Psalm 2,1
Andachten
Die Wahrheit dieser Worte hat besonders das Osterfest bewährt. Da hast Du freilich, ewiger und mächtiger Gott, Deinen Sohn zum Könige in Deiner Kirche auf Deinem heiligen Berge Zion eingesetzt, dass Er ihr Haupt, Regent und Beschützer sein soll. Lass Ihn nun auch in mir seine köstliche Regierung aufrichten, dass Er regiere meine Gedanken, damit ich beständig mit Dir umgehe, an Dich denke, mich Deiner Liebe erfreue, wo ich aus- und eingehe, arbeite und bin, mir Deine heilige Gegenwart vorstelle; - dass Er meine Zunge und Lippen regiere, damit nichts Unreines vorgebracht werde, sondern ich sie auftue zu Deinem Lobe, zum Nutzen des Nächsten und meinem Beruf ein Genüge zu tun; - dass Er regiere mein Leben, meine Gänge, damit ich als ein Kind Gottes auf Dein Gebot und Deinen Willen sehe. O seliges Leben, wenn Jesus mein König ist! Unter Seiner Regierung ist mir wohl. Er bewahrt mich vor schweren Rückfällen, schenkt mir seinen heiligen Geist zum Führer und Tröster, der mich heilige, Welt und Sünde mir bitter mache. Andere Könige nehmen von ihren Untertanen Geschenke und Gaben, lassen sich Schoß und Zoll zahlen; aber mein Jesus schenkt mir herrliche, himmlische und ewige Gaben hier in der Zeit und unaussprechliche Güter in der Ewigkeit. Er kleidet mich mit seiner Gerechtigkeit, wäscht mich von Sünden mit seinem Blut, und bringt mich endlich zum völligen Genuss seines Königreichs. Indessen gibt Er mir Kraft, wider die Sünde zu streiten. Darum toben die Völker, mein Fleisch und Blut widerstrebt dieser Regierung, die Welt lacht darüber; allein ich befinde mich wohl dabei. Mein Jesu, sei und bleibe heute und allezeit mein König, Licht und Leben, ich entsage allen Dingen ab und übergebe mich Dir mit ganzem Herzen und Willen. Lösch’ alle Sünden aus in mir, mein Herz mit Lieb’ und glauben zier’, und was sonst ist von Tugend mehr, das pflanz’ in mir zu Deiner Ehr’! Amen. (Friedrich Arndt)
Schritt um Schritt wurde Gottes Werk sichtbarer. Zuerst gab es ein heiliges Volk, ein Volk, dessen Schöpfer und Beherrscher Gott war. Damals aber hatte das Volk noch kein Land. Dann gab es ein heiliges Land, ein Stück Erde, das dem heiligen Volk zur Heimat ward als von Gott ihm gegeben. Im Heiligen Land gab es aber noch keine heilige Stadt und kein heiliges Haus. Das entstand nun dadurch, dass das Volk ein Haupt bekommt, einen König, durch den die Einheit des Volkes ihren gesicherten Bestand erhält. Daher gibt es nun in der heiligen Stadt auch einen Tempel, der dem Volk Gottes Verbundenheit mit ihm sichtbar macht. Und nun tritt das Letzte in das Sehfeld Israels hinein, der kommende König, dem Gott über sein Volk die Herrschaft gibt, der Gesalbte, der in der Sendung Gottes regiert. Von David aus erhebt sich der Blick zu diesem letzten Ziel. Darum ist der Verheißene der Davidssohn. Damit aber wird gleichzeitig deutlich, dass daraus in der Völkerwelt Aufruhr entsteht. Nun wird Jerusalem zur umstrittenen Stadt. Denn sein König hat alle Machthaber der Menschheit gegen sich. Denn ihr Machtwille bäumt sich gegen den auf, der die Herrschaft aus Gottes Hand empfängt, und weigert sich, ihm zu dienen. Aber über dem kommenden König und seiner Stadt steht die Verheißung, die jede Furcht vertreibt: Du bist mein Sohn. Nun mag der Weltkampf toben; Gottes Stadt bleibt im Frieden. Das waren schaffende Worte, die das Kommende nicht nur beschreiben, sondern hervorbringen. Sie stehen über der Geschichte Jesu und seinem Gang ans Kreuz als ihn führendes Licht und behalten für jede Zeit eine nie endende Wirksamkeit, die sich auch in meinem Leben bewähren soll. Dieses Wort stellt mich in den Kampf, der an jeder Arbeit haftet, die um Gottes willen im Dienst Jesu geschieht, und nimmt jede Furcht von ihm weg, verschließt das Ohr für den Lärm der Welt und bereitet Ruhe über alle aus, die im Gehorsam gegen Jesus handeln.
