Psalm 51,14
Andachten
Tröste mich wieder mit Deiner Hilfe, und der freudige Geist enthalte mich.
Tröste mich wieder mit Deinem Heil, das ist, mit der gnädigen Vergebung der Sünden, mit dem teuren Verdienst des Messias, das ist die rechte Hilfe, das wahre Heil, daraus wir lernen, dass im Himmel und auf Erden kein Trost der Seelen zu finden sei, ohne allein in dem teuren Verdienst Christi, in Vergebung der Sünden, in Versöhnung mit Gott. Darinnen steht die rechte Freude unsers ewigen Heils.
Zum andern bittet David auch um ein freiwilliges Herz, Gott zu dienen. Der freudige Geist enthalte mich, das ist: Gib mir einen freiwilligen Geist, Dir von Herzen willig und mit Freuden zu dienen: So willig ich gewesen bin, der Sünde zu dienen, dass ich auch so willig und freudig sein möge, Dir hinfort zu dienen, welches ich ohne den heiligen Geist nicht tun kann. Hier haben wir diese Lehre: Dass wir ohne den heiligen Geist nichts Gutes tun können, das Gott gefällt. Darum, weil wir ja alle gerne wollten, dass unser Tun Gott gefallen sollte, so müssen wir um den heiligen Geist bitten. Was unser Herz freudig und willig tut, von Grund des Herzens, das ist Gott angenehm; denn Gott sieht das Herz an. Was nicht aus dem Glauben geht, das ist Sünde. Der Glaube tut nichts aus Zwang, sondern freiwillig, aus reiner Liebe und Dankbarkeit, auch nicht um Nutzens oder Lohns, oder Lob und Ruhms willen, sondern aus Demut und Dankbarkeit, zu Gottes Ehre und des Nächsten Nutzen. Dieselben Werke gefallen Gott wohl, und wenn es auch nur ein Trunk kalten Wassers wäre. Das alles aber wirkt allein der heilige Geist. (Johann Arnd)
Dein freudiger Geist enthalte mich dir.
Das ist keine Freude für die Sinnen und für das Fleisch, sondern für den Geist und für den verborgenen Menschen des Herzens. Dies ist eine solche geheime Mitteilung des göttlichen Lichts und Lebens in eine erniedrigte und wohl zubereitete Seele, davon der unsterbliche Funke in uns allein die Kraft empfängt, wenn gleich der äußere Mensch im größten Leid stehen mag. Denk an die hl. Märtyrer, die unter den größten Qualen Loblieder sangen! Das reime mir die Vernunft zusammen, wie in einem Menschen solche zwei widrige Dinge beisammen sein mögen. Und doch ist es gewiss, dass das Herz, das Innerste und Beste, sich freuen kann, wenn auch der Leib, die Schale, zittert und bebt. So bittet auch David im 81. Psalm um die Erhaltung eines freudigen Geistes mitten in seiner Bußangst, aber aus tiefer Erkenntnis, dass solche Freudigkeit nur vom Geiste Gottes herkomme. (Gottfried Arnold.)
Der freudige Geist enthalte mich.
Es sind zwei große Gaben, um welche der König David im 51. Psalm bittet - um die Gewährung der großen Barmherzigkeit Gottes, welche die Sünden vergibt und um den heiligen Geist. David empfindet, dass er ohne vollkommene Vergebung nicht leben kann, aber auch dass diese Vergebung nicht haftet im Gewissen ohne den Geist Gottes.
So wars mit David, so ist's, Herr, mit allen Deinen Kindern und so ists mit mir. Was Du mehr als tausendmal in Deinem Worte verheißt, Deine große, königliche Barmherzigkeit, bedarf ich mehr als tausendmal - Deine volle, gewisse Vergebung, Deine wirkliche Vergebung, dieses tiefe Labsal. Herr, tilge meine Sünden nach Deiner großen Barmherzigkeit. Ps. 51, 2. Ich glaube Deinem heiligen Worte; aber ich empfinde auch meine große Schwachheit, mein Gott, Deine ewige Gnade zu nehmen, wie Du sie gibst und mich ihrer zu trösten, wie es Deine Freude und mein Leben wäre. Darum rufe ich zu Dir um den Geist, der solche Gewissheit schafft. Wie gern folge ich David und rufe Dich dreimal an: gib mir einen neuen gewissen Geist (Ps. 51, 12); nimm Deinen heiligen Geist nicht von mir (V. 13); der freudige Geist enthalte mich (v. 14). O dreimal erwünschter Geist, der gewiss ist und gewiss macht, der da heiligt im rechten Glauben und mit tiefen Freuden erfüllt. D Herr, mein Gott, es ist Dir nicht verborgen, dass ich Erde und Asche bin wie Abraham, der Vater der Gläubigen. 1 Mos. 18, 27. Ich konnte und kann Dir nichts zuvor geben, dass Du mir es müsstest wieder vergelten. Röm. 11, 35. Gib mir aus freier Barmherzigkeit den freudigen Geist, dass er mich enthalte. Gib mir den gewissen Geist, dass ich nicht zweifle und nicht abfalle von der Lauterkeit und Wahrheit Deines Wortes. Gib mir den Heiligen Geist, dass ich Macht finde, die Geschäfte meines Fleisches - o diese bitterbösen Geschäfte zu töten, der freudige Geist enthalte mich. Wie sollte Dein Geist nicht der freudige Geist sein? Redet er doch nicht von ihm selbst, sondern was er gehört hat, Und siehe! der ewige Geist hat gehört das Gebet und Flehen mit starkem Geschrei, redet er. Joh. 16, 13. das mein Heiland geopfert hat in den Tagen Seines Fleisches. Ebr. 5, 7. Er hat gehört das Seufzen Jesu, meines einigen Hohenpriesters und hat erkannt die Tiefen aller Seiner Leiden und hat begriffen den Sieg Seiner Auferstehung. Solche heimliche Weisheit hat der Geist Gottes, welcher die Tiefen der Gottheit erkennt, durchforscht. Wie sollte es mir nicht ein freudiger Geist sein, welcher mir den Namen Jesu, des großen Sünderheilandes, das Verdienst Seiner Wunden, die Kraft Seiner Auferstehung, Christi Sieg in meiner Schwachheit, die Gewissheit und Süßigkeit des ewigen Lebens bezeugt und versiegelt. Heiliger, gewisser, freudiger Geist enthalte mich und versiegle mir die Gnade Jesu Christi.
Du wohnst in der Höhe und im Heiligtume und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind. Jesaj. 57, 15. Ich bin bereit, ein Thron Deiner Herrlichkeit zu sein, Du Unbegreiflicher, der Du thronst über Cherubim und in zerschlagenen Herzen. Gottes Ernst und Gottes Liebe haben mich zerschlagen und ich stehe nicht an, mich für den vornehmsten unter den Sündern zu bekennen und will noch geringer werden und will niedrig sein in meinen Augen. 2 Sam. 6. 22. So komm, Du freudiger Geist und enthalte mich; gib mir Glauben und schenke mir ein unerschrockenes Herz darum, dass Christus mein Haupt die Welt und den Tod überwunden hat. Tue meine Lippen auf, dass mein Mund Deinen Ruhm verkündige. Und wenn ich sterbe, o Du freudiger Geist, sei mir nahe und enthalte mich, dass ich den Tod nicht sehe. Und wenn ich stehen werde vor Dir, o Jesu, Jesu, am Tage Deiner Zukunft, dann gib mir den freudigen Geist, dass ich mein Haupt aufhebe und nicht dahinfalle. (Theodor Schmalenbach)