Hohelied 3,4
Andachten
Ich halte Ihn und will Ihn nicht lassen, bis ich Ihn bringe in meiner Mutter Haus, in meiner Mutter Kammer.
Ich halte Ihn und will ihn nicht lassen. Warum denn nicht? Weil Er dir helfen kann, dass du die Gerechtigkeit erlangst, die vor Gott gilt! Er muss und kann mich ganz allein in den Rock und die Kleider des Heils hüllen, in denen Gott uns sehen will. Darum halte ich Ihn und will ihn nicht lassen und gebe mich ganz in Seine Hände. Nun, liebe Brüder, es führe so der Herr uns samt und sonders, dass das Bewusstsein unseres Nichts die Fessel werde, die uns mit Ihm verknüpfe und Sein Verdienst und Seine Sünderliebe der Fels und Grund, worauf sich einzig unser Friede baue! (Friedrich Wilhelm Krummacher)
“Ich fand, den meine Seele liebt. Ich halte Ihn und will Ihn nicht lassen.“
Nimmt uns Christus an, wenn wir zu Ihm kommen, trotz aller hinter uns sich auftürmenden Sündhaftigkeit? Züchtigt Er uns nie dafür, dass wir zuvor unsre Zuflucht zu allem andern genommen haben? Und ist auf Erden Ihm keiner gleich? Ist Er der Beste von allen Guten, der Herrlichste von allen Schönen? O, dann wollen wir Ihn preisen! Ihr Töchter von Jerusalem, erhebet Ihn mit Zimbeln und Harfen! Werfet eure Götzen hin, und erhöhet den Herrn Jesum! Werfet das Panier der Pracht und des Gepränges unter die Füße und zertretet es, und hebet das Kreuz Jesu empor, das von der Welt verspottet und verhöhnt wird. Ach, dass wir einen elfenbeinernen Thron hätten für unsern König Salomo! Lasset Ihn ewiglich sitzen auf erhabenem Stuhl, so will ich mich niederwerfen vor seinem Fußschemel und seine Füße küssen und sie waschen mit meinen Tränen. O, wie teuer ist doch Christus! Wie ist‘s nur möglich, dass ich je so gering von Ihm denken konnte? Wie kommt es, dass ich sonst überall Freude und Trost suchen mag, nur bei Ihm nicht, der doch so voll, so reich, so allgenugsam ist? Gläubiger Mitbruder, mache einen Bund mit deinem Herzen, dass du nie wieder von Ihm lassen willst, und bitte deinen Herrn, dass Er den Bund bestätige. Sage Ihm, dass Er dich als einen Siegelring an seinen Finger stecke und als eine Spange um seinen Arm lege. Bitte Ihn, Er wolle dich zum Schmuck nehmen, wie eine Braut sich mit Geschmeide bedeckt und ein Bräutigam sich mit Juwelen ziert. Ich möchte im Herzen Christi leben; in den Klüften dieses Felsens möchte meine Seele ewiglich wohnen. Der Vogel hat ein Haus gefunden, und die Schwalbe ihr Nest, da sie Junge hecken, nämlich deine Altäre, Herr Zebaoth, mein König und mein Gott; und so möchte auch ich mein Herz finden, meine Heimat, in Dir, und nie wieder soll die Seele Deiner Turteltaube sich von Dir entfernen, sondern ich begehre mich innig an Dich anzuschmiegen, o Jesu, meine wahre und einzige Ruhe.
„Wenn ich Ihn nur habe,
Wenn Er mein nur ist;
Wenn mein Herz bis hin zum Grabe
Seine Treue nie vergisst;
Weiß ich nichts vom Leide
Fühl‘ ich nichts,
als Andacht, Lieb‘ und Freude!“ (Charles Haddon Spurgeon)
Aber wir haben eine andere Mutter und andere Brüder in der menschlichen Familie, der wir entsprungen sind. Die Gemeinde hat das erste, nicht das einzige Anrecht auf unsere Liebe; die verlorene Welt hat zum großen Teil ihr Anrecht auf unser Mitleid und auf unsere Gebete. Verhältnismäßig ist es nicht schwer für uns, Christum in die Gemeinde zu bringen, welche sowohl seine als unsere Mutter ist. Aber die Welt hasst Christum, hat nichts mit Ihm gemein; sie fühlt, dass Er rechtmäßigen Anspruch auf Herrschaft hat, und sie hält ihre Türen Tag und Nacht vor Ihm verschlossen. Kein Verbrecher wacht so sorgfältig und fleißig gegen die Diener der Gerechtigkeit, keine einsame Witwe verschließt ihr Tor so sicher gegen den mitternächtlichen Räuber, kein Geizhals treibt den Bettler so hochmütig von seiner Tür hinweg, wie das unerneuerte Herz sich verschanzt gegen den Eintritt Jesu, und Ihn so spöttisch abweist, wenn Er um Einlass; bittet. Ihn deshalb ins Heim unserer Mutter einzuführen, ist ein Werk, das Anstrengung, Wachsamkeit, Geduld erfordert. Da ist vieles, das Ihn reizt, sich wegzuwenden; wir müssen flehen, Ihn halten und Ihn nicht lassen, und mit unserer Mutter Kindern müssen wir auch mit sanften Worten reden, denn sie stoßen sich ebenso leicht an uns, wie an Ihm. Hast du das versucht? Stehst du jetzt inmitten dieser Bemühungen? Wenn nicht, so erhebe dich und beginne ein solches Werk des Glaubens und die Arbeit der Liebe um der Verlornen willen. A. Moody Stuart.