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Psalm 3,6

Psalm 3,6

Andachten

Ich liege und schlafe, und erwache, denn der HErr erhält mich.
David schrieb dieses, da er vor seinem Sohn Absalom floh, und noch in keiner befestigten Stadt angekommen war. Indem er nun mit seiner kleinen Mannschaft auf dem Feld sich lagern musste, so hätte er von den vielen Hunderttausenden, die sich umher wider ihn auflehnten, überfallen und umgebracht werden können; ja zuerst wäre ein kleines Heer von zwölftausend Mann genug gewesen, den David bei der Nacht zu überfallen, seinen Anhang zu zerstreuen und ihn zu töten, wie der kluge Ahitophel 2 Sam. 17,1.2.3. davor hielt. David wusste seine Gefahr, und betete; als er aber eine Nacht oder etliche Nächte vor allen feindlichen Überfällen bewahrt geblieben war, so sagte er: ich liege und schlafe, und erwache, denn der HErr erhält mich. Das zeitliche Leben der Knechte und Mägde Gottes steht unter einer besonderen göttlichen Bewahrung. So lange Gott sie zu Seinem Dienst brauchen will, erhält er auch ihr Leben. In einer jeden Nacht, und so auch an einem jeden Tag könnte einem Jeden ein Unfall begegnen, der seinem Leben ein Ende machte: der HErr aber erhält ihn. Paulus sagte: er sei immer als ein Sterbender und lebe doch 2 Kor. 6,9.; und 2 Kor. 4,10.11.: wir tragen um allezeit das Sterben des HErrn Jesu an unserem Leibe, auf dass auch das Leben des HErrn Jesu an unserem Leibe offenbar werde; denn wir, die wir leben, werden immerdar in den Tod gegeben um Jesu willen; auf dass auch das Leben Jesu offenbar werde an unserem sterblichen Fleische. Man hat also nicht nötig, bei dem Dienst, den man dem HErrn Jesu leisten soll, seinen Leib allzu ängstlich zu schonen, oder bei der Empfindung seiner Schwachheit allzu furchtsam zu sein, weil das Leben Jesu an demselben offenbar werden, und ihn erhalten soll, bis die rechte Stunde erscheint, in welcher man diese Hütte ablegen, und in die himmlische Wohnung eingehen soll. Übrigens ist es unsere Schuldigkeit, Gott für die Bewahrung unseres Leibes und Lebens täglich zu danken, und besonders an jedem Morgen Seine Güte zu preisen, die uns und alle die Unsrigen, ja auch unsere Wohnung und Habe, in der vergangenen Nacht, da wir als Schlafende den Toten ähnlich waren, und gar keine Vorsichtigkeit beweisen konnten, bewahrt hat. Sollte uns auch ein Unfall in einer Nacht begegnen, so dürfen wir ihn als eine Bestrafung wegen unserer Trägheit ansehen, bei welcher wir die Bewahrung, die wir in vielen andern Nächten genossen hatten, nicht hoch genug geschätzt, und Gott nicht gehörig dafür gedankt, oder etwa nicht aufs Neue darum gebeten haben. Der HErr Jesus schlief auch. Er schlief einmal in einem Schiff, das nahe am Untersinken war, und wachte doch ohne Furcht auf. Er schlief auch zu andern Zeiten in großen Gefahren, weil man Ihm oft nachstellte, und blieb doch voll Zuversicht. Er schenke uns von Seinem Glauben, und lasse uns die Bewahrung, die Ihm der Vater erzeigt hat, auch widerfahren. Seine heilige Nachtruhe heilige und segne unsern Schlaf, damit wir jeden Morgen zu Ihm sagen können: wenn ich erwache, bin ich noch bei Dir, und alsdann auch für den Schutz Gottes, der uns im Schlaf erhalten hat, fröhlich danken können. (Magnus Friedrich Roos)


