Jesaja 42,3
Andachten
Das zerstoßene Rohr wird Er nicht zerbrechen und das glimmende Tocht wird Er nicht auslöschen.
Das ist ein milder Heiland, ein gütiger Herr, der sich des Armen erbarmt und hilft dem Schwachen. Das ist ein freundlicher Arzt, der eingeht zu den Hütten der Kranken und heilt ihre schweren Gebrechen. Er will ja gerne Alle an sich heranziehen, der gnädige und barmherzige Gott, darum hat Er Seinen lieben Sohn gesandt, der anrichten soll das Recht auf Erden und der umhergeht, Alle, Alle zu Seines Vaters Tische einzuladen. Und wo Er sieht ein zerschlagenes Herz, ein zermartertes Gemüt, das sich nach Erlösung sehnt von seinem Elend und nach Licht auf dem dunklen Wege, siehe da ist Er gleich mit Worten des Lebens, mit heiligender köstlicher Salbe. Er zerbricht nicht das zerstoßene Rohr, Er lässt es nicht vom Sturme zu Boden knicken; Er gibt ihm einen festen Stab, daran es sich lehne und fortwachse und wurzle in sicherem Boden und dann von Neuem aufsprieße in lieblicher Pracht!
Und wo der Heiland in der Seele des Menschen noch ein Fünkchen Glauben sieht, da lässt Er es nicht verlöschen und verkümmern. Hat auch die Weltlust und böse Begierde fast alles Öl verzehrt, hat die Wirkungen der heiligen Taufe fast gänzlich unscheinbar gemacht wenn das Tocht nur noch glimmt, o auch nur ein klein, klein wenig, - da will es der Heiland nicht auslöschen. Nein Er kommt herzu mit dem Öl der Wahrheit, der göttlichen Freiheit und mit dem Wehen Seines heiligen Geistes, so dass aus dem elenden, halb verglimmten Tocht eine leuchtende, duftende Flamme wird, an der sich die Engel im Himmel freuen!
Darum verzweifle Keiner! Bist Du auch zerschlagen und zerstoßen, glaubst Du fast unrettbar verloren zu sein, ist der Glaube fast in Dir wenn Du nur noch die Sehnsucht erloschen hast, Dir von dem Heiland helfen zu lassen, da kommt Er schon, Dich zu erquicken, Dich aufzuheitern mit all Seiner Liebe, Seinem Verzeihen, Seinem Trost und Seiner aufrichtenden Stärke, denn Er hat es gesagt und es ist ewige unumstößliche Wahrheit, das Wort: „Das zerstoßene Rohr wird Er nicht zerbrechen und das glimmende Tocht wird Er nicht auslöschen!“ Preis und Ehre sei Gott, dem Vater und dem Sohne und dem heiligen Geiste von nun an bis in Ewigkeit! Amen. (Burghard von Cramm)
Das zerstoßene Rohr wird Er nicht zerbrechen, und das glimmende Docht wird Er nicht auslöschen.
Dann kann auch ich auf sanfte Behandlung durch meinen Herrn rechnen. In der Tat, ich fühle mich, wenn ich am besten bin, so schwach, so biegsam, so wertlos wie ein ein Rohr. Jemand sagte: „Ich gebe kein Binsenrohr um dich,“ und das Wort war, obwohl ein unfreundlich, doch nicht unwahr. Ach! ich bin schlimmer als ein Rohr, wenn es am Flusse wächst, denn es kann wenigstens den Kopf aufrecht halten. Ich bin zerstoßen, schwer, traurig zerstoßen. Es ist jetzt kein Klang in mir; es ist eine Spalte da, durch die alle Melodie entweicht. Weh mir! Doch Jesus will mich nicht zerbrechen, und wenn Er es nicht will, so kümmere ich mich wenig darum, was andre zu tun versuchen. O, huldreicher und mitleidiger Herr, ich flüchte mich unter Deinen Schutz und vergesse meiner Wunden.
Wahrlich, ich kann auch sehr wohl „dem glimmenden Docht“ verglichen werden, von dem das Licht geschwunden ist und nur der Rauch geblieben. Ich fürchte, eher lästig als nützlich zu sein. Meine Furcht sagt mir, dass der Teufel mein Licht ausgeblasen und mich als einen schändlichen Rauch zurückgelassen habe, und dass mein Herr mir bald das Löschhorn aufsetzen werde. Doch bemerke ich, dass doch keine Löschhörner da waren, und Jesus will mich nicht auslöschen, deshalb bin ich hoffnungsvoll. Herr, zünde mich aufs Neue an und lass mich leuchten zu Deiner Ehre. (Charles Haddon Spurgeon)
Unser Gott ist ein Gott der Niedrigen und Demütigen, Kraft wird in Schwachheit stark: wenn wir nicht schwach wären, so würden wir stolz: er kann seine Kraft beweisen nur in der Schwachheit. Denn das glimmende Docht löscht er nicht aus. Es. 42, 3.
