Jesaja 38,1
Andachten
Zu der Zeit ward Hiskia todkrank. Und der Prophet Jesaja, der Sohn Amoz, kam zu ihm, und sprach zu ihm: So spricht der Herr: Bestelle dein Haus; denn du wirst sterben, und nicht lebendig bleiben.
Gott geht allen Menschen vom Anfang ihres Lebens bis zum Ende der Gnadenzeit nach und benutzt jede Gelegenheit, um sie zu veranlassen, ihr Heil zu ergreifen. Nicht zum mindesten braucht er Zeiten des Leidens. Unerwartet hört der Mensch die Mahnung: „Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben“. Denke niemand, diese Worte gehen ihn nicht an, da er jetzt noch einer guten Gesundheit genieße. Das Wort bleibt dennoch wahr; das Sterben ist dir nicht weniger gewiss, als dem Hiskia; nur über das wann? und wie? hast du keinen Aufschluss wie er. Darum bestelle doch bei Zeiten dein Haus!
Es handelt sich um das Haus, das von jenem klugen und jenem törichten Bauherrn nach Matth. 7 gebaut wurde. Es ist die Zubereitung zur Seligkeit, also das Haus des Herzens, in welchem der Starke überwunden werden und Christus wohnen soll, damit der Geist des Gebets, des Glaubens und der Liebe friedsam regiere und die lebendige Hoffnung alles erleuchte. Es ist ferner das Haus der engeren und weiteren Familie. Ein Christ soll mit jedem Gliede derselben ins Reine kommen, damit keine Feindschaft weder das Zusammenleben verbittere, noch das Sterben erschwere und das Andenken trübe. Das Haus seiner irdischen Arbeit soll er bestellen, damit er allezeit über das Anvertraute Rechenschaft geben und es in andere Hände legen könne. Nicht zu vergessen sei, Geliehenes zurück zu geben und Veruntreutes wieder gut zu machen. Mein Freund, hast du auch eine Kasse, die deine Gaben für Gottes Reich aufnimmt, oder besitzt du etliches Vermögen, über das du verfügen kannst? Bestelle dein Haus auch in dieser Beziehung, triff die nötigen Anordnungen, dass dein Heiland in seinen Werken und seinen Bedürftigen auch etwas empfange, wenn du von hinnen musst.
Dieser Aufforderung soll man nachkommen und zwar ohne Aufschub. Wann die letzte Stunde schlägt ist ganz ungewiss, und ihre Bedeutung für die Ewigkeit unendlich groß. Hast du noch nie erfahren, dass ein Bekannter ganz rasch weggestorben ist? Wärst du bereitet gewesen, wenn es dich getroffen hätte? Warum sind wir fürs Zeitliche so eifrig im Auskaufen der Stunden und fürs Ewige so gleichgültig; gilts doch einen Himmel, eine ewige Seligkeit! Denke niemand leichtlich, mein Haus ist wohl stets in guter Ordnung. Hiskia war ein frommer König, ein Reformator seines Volkes, und doch musste sein Haus bestellt werden. Ist noch nie ein solcher Ruf an dich ergangen? Hat keine Krankheit dich überfallen und an den Rand des Grabes gebracht? Hast du damals nicht gedacht: Wenn ich am Leben bleibe, wie anders soll es dann werden? Hast dus gehalten? ist dein Haus nun bestellt? verstehst du die Sprache nicht, die aus jeder Todesanzeige und jedem Leichenbegängnis an dich ergeht? Sind die Unsicherheit der Zeit, große öffentliche Unglücksfälle, Erdbeben hin und her, Krieg und Geschrei von Kriegen und die sich stets steigernde Gefahr von Umwälzungen keine Aufforderung? Hören wir doch die Sprache der Tatsachen! Gottes Wort legt sie uns aus. Ein Haus, das nicht bestellt ist, mag äußerlich christlich scheinen, wahren Frieden birgt es nicht. So wolle denn Gott durch den Ernst der Zeit und die Flüchtigkeit unsres Lebens und die Kraft seines Wortes es uns eindrücklich machen, dass wir in Buße und Glauben unser Haus bestellen!
Hilf uns, lieber Herr, dazu. Lass uns damit fertig sein, wenn du unerwartet kommst, damit uns Sterben ein Gewinn sei und wir nicht den Ruf hören müssen: „Du Narr, wes wird es sein, das du bereitet hast.“ Lass doch keine Seele in solches Gericht fallen! Amen. (Rudolf Wenger)