Psalm 77,1
Andachten
Ein wehmutsvolles Klagelied mit Tröstung durch die großen Taten Gottes vor Alters! In tiefem Schmerze schreit die Gemeinde des Herrn zu Ihm um Hilfe, und die Erinnerung an das, was der Herr früher an ihr getan, gereicht nicht nur Milderung dieses Schmerzes, sondern dient vielmehr dazu, ihn zu steigern, und verleitet sie zu Zweifeln an der Fortdauer ihrer Erwählung. V. 2-10. Aber bald erhebt sich kräftig der Glaube und führt zur Ergebung, indem er sich der Tatsachen als sicherer Unterpfänder des Heils bemächtigt, in denen früher der Zweifel Nahrung gesucht hatte, namentlich der Erlösung aus Ägypten und der Durchführung durchs rote Meer. V. 11-12. – Wie gut ist es doch, durch gute Gedanken über die bösen zu siegen, und eben deshalb sich einen Vorrat heiliger Gedanken zu sammeln und aufzubewahren, um sie gegen sich selbst in Stunden der Zweifel und der Anfechtungen zur Anwendung zu bringen! Es muss ja Gott angenehmer sein, wenn von uns ein Tag im Halleluja des Herzens zugebracht wird, als das beständige Klagen, Seufzen und furchtsame Schreien über Not, die man oft selbst verschuldet hat. Der Wohltaten und der Langmut Gottes ist ja eine solche Summe, dass man sie nicht zählen kann; aber das wird ein Teil des ewigen Lebens sein, und dass dort unser Lob dafür ohne Sünde sein wird. Ach, aus guten Gedanken entstehen gute Triebe und Entschließungen, und aus diesen entstehen gute Handlungen! – Wache daher täglich über deine Gedanken, mein Herz, und züchtige, heilige, berichtige sie durch Gottes Wort. Fällt dir ein böser Gedanke ein, so sinne bald auf einen guten Gedanken und verscheuche jenen auf alle Weise. Denke insbesondere an die großen Taten, Führungen und Fügungen Gottes in der heiligen Geschichte, die wie nichts anderes den Glauben stärken und jede Bangigkeit heben für Gegenwart und Zukunft. Das Gute und Göttliche hat einmal eine Macht, die alles Böse und bloß Menschliche überwindet. Amen. (Friedrich Arndt)
Aber doch sprach ich: Ich muss das leiden; die rechte Hand des Höchsten kann alles ändern.
Und nun noch ein Wort an euch, ihr angefochtenen göttlich betrübten Seelen, denen im Blick auf die Zukunft unserer Kirche, sowie die eigenen Leiden und Anfechtungen oft der Maut entsinken und die Frage sich auf die Lippen drängen will: Wird denn der HErr keine Gnade mehr erzeigen? Lasst nur die dunklen Tage und Stunden in demütiger Selbstprüfung und ernstem Selbstgericht zu Stunden aufrichtiger Beugung unter die Hand des Höchsten werden; dann aber blickt über die dunklen Leidenswolken empor zu der leuchtenden Schar von Glaubens- und Leidenszeugen, die wir um uns haben, auf die Schar der Überwinder droben, vor allem auf ihn, den Anfänger und Vollender unseres Glaubens, welcher, ob Er wohl hätte mögen Freude haben, erduldete Er das Kreuz und achtete der Schande nicht und ist gesessen zur Rechten auf dem Stuhl Gottes, und Überwinderkraft wird aus solchem Aufblick in eure Seelen strömen, dass ihr trotz aller Leiden und Anfechtung einstimmen könnt in das große Dennoch aller erlösten Gotteskinder: „Dennoch bleibe ich stets an Dir, denn Deine rechte Hand hält mich.“ - Ja dennoch ist ein schönes Wort; dennoch heißt mein Glaube. „Aber doch sprach ich: Ich muss das leiden; die rechte Hand des Höchsten kann alles ändern.“ Amen. (Gustav Leonhardi)