Der Teufel aber wollte nicht bloß, dass es schlecht brennte, sondern wollte es gern gar auslöschen.
Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und das glimmende Docht wird er nicht auslöschen.
Ja, das ist gewisslich wahr. Das zerstoßene Rohr, das sind die armen Sünder allzumal, die das Elend und der Jammer der Sünde gebrochen und zur Erde gebeugt hat. Er zerstößt und verstößt sie nicht. Er richtet sie auf, wie er die große Sünderin dort in Gnaden angenommen, wie er dem Petrus seine schwere Sünde vergeben und dem Schächer am Kreuz verheißen hat: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein! Das glimmende Docht, das sind seine Gläubigen, die schon Vergebung ihrer Sünden empfangen haben und in seiner Liebe brennen. Ach, sie sind oft ein schwaches Flämmlein, vielleicht nur ein glimmendes Fünklein. Ihre Erkenntnis ist oft so dunkel und mangelhaft, ihr Glaube oft so kleinmütig und verzagt, ihre Hoffnung so schwach und lahm, ihre Liebe so matt und kalt, ihre Früchte so gering, ihre Heiligkeit so schwächlich und gebrechlich, ihr Herz so dürr und öde. Sie sind wie ein glimmendes Docht, das der Wind der Anfechtung, der Sturm des Kreuzes, ja jeder Luftzug schnell auslöschen kann. Aber er will das glimmende Docht nicht auslöschen, sondern es erhalten und mit dem heiligen Ole nähren. Dafür zeugen alle die Kammern, welche die Seufzer der Bußfertigen gehört haben, alle die Lagerstätten, die des Nachts von den Bußtränen geschwemmt worden sind. Dafür zeugen die Gefängnisse; wo er noch immer seine Vergebung anbietet und verkündigt. Dafür zeugen die Sterbebetten, wo er noch immer mit seinem Friedensgruße und mit seiner Heilandsgnade nahe ist. Seine armen Brüder haben ihm seine Demut und Sanftmut, seine Huld und Freundlichkeit mit Undank vergolten. Und noch heute muss er diesen Undank von Tausenden und aber Tausenden erfahren und leiden, die auf seinen Namen getauft sind, und die er durch sein Blut erlöst hat. Sie stoßen den Sanftmütigsten und Demütigsten der Menschenkinder von sich, und verachten das Heil, das er ihnen anbietet. Ach das Keiner, fein Einziger unter uns wäre, der ihm seine Liebe mit Undank vergelten möchte! Er ruft auch uns zu: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Nehmt auf cuch mein Joch und lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.„ Wir wollen ihn nicht vergebens bitten und rufen lassen, sondern zu ihm gehen, dass wir in ihm Leben und volle Genüge haben. (Friedrich Ziethe)
Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und das glimmende Docht wird er nicht auslöschen.
Der stille, sanfte Geist, mit dem der Heiland wirkt, ist der erste, Herz gewinnende Zug, der dem wunderbar schönen Christusbilde eingehaucht ist. Die Mühseligen und Beladenen will er erquicken und die Angefochtenen wieder aufrichten. Jesajas preist auch die Zartheit und Leutseligkeit, womit er der angefochtenen und bekümmerten Seele sich annehmen und die Schwachheit ihr selber heilen werde. Wie tief kann es mit einem Menschen herabgehen; auch wenn bereits sein Lebenslicht an dem Licht der Gnade Jesu Christi angezündet ist! Wie können die Zeiten der inneren Anfechtung, der Sichtung, der inneren Armut und Leere kommen, wo das Herz ermattet, der Grund des Glaubens wankend wird und der Anker der Hoffnung unseren Händen entgleiten will. Da droht der glimmende Docht zu erlöschen. Allein er löscht ihn nicht aus und lässt ihn nicht erlöschen, sondern er kommt zu Hilfe mit seiner rettenden Gnade und facht mit dem Odem seines Geistes die erlöschende Flamme wieder an und bringt das, das da sterben will, wieder zum Leben. (W. Hofacker.)
Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.
Das ist eine tröstliche Verheißung, aber der Herr tut noch mehr als er hier verheißt. Er heilt das Zerbrochene; er neigt sich zu dem glimmenden Docht und mit seinem sanften Hauch bläst er ihn wieder zu einer Flamme an. O, wenn du vor Schwäche ganz darnieder liegst, so bringe gerade deine Schwäche im Gebet vor Gott und er wird dir die Fülle des Segens dafür geben. Vielleicht ist dein Glaube sehr schwach. Dann sprich: „O Herr, willst du meinen kleinen Glauben vernichten? Ich weiß, es ist eine Sünde, so kleingläubig zu sein, aber ich danke dir, Herr, dass ich überhaupt noch Glauben habe. Er ist schwach und furchtsam, aber er ist doch deine Gabe. O brich das arme Blättchen, das vom Winde hin- und hergeschüttelt wird, nicht vollends ab.“ Vielleicht fühlst du keine fröhliche Hoffnung. Du siehst die goldenen Tore nicht, obgleich sie gar nicht ferne sind. Aber du sprichst: „Herr, willst du meine Hoffnung auslöschen, weil sie nur ein schwaches Fünklein ist?“ O, fürchte nicht, dass der Herr das tut. Du fühlst vielleicht, dass du gegenwärtig nicht so im Segen wirkst wie früher. So sage zu dem Herrn: „Kannst du mich denn nicht doch noch brauchen, obgleich ich in der letzten Zeit nicht arbeiten konnte oder mich nicht nach Kräften angestrengt habe?“ Bring deine kleinen Gaben zu Christus wie die Mutter ihre Kindlein, und bitte den Herrn, dass er sie segne. Bringe ihm dein Senfkorn und bitte ihn, dass er es zu einem Baum erwachsen lasse. Er tut's gewiss. (Charles Haddon Spurgeon)
Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.
Jesus sagt, dass Er die Lämmer in Seine Arme sammeln will; vertrauen wir dieser Verheißung, und wenn wir noch schwach sind, wie die Lämmer, so lasst uns dann auch, wie sie, uns Dem ganz überlassen, der uns tragen will. Sollte der Herr Jesus, der uns sagen lässt, dass wir der Schwachen uns anzunehmen und sie mit Sanftmütigkeit zu tragen hätten, nicht selbst tun, was Er uns gebietet? War Er auch oft in dem Falle, Seine Jünger um ihres Unglaubens willen zu strafen, dennoch wurde Er nicht müde, sie zu tragen, und „wie er sie geliebt hatte von Anfang, so liebte Er sie bis ans Ende.“ Den Fall des Petrus voraussehend, betete Er für ihn, dass sein Glaube nicht aufhören möchte. Nun ist aber Jesus in Ewigkeit derselbe und bittet im Himmel immerdar für uns. Er „wandelt mitten unter den sieben goldenen Leuchtern“ (Offenb. 2, 1.), um fortwährend das Oel Seiner Gnade in dieselben zu gießen; und wenn Er verordnet, dass, um uns zu demütigen oder zu prüfen, es uns gehet, wie jener Witwe zu Zarpath, welche nur noch ein wenig Oel im Kruge hatte, und nun meinte, wenn es verzehrt sei, sterben zu müssen, so darf doch vermöge der Treue und Macht Gottes das Oel im Krug nicht ausgehen, bis der Herr wieder Regen ins Land sendet. Hat Er ja doch einmal die Macht Seiner Gnade daran dir kund getan, das Er Seine Kraft in deiner Schwachheit vollenden will. Wenn Er zu deiner Demütigung und Prüfung dich in die Wüste geführt hat, so wird Er dennoch am Ende dir Gutes tun. Nachdem erst Sein Wort nur wie der Tau auf dich herab träufelte, nachdem es dir dann war „wie die schwachen Tropfen auf das zarte Gras,“ wird es dir zuletzt werden „wie der volle Regenguss, der das Land befruchtet.“ (Ps. 72,6.) Wenn du den Frühregen empfangen hast, wirst du auch den Spätregen empfangen. Der Herr wird Seine Himmelsschätze öffnen, dir den Gnaden-Regen zu geben, wie du ihn bedarfst, so dass du mit David sagen kannst: „Milden Regen schüttetest Du aus, o Gott; Dein Erbe, das ermattet war, erquicktest Du.“ (Ps. 68,10.) (Auguste Rochat)