Es gibt Hemmungen, die ich nicht wegheben kann, Türen, die verschlossen sind, Schatten, die nicht weichen. Aber über all dem, Herr Jesus, strahlt Deine Sohnschaft, Deine Dir vom Vater gegebene Königsmacht, durch die wir Dein eigen und zu Deinem Erbe gemacht sind. Behüte die Deinen, stütze die Strauchelnden, verbinde die Entzweiten, gib uns zur Bauarbeit an Gottes Stadt den klaren Blick, die arbeitssame Hand, den gehorsamen Willen. Amen. (Adolf Schlatter)
Auslegungen
1. Warum toben die Heiden, und die Leute reden so vergeblich? 2. Die Könige im Lande lehnen sich auf, und die Herren ratschlagen mit einander wider den HErrn und Seinen Gesalbten: 3. Lasst uns zerreißen ihre Bande, und von uns werfen ihre Seile. 4. Aber der im Himmel wohnt, lacht ihrer, und der HErr spottet ihrer. 5. Er wird einst mit ihnen reden in Seinem Zorn, und mit Seinem Grimm wird Er sie schrecken. 6. Aber Ich habe meinen König eingesetzt auf meinen heiligen Berg Zion. 7. Ich will von einer solchen Weise predigen, dass der HErr zu mir gesagt hat: Du bist mein Sohn, heute habe Ich Dich gezeugt; 8. Heische von mir, so will Ich Dir die Heiden zum Erbe geben, und der Welt Ende zum Eigentum: 9. Du sollst sie mit einem eisernen Zepter zerschlagen, wie Töpfe sollst Du sie zerschmeißen. 10. So lasst euch nun weisen, ihr Könige, und lasst euch züchtigen, ihr Richter auf Erden. 11. Dient dem HErrn mit Furcht, und freut euch mit Zittern. 12. Küsst den Sohn, dass Er nicht zürne, und ihr umkommt auf dem Weg; denn Sein Zorn wird bald anbrennen. Aber wohl Allen, die auf ihn trauen.
Der 2. Psalm führt 1) eine ernstliche Klage über das feindselige Wesen, womit Große und Kleine GOtt und Seinem lieben Sohn, unserem HErrn JEsu Christo begegnen, und Ihm mit Worten und Werken bezeugen, wie sie nicht wollen, dass Er über sie herrsche, vom 1. bis 3. Vers. 2) Gibt er eine vertraute Nachricht, was hingegen GOtt und Sein lieber Sohn tun und mit einander verabreden, vom 4-9. Vers. Wie viel unter der Menschen Tun gehört noch unter das „sie wissen nicht, was sie tun“. GOttes „Warum?“ will einen darauf bringen, dass seine Aufwiegler dahinter stecken. Wider den HErrn und Seinen Gesalbten geht das Toben und vergebliche Reden, und GOttes und Seines Gesalbten wird doch das Reich werden. 3) Er teilt noch einen guten Rat mit, wie man durch besseres Bezeugen gegen GOtt und Seinen lieben Sohn dem zukünftigen Zorn entfliehen soll, vom 10-12. Vers. Wenn du nun heut zu Tage unter Großen und Kleinen so viel Unlittigkeit gegen das Wort GOttes und die Bestrafungen desselben, so viel Ungehorsam gegen das Evangelium unsers HErrn JEsu Christi, so viele Erhebung gegen die redlichen Bekenner desselben antriffst, wie hast du es anzusehen? Als ein noch immer fortgehendes Toben der Heiden, vergebliches Reden der Leute, Auflehnen wider den HErrn und Seinen Gesalbten. Es ist unter denen, die den Christennamen angenommen haben, viel vom heidnischen Zorn sitzen geblieben, der nunmehr in ihren Nachkommen wirkt, und sorglich noch ärger kommen wird, Offenb. 