Prediger 11,9
Andachten
Freue dich Jüngling in deiner Jugend, und lass dein Herz guter Dinge sein in deiner Jugend. Tue, was dein Herz gelüstet, und deinen Augen gefällt, und wisse, dass dich Gott um dies Alles wird vor Gericht führen.
Junge Leute wollen ihre Freiheit, ihre Lust haben, und nur tun, was ihnen gelüstet; und sie sehen dies auch an Hohen und Vornehmen, die nur zu lauter Lust und Wollust essen und trinken, auch nichts zu rechter Zeit tun, sondern aus Tag Nacht machen, und die auch sonst in allerlei eitlen Lustbarkeiten leben, besonders vor der Fastenzeit, und in besondern Festivitäten. Beide aber sollten an Gottes Gericht denken: denn Gott wird auch die Werke aller jungen Leute, ihre Jugendsünden, vors Gericht führen, aber auch die Vornehmen richten; denn er ist der Richter über Alle. Er lässt aber auch schon hier seine Gerichte einbrechen, wenn die Hohen nur auf fleischliches Wohlleben, auf Essen und Trinken und üppige Freude denken, und damit, oder auf andere Weise, das Land sündigen machen. O, dass Alle recht bedenken möchten, was die Ursache der jetzigen Gerichte ist. (Bogatzky)
Freue dich, Jüngling, in deiner Jugend und lass dein Herz guter Dinge sein in deiner Jugend. Tue, was dein Herz gelüstet und deinen Augen gefällt, und wisse, dass dich Gott um dies alles wird vor Gericht führen.
Also redet Salomo aus dem Schatz seiner Weisheit und aus der Fülle seiner Erfahrungen, die er aus der Betrachtung alles menschlichen Lebens sich gesammelt hat. Er hat erkannt, dass alles Fleisch ist wie Gras und alle Herrlichkeit der Menschen, wie des Grases Blume; das Gras verdorrt und die Blume fällt ab; aber des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit. Darum kann er auch nicht alle und jede Freude empfehlen, nicht aller und jeder Lust dieser Welt das Wort reden. Wer ihn reden hört, der soll ihn ganz hören. Seine Worte soll niemand trennen und teilen. „Wisse, dass dich Gott um dies alles wird vor Gericht führen,“ dieses sein Zeugnis gibt das rechte Verständnis vom Ganzen und bewahret vor Irrtum und Sünde zu ewigem Verderben. Es lässt das Herz guter Dinge, aber nicht voll böser Gelüste sein; es verträgt sich damit, was frommen Augen gefällt, aber nicht was in den Augen Gottes ein Gräuel ist. Begleitet uns nur überall hin eine heilige Scheu vor deinem Gericht, genießen wir nur mit einem frommen Herzen immer voll Liebe gegen dich und Dankbarkeit, dann mögen wir uns ja freuen als vor deinem Angesicht, Herr, unser Gott, und unser Herz mag allewege guter Dinge sein. So willst du es aus lauter Freundlichkeit und Güte gegen uns. Du hast den Himmel so schön geziert und die Erde so herrlich gemacht. Die ganze Welt ist voll deiner Güte und Wohltun ist deine Lust. Du willst auch, dass alle Geschöpfe deiner Güte genießen und aller deiner Gaben sich freuen sollen vor dir. Darum hat denn auch dein lieber Sohn gesagt: Nicht, was zum Munde eingeht, verunreiniget den Menschen. Er hat sich auch selber mit seinen Jüngern beteiligt an der Freude der Menschen, wie wir dort an ihm sehen auf der Hochzeit zu Kana und von deinem Apostel ist uns geschrieben: Freut euch mit den Fröhlichen; doch auch: Weinet mit den Weinenden. Ach aber das müssen wir dir bekennen: Was die Seele erquickt, sehen wir oft für ein Geringeres an, als was den Leib erfreut. Klagen müssen wir es dir, dass unser Herz häufig mehr Verlangen hat nach der Welt und ihrer vergänglichen Lust, als dass es dürstet nach den Freuden, deren Genuss nimmer mit bitterer Reue das Gewissen straft. Vergib uns, Herr, ach vergib uns diese Sünde sinnlicher Lüsternheit. Vergib uns jede Sünde der Ungenügsamkeit und Unzufriedenheit mit dem, das uns deine Liebe zu genießen gibt. Bewahre auch unser Herz vor Missgunst und Neid, wenn es dir gefallen sollte, anderen ein größeres Maß von Freuden zu gewähren, als uns. Stärke vor allem unsern Glauben und unsere Liebe zu dir, dass wir gern der Welt lassen ihre eitle und verderbliche Lust, wir aber an dir volle Genüge haben und in dir allein uns freuen. Denn alle gute und alle vollkommene Gabe kommt ja doch von dir, und die lebendige Quelle, aus der du uns mit Wollust tränkst als mit einem Strom, ist nur allein bei dir, Herr, unser Gott. Amen! (Carl Just)
Freue dich Jüngling in deiner Jugend und lass dein Herz guter Dinge sein in deiner Jugend. Tue was dein Herz gelüstet und deinen Augen wohl gefällt und wisse, dass dich Gott um dies alles wird vor Gericht führen.
Wenn man die Welt fragt, so heißt es freilich: die Jugend muss ausgetobt haben, man muss die Jugend genießen und was dergleichen sündliche und unchristliche Ausdrücke mehr sind; aber die, welche solche Reden führen und danach handeln, mögen wohl zusehen, wie sie auskommen vor dem Richterstuhle des HErrn, der seinen Sohn nicht umsonst ins Fleisch gesandt, sondern dadurch gezeigt und ihnen die Kraft erworben hat, dass Menschen, die im Fleische leben, heilig und unsträflich sein können. O welch ein Gräuel muss in den Augen des Heilands ein Jüngling und eine Jungfrau sein, die ihre edle Jugendzeit nicht ihm, sondern ihrem eignen bösen Willen und dem Teufel weihen. Welche Freude macht ihm aber auch eine fromme, gute, an seiner Hand durchlebte Jugend. Das sollten wir doch Alle, Fung und Alt recht ernstlich bedenken. Der Heiland hat so viel für uns getan, hat sich so unbegreiflich tief erniedrigt, ist in solch tiefes Elend um unsertwillen eins gegangen und wir gehen meistens so dahin, denken nicht daran, danken ihm nicht dafür, loben ihn nicht dafür, sondern sind kalt und tot gegen solche Liebe. Uns allen sind durch seine Liebe, womit er uns geliebt hat, unzählige Gnadenschätze geöffnet; nur wollen diese Schätze so Wenige haben. Ach, hebt diesen Schatz noch in der Jugendzeit, der Zeit der Aussaat, und solltet ihr auch schon die Welt liebgewonnen haben, so kehrt um zu eurem guten Hirten. (Ludwig Hofacker)