Psalm 40,18
Andachten
Ich bin arm und elend: der HErr aber sorgt für mich.
Mit Erstaunen denke ich daran, dass dieses Worte des eingeborenen Sohnes Gottes, des Heilands der Welt, sind; denn Sein sind auch diejenigen Worte, die V. 7.8.9. stehen, wo Er zu Seinem himmlischen Vater sagt: Opfer und Speisopfer gefallen Dir nicht; aber die Ohren hast Du mir aufgetan (um Deine Gebote als Dein Knecht zu hören), Du willst weder Brandopfer noch Sündopfer; da sprach Ich: siehe, Ich komme, im Buch steht von Mir geschrieben; Deinen Willen, Mein Gott, tue Ich gerne, und Dein Gesetz habe Ich in Meinem Herzen. Zwar stehen auch V. 13. die Worte: es haben Mich Meine Sünden ergriffen: es ist aber sehr begreiflich, dass Christus unsere Sünden angesehen hat; gleich wie wir Seine Gerechtigkeit für die unsere halten dürfen. Der Sohn Gottes sagte also, als Er im Stand der Erniedrigung lebte, bei Sich selbst: Ich bin arm und elend. So fühlte Er Sich nach Seiner menschlichen Natur, und so sah Er Sich selber an. Obschon die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig in Ihm wohnte, so leerte Er Sich doch in Ansehung ihrer erquickenden und stärkenden Einflüsse in die menschliche Natur so aus, dass Er Sich selber oft als arm und elend fühlen konnte: denn bei diesem Gefühl war Sein Gehorsam, Sein Vertrauen auf den himmlischen Vater, und Seine Geduld erst recht schätzbar, und Alles, was Er dachte und tat, hatte denjenigen Wert, den es zur Erlösung des menschlichen Geschlechts haben sollte. Er war von Herzen demütig, da Er sagte: Ich bin arm und elend, aber nicht kleinmütig; denn Er sprach zugleich: der HErr aber sorgt für Mich, oder denket an Mich. Dieser HErr war Sein himmlischer Vater, von dem Er Sich bei Seiner tiefsten Erniedrigung raten, befehlen, helfen, führen und geben ließ. Es däuchte Ihn bei Seiner tiefen Demut etwas Großes zu sein, dass Jehovah, Sein himmlischer Vater, an Ihn denke; denn Er sagte Ps. 8,5. in der Absicht auf Sich selbst: was ist der Mensch, dass Du sein gedenkest, und des Menschen Sohn, dass Du Dich sein annimmst? Er war aber auch dieses treuen und liebreichen Angedenkens in einem festen Vertrauen gewiss, und ging mit diesem Seinem Vertrauen in Sein tiefes letztes Leiden hinein; da Ihm dann auch Seine Feinde das Zeugnis gaben: Er habe Gott vertrauet.
Ich bin auch arm und elend, und wünsche, es immer besser zu erkennen und völliger zu fühlen. Alle eitle Größe, aller betrügliche Reichtum der eigenen Gerechtigkeit, alle alberne Ruhmsucht, alles törichte Wohlgefallen an mir selbst, wie auch aller Trost, den ich in den Geschöpfen zu finden meine, werde in mir immer gründlicher zerstöret und zernichtet; damit ich arm im Geist und elend nach meiner eigenen wahren Einsicht und Empfindung werde. Bei dieser Einsicht, bei diesem Gefühl kann es mir innerlich wohl sein: denn es ist eben nicht nötig, dass der Unglaube die Armut und das Elend zu einer Ursache eines quälenden und verfinsternden Unmuts mache; denn ich darf (Gott sei Lob!) um Jesu willen, dessen Gerechtigkeit mein ist, auch sagen: der HErr sorgt für mich, der HErr denket an mich: und daran kann mir in meinem ganzen Leben, und auch bei meinem Sterben genügen. (Magnus Friedrich Roos)
Hebe an! Zion! heb' am Elend an, An der Armut, an dem Staube, So ist Deine Sach' getan, Habe gar nichts, aber glaube, Dass der HErr, der treue Seelenmann, Helfen kann!
