Psalm 71,5
Andachten
Denn Du bist meine Zuversicht, HErr, HErr, meine Hoffnung von meiner Jugend an. Auf Dich habe ich mich verlassen von Mutterleibe an, Du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen. Mein Ruhm ist immer von Dir.
Hier haben wir einen kräftigen Grund des Gebets und Glaubens Davids und aller Betrübten, genommen aus dem Artikel der Schöpfung. Es ist ein kräftiger Trost, wenn man bedenket, wie GOtt uns von Mutterleibe an so wunderlich und gnädig bis auf die gegenwärtige Stunde erhalten hat. Denn es hat ein jeder Mensch ein lebendiges, immer gegenwärtiges Zeugnis der Allmacht, Barmherzigkeit und göttlichen Vorsorge an seinem eigenen Leib und Leben, welches uns alle überzeuget, dass GOtt für uns sorgt und viel Gutes an uns getan hat. Dadurch will GOtt unsern Glauben stärken, und unsere Zuversicht und unser Gebet erwecken. Denn wenn wir zurück denken, wie wunderlich uns GOtt erhalten und von Mutterleibe an ernähret hat: so sehen wir ja nichts an uns selbst, als GOttes Gnade, Liebe und Treue. Dessen gedenket auf seinem Totenbette der Erzvater Jakob, 1 Mos. 48, 16., als er sprach: „GOtt, der mich mein Leben lang ernähret hat, der Engel, der mich erlöst hat von allem Uebel, der segne die Knaben.“ Weil nun GOtt der HErr getreu ist, so können wir den Trost daraus fassen: weil er uns von Mutterleibe an erhalten, so werde er ferner die Gnade und Liebe an uns beweisen bis ans Ende. Und beschließt nun David mit den schönen Worten: „Mein Ruhm ist immer von Dir.“ Es kann ein Mensch GOtt den HErrn dafür nicht genugsam rühmen, was GOtt einem einigen Menschen für Gnade und Barmherzigkeit bewiesen hat; wie sollte GOtt können genugsam gerühmt werden für die Wohltaten, so Er I so viel tausendmal tausend Menschen erzeiget hat! GOtt ist billig unser Ruhm, denn Er ist alles allein, wir sind nichts; GOtt ist alles in uns, durch uns, über uns, Röm. 11, 36. Er ist in Ewigkeit zu rühmen wegen Seiner ewigen Gnade, Liebe und Treue; wegen Seiner Gerechtigkeit, Wahrheit und Allmacht. Und weil Er dasselbe alles an unserer Person bewiesen, so soll Er billig unser Ruhm sein, unsere Ehre und unsere Freude. Er ist über alles, was menschlicher Verstand erreichen und des Menschen Zunge ausreden kann. (Johann Arnd)
„Du bist meine Zuversicht, HErr, HErr, meine Hoffnung von meiner Jugend an.“
„Von Jugend an bist du meine Zuversicht und Hoffnung.“ Können wir das auch von uns so sagen? Der kleine David hat die Schafe gehütet, und da hat er seine Harfe geübt, und die Schäflein haben zuhören dürfen, wie er seinem Gott Lieder gesungen hat. So hat er von Jugend an seine Gedanken bei Gott gehabt. Alle Jugend hat's nicht so. In den ersten Jahren sind die Kinder oft recht empfänglich und hören aufmerksam zu, wenn man von Gott und vom Heiland redet; aber bald wird's bei den meisten anders. Bei David aber blieb das Herz bei Gott auch in späteren Jugendjahren. Bei uns tragen freilich oft mehr die Alten die Schuld, wenn die Jungen Gott entfremdet werden, weil die Kleinen sehen, wie Er den Großen eben auch nichts mehr gilt. Aber wo ich heranwachsende Jugend sehe, möchte ich bitten: Bleibt bei dem Gott, der in der Kindheit euch gegolten hat; richtet eure Augen auf zum lieben Gott und Heiland, dass Er möge eure Zuversicht und Hoffnung sein! Es ist gar nicht auszudenken, wie viel Segen es der Jugend bringt, wenn sie nur ihre Augen nach Gott richtet und das Gewissen vor Gott bewahrt. Die sind die glücklichsten Menschen, die von Jugend an das so halten; wenn es oft in der Folge auch allerlei Gaukeleien bei ihnen gibt, so kommen sie doch immer wieder zurecht. David ist auch in allerlei hineingekommen, aber Gott hat ihn immer wieder herausgerissen. Wer seine Zuversicht auf den HErrn setzt, der hat bewahrende Engel um sich in jeder Lage des Lebens. Ach wenn's die Leute nur sich sagen ließen, aber sie sind so blind und taub! (Christoph Blumhardt)