Psalm 89,2
Andachten
Ich will singen von der Gnade des HErrn ewiglich und Seine Wahrheit verkündigen mit meinem Munde für und für.
Selig, wer sich ermuntern kann zu dem Bekenntnis: „Ich will singen von der Gnade des HErrn ewiglich.“ „Denn es ist ein köstlich Ding, dem HErrn danken und lobsingen Deinem Namen, Du Höchster: des Morgens Deine Gnade und des Nachts Deine Wahrheit versündigen:“ (Ps. 92,2.3). Köstlicher aber noch ist es, wenn ein Herz aus dem Vollgenuss der Gnade Gottes in JEsu Christo sich erheben kann zu dem Zeugnis: „Ich lobe Dich des Tages siebenmal, um der Rechte willen Deiner Gerechtigkeit; zur Mitternacht stehe ich auf, Dir zu danken für die Rechte Deiner Gerechtigkeit!“ (Ps. 119, 62). Wohl uns des feinen HErrn, des Gottes, der unsers Herzens Trost und Teil ist! (Theodor Hans)
Ich will singen von der Gnade des Herrn ewiglich, und seine Wahrheit verkündigen mit meinem Munde für und für, und sage also: Dass eine ewige Gnade wird aufgehen, und du wirst deine Wahrheit treulich halten im Himmel.
Gottes Freundlichkeit, Liebe und Güte, die ewig währt, soll uns zum täglichen Lobe Gottes anreizen. Solches kann keines Menschen Zunge ausreden, ja kein Herz fassen, was das sei, dass Gott, der ein so mächtiger, großer Herr ist, sich gegen die Menschen, die Erde und Staub, ja große Sünder und Gottes Feinde sind, so freundlich und gütig erzeigt, und nicht müde noch verdrossen wird, uns unwürdigen und undankbaren Sündern Gutes zu tun, sondern ewiglich ein freundliches, gütiges Herz gegen die Menschen behält, gegen die, die jetzt leben und künftig leben werden in alle Ewigkeit.
Es empfinden aber alle Menschen Gottes Freundlichkeit und Güte sonderlich an sich selbst. Siehe dich an, wer bist du? Ein großer Sünder. Gott der Herr aber ist so langmütigen und geduldigen Herzens, dass er nicht so bald, so schnell und so eilend die Sünde straft und die Missetat heimsucht, auch nicht so schrecklich und hart uns arme Menschen straft, wie wir's wohl verdienen. Und in demselbigen übertrifft er alle Menschen. Denn kein Mensch hat solche innerliche, gründliche, wesentliche Langmut, Güte und Freundlichkeit, als Gott. Darum würde kein Mensch mit der Strafe so lange harren; er würde auch tausendmal härter strafen als Gott. Denn wir müssen alle bekennen und sagen, wenn Gott straft, so ist doch allewege Gnade und Freundlichkeit dabei, und Gottes Strafen sind noch allewege geringer als unsere Sünden. Darum muss Gott innerlich, gründlich, wesentlich die höchste Güte, Treue und Freundlichkeit sein. Das erfährt ein jeder täglich an sich selbst.
Wer nun will ein Christ sein und gedenkt nach diesem Leben in den Himmel zu kommen unter die Gesellschaft der heiligen Engel und aller Auserwählten, und endlich bei Gott in ewiger Freude zu leben, des Seele lobe den Herrn, und bitte Gott, dass er sein Lob in unserm Herzen ja nimmermehr auslöschen lasse. Was wir aber in dieser Welt nicht genügsam können ausreden und preisen, das wird dort geschehen; da werden wir vollkommen sein, und das Stückwerk wird aufhören. Denn wir sehen hier Gott in einem dunklen Spiegel, dort aber von Angesicht zu Angesicht. Das helfe uns Gott! (Johann Arnd.)
Ich will singen von der Gnade des HErrn ewig, und Seine Wahrheit verkündigen mit meinem Munde für und für.
Der Brunn aller Wohltaten, ja aller Werke Gottes, da durch sich Gott den Menschen offenbart hat, ist die Gütigkeit, Barmherzigkeit und Gnade Gottes. Denn obwohl viele Dinge an Gott sind, die herrlich zu preisen und zu rühmen sind, so behält doch Gottes Gnade unter allen den Preis. Denn ohne Gottes Gnadenhilfe uns nichts Seine Allmacht, Gerechtigkeit, Weisheit, Wahrheit, Gewalt, Herrlichkeit, Vorsehung, wunderbare Regierung und Erhaltung aller Dinge. Ohne Gottes Gnade wären uns alle Werke Gottes schrecklich und nicht tröstlich. Darum obwohl Gott wegen aller Seiner Werke löblich ist, so ist Er doch löblicher wegen Seiner Gnade und Barmherzigkeit. Gottes Gnade macht alle Werke Gottes tröstlich und alle natürliche und geistliche Dinge den Menschen heilsam. Denn was ist alles in der Welt, Essen, Trinken, Reichtum und Ehre, ja das Leben selbst, ohne und außer Gottes Gnade, als ein stetiges Elend und Fluch? Herr! Deine Güte ist besser denn Leben. Das sollen wir erkennen im Kreuz und Leiden und uns der Gnade Gottes getrösten. Darum spricht hier der Psalmist: Ich will singen von der Gnade des HErrn ewig, und in Seiner Gnade fröhlich sein rc. (Johann Arnd)
Predigten
Gedichte und Lieder
„Ich will singen von der Gnade des Herrn ewiglich, und seine Wahrheit verkündigen mit meinem Munde für und für.“
Aus meines Herzens Grunde
Sag' ich dir Lob und Dank
In dieser Morgenstunde;
Dazu mein Lebelang.
O Gott auf deinem Thron,
Bring' ich dir Preis und Ehren
Durch Christum unsern Herren,
Dein'n eingebornen Sohn;
Dass du mich hast aus Gnaden
In der vergangnen Nacht
Vor Angst und allem Schaden
Behütet und bewacht. .
Ich bitt' demütiglich,
Wollst mir mein' Sünd' vergeben,
Womit in diesem Leben
Ich Hab' erzürnet dich.
Du wollest auch behüten
Mich gnädig diesen Tag,
Vor Satans List und Wüten
Vor Sünden und vor Schmach,
Vor Feuer- und Wassersnot,
Vor Armut und vor Schanden,
Vor Ketten und vor Banden,
Vor bösem, schnellem Tod.
Mein' Seel', mein Leib und Leben,
Mein Gut, Ehr', Weib und Kind
Sei dir, Herr, übergeben,
Dazu mein Hausgesind,
Als dein Geschenk und Gab',
Mein' Eltern und Verwandten,
Geschwister und Bekannten
Und Alles, was ich hab'.
Gott will ich lassen raten,
Der alle Ding' vermag.
Er segne meine Taten
Und alle meine Sack'!
Ihm hab' ich heimgestellt
Leib, Seele, Gut und Leben,
Und was er mir gegeben;
Er mach's, wie's ihm gefällt.
Darauf so sprech' ich Amen
Und zweifle nicht daran,
Gott wird es All's zusammen
In Gnaden sehen an.
Nun streck' ich aus die Hand,
Greis' an mein Werk in Frieden,
Dazu mich Gott beschieden
In meinem Amt und Stand.
Amen! (Christian Wilhelm Spieker)