Psalm 73,18
Andachten
Du setzt sie aufs Schlüpfrige.
Assaph bekennt Ps. 73.: ich hätte schier gestrauchelt mit meinen Füßen, mein Tritt hätte beinahe geglitten; denn es verdross mich auf die Ruhmredigen, da ich sah, dass es den Gottlosen so wohl ging, denn sie sind in keiner Gefahr des Todes, sondern stehen fest, wie ein Palast. Sie sind nicht in Unglück, wie andere Leute, und werden nicht, wie andere Menschen, geplagt. Darum muss ihr Trotzen köstlich Ding sein, und ihr Frevel muss wohl getan heißen. – Sie vernichten Alles, und reden übel davon, und reden und lästern hoch her usw. Dieses Alles verdross den Assaph desto mehr, da er von sich selbst sagen musste: ich bin geplagt täglich, und meine Strafe ist alle Morgen da; wobei er dann versucht wurde zu gedenken: soll’s denn umsonst sein, dass mein Herz unsträflich lebt, und ich meine Hände in Unschuld wasche? Aus dieser Verwirrung konnte sich Assaph nicht heraus helfen, bis er in das Heiligtum oder in die Stiftshütte ging, wo man die Gegenwart Gottes vorzüglich fühlen konnte, um da zu beten. Plötzlich fiel ihm da ein, er solle auf das Ende der Gottlosen merken. Es kam auch so viel Licht in seine Seele, dass er zu Gott sagen konnte, was v. 18-28. steht, und wovon ein Teil dieses ist: Du setzt die Gottlosen aufs Schlüpfrige, und stürzest sie zu Boden. Sie gehen unter, und nehmen ein Ende mit Schrecken usw.
Weil nun dasjenige, was Assaph in diesem Psalmen beschreibt, noch immer in der Welt vorgeht, so ist’s billig, dass wir die Bekenntnis und Erkenntnis dieses heiligen Propheten wohl zu Herzen nehmen. Was insonderheit das Setzen der Gottlosen aufs Schlüpfrige anlangt, so wird dadurch ein göttliches Verhängnis angedeutet, nach welchem sie in den scheinbaren, aber gefährlichen Glücksstand gesetzt werden, der v. 3-12. beschrieben ist; wiewohl er nicht bei Allen so völlig entsteht. Hierbei muss man aber den heiligen Gott nicht beschuldigen, als ob Er an der Gefahr und dem Untergang der Gottlosen schuldig sei. Er setzet sie aufs Schlüpfrige, weil sie es mit Gewalt so haben wollen. Sie reißen Ämter an sich, zu deren rechter Verwaltung sie weder Treue noch Gaben haben. sie sammeln mit einem geizigen Bestreben einen Reichtum, zu dessen guter Anwendung weder ein guter Wille noch ein guter Verstand bei ihnen ist. Sie heiraten nach ihrer Lust, und verwickeln sich dadurch in Schlingen, welche sie in die Sünde und Hölle hineinziehen. Sie mengen sich in Geschäfte, welche man nicht anders als durch schlimme Ränke durchsetzen kann. Sie schwingen sich in eine Gewalt hinein, und haben keine Fähigkeit, dieselbe mäßiglich zu gebrauchen. Alles dieses unternehmen sie ohne Gott. Sie fragen Ihn nicht im Gebet. Sie empfehlen Ihm ihre Wege nicht. Sie merken nicht auf Seine warnenden und unterweisenden Winke. Sie fahren durstiglich zu und versuchen Gott; da dann Gott sie auch in Versuchung führt, und sie durch Seine zulassende und mit Zorn vermengte Vorsehung auf das schlüpfrige Eis setzt, nach welchem sie mit Gewalt streben. Kein Gottloser wird Gott deshalb an jenem Tage beschuldigen, weil einem jeden sein Gewissen sagen wird: er habe sich sein schlüpfriges Eis selber gewählt, und Gott sei nach vorhergegangenen treuen Warnungen nicht schuldig gewesen, sein Vornehmen mit Gewalt zu hindern. Besser ist’s, wenn man mit Assaph sagt: Du, o Gott, leitest mich nach Deinem Rat, und nimmst mich endlich mit Ehren an. (Magnus Friedrich Roos)