6,16.17., bis des HErrn Zorn auf ihren Zorn stoßen wird. Die Welt hat schon lange Alles versucht, Macht und Verstand, Toben und Ratschlagen, Reden und Auflehnen wider den HErrn und Seiner Gesalbten gebraucht. Die großen Herren und die verkehrten Gelehrten mit ihrer Sprache sind darin einander ritterlich beigestanden. Aber, was ist zu tun? Diesen 2. Psalm fleißig gebetet, wie ihn die Apostel in ihren Umständen Apost. Gesch. 4,25. gebetet haben, und sodann, wie der Psalm selber, sich von der Leute vergeblichen Reden abgewendet und allermeist auf des HErrn und Seines Gesalbten unvergängliche Worte, als Fundamente Seines Reichs gemerkt! Was kann man denn aus denselben lernen? Dass das die Menschen gerade am verächtlichsten macht, durch was sie sich wollen groß machen: „Der im Himmel wohnt, lacht ihrer, und der HErr spottet ihrer;“ durch ihr Toben und verächtliches Reden wider Seine Wahrheit wollen sie sich großmachen; aber gerade das macht sie vor GOtt und Seinem himmlischen Heer lächerlich; dass sie eben das trifft, wessen sie sich immer erwehren wollten; nichts zu fürchten, darin suchten sie ihre Ehre: aber mit Seinem Grimm wird Er sie erschrecken, und das Warten des Gerichts und des Tages des HErrn wird schon schrecklich sein, Offenb. 15,16,17; - hingegen, dass es bei dem sein unabänderliches Verbleiben haben wird, was GOtt sich vorgenommen hat, und bei dem, was von Zion aus als das Evangelium oder Wort vom Reich ausgegangen ist, und alle Welt durchläuft, bis es in Zion seine Erfüllung und Offenbarung erreichen wird. Das Wort GOttes könnte uns von allen diesen großen Dingen nicht kräftiger überzeugen, als dass es uns zuweilen, wie in diesem 2. Psalm, die zwischen dem Vater und Sohn selbst festgesetzte Stiftungen und genommene Abreden eröffnet, wie jetzt im 7.8.9. Vers der liebe Sohn GOttes es selber ausspricht, wie Ihm Sein Vater das Reich beschieden habe, und so gut dieser liebe Sohn zu dem Willen Seines Vaters und dem Ihm darunter beschiedenen Leiden Ja sagt, so gut hat Er auch diesen Antrag wegen Seines Reiches und dessen Ausführung mit Seinem kindlichen Wohlgefallen und Glauben versiegelt. Warum wartet aber der HErr JEsus noch immer so, bis alle Seine Feinde zum Schemel Seiner Füße gelegt werden? GOtt will nicht, dass Jemand verloren werde, sondern dass sich Jedermann zur Buße bekehre. Der letzte Teil dieses Psalmen, V. 10. 11. und 12. und die Evangelische Bußpredigt darin soll noch Frucht schaffen auf Erden, dazu soll gern Jeder, wer kann, mit seinem Gebet auch für die Könige und für alle Obrigkeit auf Erden mitwirken. 1. Tim. 2.
Was kann ein redlicher Diener und Rat für ein kürzeres Gutachten seinem Herrn abstatten, als nach diesem Inhalt: Lasst euch weisen usw., man sehe, was Daniel getan hat Kap. 4,24. (Karl Heinrich Rieger)