Psalm 90,10
Andachten
Unser Leben währet siebenzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre, und wenn's köstlich gewesen ist, so ist's Mühe und Arbeit gewesen; denn es fährt schnell dahin, als flögen wir davon. - Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.
Der Heimgang ist erwünschter und besser als die Pilgerschaft. Das versteht sich. Wer geht nicht lieber heim, als dass er wandere im fremden, unbekannten und unsicheren Lande? Das ist aber doch nicht allen Leuten so. Denn es gibt deren genug, die die Heimat nicht lieben, die lieber im Walde irren und in der Wüste im Sande waten, als nach Hause gehen. Warum doch so unsinnig? Weil sie die Finsternis mehr lieben als das Licht, die Wollust mehr lieben als Gott; weil sie wohl wissen, dass sie zu Hause nichts Gutes zu erwarten haben Sie könnten doch Alle alles Gute dort haben? Ja, sie wollen's aber nicht. Nun, so ist ihnen nicht zu helfen. Wer zu Gott kommen will, muss glauben, dass er ist, und dass er denen, die ihn suchen, ein Vergelter ist. (Hebr. 11.) Sie bringen ihre Jahre zu wie ein Geschwätz; sie blühen wie das Gras, das bald welk wird und verdorret. Ach, möchten sie bedenken, dass sie verdorren müssen! und dann weggeworfen werden. Ihr Kinder des Reichs! ihr seid doch klug geworden und habt es längst bedacht, dass ihr davon - nicht müsset - sondern, dürfet; dass es euch erlaubt wird, bald auszuwandern aus dem Leibe und daheim zu sein bei dem Herrn. Des seid ihr fröhlich; weil ihr eure Heimat lieb habet, weil euer Herz schon bei dem ist, der euch dort winket: Kommt herüber! Ihr habt nichts Gutes hier, als die Gnade des Herrn. Das Leben ist euch eine Plage, die unerträglich wäre, wenn die Liebe zum Herrn sie nicht erleichterte. Wer legt aber die Last nicht gern ab? Wer macht nicht gern Feierabend? (Johannes Evangelista Gossner)
Unser Leben währt siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, so sind es achtzig Jahre, und wenn es köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen, denn es fährt schnell dahin, als flögen wir davon. Wer glaubt es aber, dass du so sehr zürnst? Und wer fürchtet sich vor solchem deinem Grimm? Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.
Wenn dein Leben siebzig und selbst achtzig Jahre oder länger währen sollte, und es hat keinen andern Inhalt, als den die Menschen köstlich heißen, wenn du nur Schätze auf Erden darin gesammelt hast und keine im Himmel, nur Ehre von Menschen und nicht von Gott gesucht und gefunden, wenn du die Freude im Herrn nicht kennen gelernt hast, dann ist es doch nur „Mühsal und Nichtigkeit“ gewesen und hat keinen bleibenden Wert. Mit allem Rennen und Laufen, mit allem Hasten und Jagen, mit allen Mühen und Sorgen hast du nichts gewonnen als Staub und Asche, und vieles, um welches die Welt dich beneidet, wird dir vor Gott zur Sünde, zur Anklage und zum Gericht. Zu ihm, dem ewigen Gott, der die Quelle des Lebens ist, für den es keine Zeit gibt, nimm darum deine Zuflucht. In der Welt herrscht der Tod. In ihm ist Leben und Seligkeit. (Hermann Schmidt)
Unser Leben währt siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, so sind es achtzig Jahre, und das Herrlichste daran ist Mühe und Arbeit; denn es flieht eilig vorüber, und wir fliegen dahin.
Der Tag ist wiederum vorüber, ein Tag mit allen seinen Erlebnissen, mit Freud' und Leid, mit Sorge und Mühe, mit allen deinen Guttaten, du Geber aller guten Gaben, und auch mit unsern Irrtümern und Sünden. Ein Tag ist wiederum vorüber, und damit auch ein Abschnitt unseres Lebens; um einen Schritt näher sind wir unserm Ziele gekommen. Und so gehen sie ja alle vorüber, ein Tag nach dem andern, eine Woche nach der andern, ein Jahr um das andere. So rasch und unaufhaltsam eilen sie dahin, wie ein Strom mit seinen drängenden Wellen; da ist kein Stillstand, bis sie alle ihre Ruhe gefunden haben im unendlichen Meer. Wie bald, wie bald wird auch das letzte Jahr unseres Lebens kommen, vielleicht stehen wir schon darin, unsere Tage sind gezählt, und viel näher als wir rechnen, steht vielleicht schon der letzte Tag, die letzte Nacht unseres Lebens. Wie, meine Seele, wenn schon das Ende da wäre, wenn auch dir das Wort gälte, das dort im Evangelium dem törichten Reichen zugerufen wird: Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern? Wärst du bereit, hinüber zu treten in das Reich der Ewigkeit, wärst du bereit, Rechnung abzulegen von deinem Haushalt? wie sehr musst du wohl wünschen, dass Gott dir seine Gnadenfrist noch verlängere und dir Gelegenheit gönne, Versäumtes nachzuholen, Verfehltes gut zu machen, ernster, treuer, für die Ewigkeit reifer zu werden! Ja, himmlischer Vater, bewahre uns davor, dass wir nicht unvorbereitet vom Tode überfallen werden, schenke uns durch deine Gnade den rechten Sinn, dass wir die uns noch gegebene Zeit weislich benutzen. Schenke uns den Geist der Treue, dass wir rechtzeitig unser Haus bestellen, unsere Hausgenossen, so weit es in unsern Kräften steht, zeitlich versorgen und auch unsere Pflichten gegen ihr Seelenheil gewissenhaft erfüllen. Gib uns den Geist der Versöhnlichkeit und Sanftmut, dass wir mit unsern Widersachern Frieden schließen, dieweil sie noch mit uns auf dem Wege sind, dass wir's wieder gut machen, wo wir Andere von uns gestoßen haben, dass wir gern verzeihen, wenn ein Anderer unsere Verzeihung begehrt. Lass unser Streben immer mehr gerichtet sein nicht auf das Vergängliche, das dem Staub angehört, sondern auf das Unvergängliche, das in die Ewigkeit begleitet, dass wir sammeln jenen himmlischen Schatz in Werken des Glaubens und der Liebe, in täglicher Heiligung unseres Herzens und Wandels, jenen Schatz, durch den wir Gnade finden bei dir. Ja, lass uns bereit werden durch die Zucht deines Geistes, dass wir, gleich den klugen Jungfrauen, Öl in den Lampen haben und bereit sind, zur Hochzeit aufzubrechen, wenn um Mitternacht der Ruf erschallt: Siehe, der Bräutigam kommt! Amen. (Robert Grubenmann)