fall wäre, so gälte das, was Christus Joh. 5. sagt: Ihr habt nie seine Stimme gehört, noch seine Gestalt gesehen, und sein Wort habt ihr nicht in euch wohnend. Redet von Erbarmen; so lange es nicht in euch ist, hilft das Lippenwerk nicht. Ist es aber in euch, so werdet ihr auch gewahr werden, welch ein Leben es mit sich führt. Die müden Seelen aber will ich erquicken, und die Hungrigen will ich sättigen. Was zählet ihr denn Geld dar? Kaufet umsonst!
O selige Herzen, die den König des Himmels als ihren Erbarmer begrüßen können! Die, die haben die nie versiegende Quelle gefunden, woraus Leben und volle Genüge rinnt, und ewig werden sie den Erbarmer preisen.(Gottfried Daniel Krummacher)