Die Überschrift des Psalms sagt uns, wann David solch süße Nachtruhe genoss; nicht als er auf weichem Daunenbette in seinem stattlichen Palaste zu Jerusalem lag, sondern als er um sein Leben floh vor seinem unnatürlichen Sohne Absalom und wahrscheinlich genötigt war, auf freiem Felde unter dem Betthimmel des Firmaments zu liegen. Das musste fürwahr ein sanftes Kissen sein, das ihn die Gefahr, in welcher er schwebte, vergessen ließ, da doch das zahllose Heer der Treulosen auf der Jagd nach ihm war. Ja, so überwältigend ist der Einfluss des Friedens Gottes, dass er die arme Kreatur befähigt, sich so fröhlich zum Schlaf ins Grab zu legen wie in das weichste Bette. Einem Kinde gleich, das aus freien Stücken zu Bett gebracht zu werden verlangt, haben etliche Heilige Gott gebeten, sie ins Bett des Staubes zur Ruhe zu betten, und das nicht in einer Anwandlung von Unmut und Unzufriedenheit in ihrer gegenwärtigen Trübsal, wie Hiob, sondern in der süßen Empfindung des Friedens Gottes in ihrem Herzen. „HErr, nun lässt du deinen Diener im Frieden fahren“, war der Schwanengesang des greisen Simeon. Er spricht wie ein Kaufmann, der alle seine Waren an Bord gebracht hat und nun den Kapitän bittet, die Segel zu hissen und heimwärts zu steuern. In der Tat, warum sollte auch ein Christ, der hienieden doch nur ein Fremdling ist, länger in der Welt zu bleiben verlangen, als nötig ist, um seine volle Ladung einzunehmen? Und wann hat er die? nicht eben dann, wenn er der Versöhnung mit Gott gewiss ist? Dieser aus dem Evangelium strömende Friede, diese Empfindung der Liebe Gottes im Herzen fördert Gottes Kinder so wunderbar in der Standhaftigkeit in allen Versuchungen und Trübsalen und aller Arbeit für den HErrn, dass Gott den Seinen in der Regel, ehe er sie zu besonders schwerem Dienst und heißer Arbeit ruft, einen Labetrunk dieses herzstärkenden Weines darreicht, um ihren Mut zu erfrischen und sie kühn zum Kampf zu machen. W. Gurnall† 1679.


Dieser Gurnall, zu dessen Lebzeiten auf der großen Themsebrücke in London noch Häuser standen, macht die sinnige Bemerkung: Meint ihr nicht, dass die Leute, die auf der Londoner Brücke wohnen, gerade so sanft schlafen, wie die, welche in Whitehall oder Cheapside (anderen Stadtteilen Londons) wohnen? Sie wissen, dass die Wogen, welche unter ihnen dahinrauschen, ihnen nicht schaden können. Gerade so können die Gläubigen über den Fluten der Trübsal oder des Todes im Frieden Gottes ruhen und brauchen kein Unglück zu fürchten (Psalm 23, 4).

Ein gutes Gewissen kann im Munde einer Kanone ruhig schlafen. Die Gnade ist des Christen Panzerhemd, darin er gegen Pfeil und Kugel gefeit ist. Wohl mag man auf einen wahrhaft in der Gnade lebenden Menschen feuern, aber erschossen werden kann er nicht. Die Gnade verseht die Seele in Christum, und da ist sie so sicher wie die Biene in ihrem Korb, die Taube in der Arche. „So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind“ (Röm. 8, 1). Thomas Watson † 1660.


Es wäre nicht unnütz, darüber nachzudenken, wie die erhaltende Gnade sich an uns erweist, während wir im Schlafe ruhen. Wie wunderbar, dass das Blut fortwährend durch den Körper strömt, die Lungen aus- und einatmen usw., auch die geistigen Kräfte in Tätigkeit bleiben, während das Bild des Todes auf uns liegt. C. H. Spurgeon.

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