Unsre Tür Für und für Werde Christo aufgetan: Komm, Du Geist der Kraft und Gnade, Und auf Deiner Gassen Bahn Sei kein Mangel und kein Schade, Komm, du Reich der Unbeweglichkeit, In die Zeit.
Du bist HErr, Deine Knechte bleiben wir, Deines Reichs unzählige Weiten, Deiner Kräfte off'ne Tür, Deine ew'gen Herrlichkeiten, Werden uns von auß' und innen klar, Das ist wahr! Amen. (Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf.)
Ich bin arm und bedürftig, der Herr aber sorgt für mich.
So oft wir morgens erwachen, brauchen wir Kraft für den Tag; so oft wir uns abends niederlegen, brauchen wir die Gnade, die unsre Sünden bedeckt. Zu jeder Zeit unsres Lebens sind wir arm und bedürftig. Wenn wir mit Christus über die Schwelle des Jünglingsalters treten, so bedürfen wir sein, damit er uns vor den Torheiten und Leidenschaften bewahre, die der gedankenlosen Jugend so gefährlich sind. In den mittleren Jahren brauchen wir den Herrn noch nötiger, damit die Sorgen dieser Welt nicht wie ein Krebsgeschwür unsre Kraft verzehren. Und im Alter sind wir immer noch bedürftig und brauchen die Gnade, dass sie uns bis zum Ende bewahre. Und auch wenn wir uns zum Sterben hinlegen, können wir die Barmherzigkeit nicht entbehren, damit sie uns unser letztes Lager bereite, und die Gnade, damit sie uns in unsrer letzten Stunde tröste. So bedürftig sind wir, dass wenn uns Jesus nicht in der Ewigkeit eine Stätte bereitet hätte, wir nicht wüssten, wo wir unser Haupt hinlegen sollen. Es fehlt uns einfach alles. Wir können uns nicht ruhig hinlegen und sagen: „Ich habe einen großen Vorrat für viele Jahre.“ Der Mangel steht vor der Tür und wir müssen wieder betteln gehen. Unsere schreienden Bedürfnisse sind immer hinter uns her und verfolgen uns überall. Wir werden die beiden Eigenschaftswörter nicht los, sondern müssen immer wieder sagen: Ich bin arm und bedürftig. (Charles Haddon Spurgeon)
Ich bin arm und elend, der Herr aber sorgt für mich. Du bist mein Helfer und Erretter; mein Gott, verziehe nicht!
Lernt diese heilsame Wahrheit verstehen, besonders ihr bekümmerten Seelen. Was steht ihr hier und seht immer die Erde an, die doch der Herr verflucht hat, und die nur Dornen und Disteln trägt? Hinauf die Herzen, hinauf die Blicke. Wie jene Weiber den erstorbenen Jesum im Grabe, so sucht ihr euern Geliebten, eure Liebe, eure Heiligung, eure Rettung bei euch selbst, nähret euch mit Muhe euer Leben lang, und die Erde, die ihr bearbeitet, trägt euch, ihrer Natur nach, nur Dornen. Wie kann es anders? Meinet ihr, euer Lazarus, der doch die Verheißung hatte, müsse notwendig tot bleiben, weil er nun im Grabe liegt und verwest? Meint ihr, ihr müsstet ebenso elend, ebenso unartig, so ungläubig, so schwach bleiben, weil ihr keinen Rat seht, wie es anders gehen möge? - Kennt ihr also Den nicht, der Rat und zugleich Kraft heißt? Haben wir nicht einen Fürsprecher, Jesum Christum, der gerecht ist? Wir haben ihn, ja wer will uns das streitig machen? Er darf ja nur Ein Wort sprechen, so seid ihr ja gesund. Und ihr wollt ja gesund werden? O! Er spreche dieses Wort! - Ist wohl geredet. Aber lasst ihn auch die beste Stunde wählen. Euer Herz sei demnach wohlgemut, ob ihr auch voll Gebrechen. (Gottfried Daniel Krummacher)