Psalm 18,29
Andachten
Denn du wirst mein Licht anzünden.
Es mag sein, dass meine Seele in Finsternis sitzt; und wenn diese von geistlicher Art ist, so kann keine menschliche Macht mir Licht bringen. Gelobt sei Gott! Er kann meine Finsternis erleuchten und sogleich mein Licht anzünden. Selbst wenn ich von einer Finsternis, „die man greifen mag“, umgeben wäre, so kann Er das Dunkel durchbrechen und es sofort hell um mich her machen.
Das Gute ist, dass, wenn Er das Licht anzündet, niemand es ausblasen kann und dass es auch nicht aus Mangel an Nahrung erlöschen wird, noch im Verlauf der Stunden von selber ausgehen. Die Lichter, welche der Herr am Anfang anzündete, scheinen noch immer. Die Lampen des Herrn mögen Nachgießen von Öl nötig haben, aber Er tut sie niemals aus.
Lasst mich denn wie die Nachtigall im Dunkeln singen. Die Erwartung wird mir Melodie verleihen und die Hoffnung soll den Grundton geben. Bald werde ich mich an einem von Gott angezündeten Lichte erfreuen. Ich bin eben jetzt trübe und traurig. Vielleicht ist es das Wetter oder körperliche Schwachheit oder die Bestürzung, in die ein plötzliches Unglück mich versetzt; aber was immer die Finsternis verursacht hat, Gott allein ist es, der Licht bringen wird. Meine Augen sehen auf Ihn allein. Bald wird das Licht des Herrn mich erleuchten; und später, zu der von Ihm bestimmten Zeit, werde ich dort sein, wo sie keiner Leuchte und keines Sonnenlichtes bedürfen. Halleluja! (Charles Haddon Spurgeon)
Du erleuchtest meine Leuchte. Der Herr, mein Gott, macht meine Finsternis licht.
Die Leuchte eines Menschen ist derjenige Punkt seines Innern, welcher die Lichtstrahlen der göttlichen Wahrheit aufzunehmen vermag. Wir nennen ihn das Gewissen, oder nach Matth. 6, 22 das Auge des Menschen. Hier hinein sucht der Heilige Geist mit seiner Wahrheit zu dringen und lässt sich durch anfängliche Unaufmerksamkeit und Widerspruch nicht abhalten. Gelingt es ihm schließlich nicht, so wird freilich des Menschen Inneres einer Leuchte ohne Licht gleich und mit Finsternis erfüllt; vermag aber der Geist sie zu erleuchten, dann wird es helle. Der Mensch kann nun die Lüge von der Wahrheit unterscheiden und die Stimme Gottes hören, die ihn immer wieder straft, mahnt und zum Guten treibt. Das ist Gottes Tat, die durch kein Wissen, durch keinen Vorsatz und kein Tun ersetzt zu werden vermag.
Der Heiland sagt: „Wenn das Auge licht ist, so wird der ganze Leib licht.“ Die inwohnende Wahrheit kann nicht wirkungslos bleiben; sie durchdringt das Denken und das Fühlen, die Vorstellung und das Wollen, offenbart das feinste Gelüsten, legt die Worte auf die Waagschale der Liebe und der Wahrheit und lässt auch den ehebrecherischen Blick nicht ungestraft. Es ist aber nicht genug, dass das innere Licht einmal entzündet worden ist. Das Wort „du erleuchtest meine Leuchte“ weist hin auf ein fortgesetztes Zuströmen göttlicher Wahrheit, damit unser Herz einer immerdar brennenden Lampe gleiche. Wem das zu Teil wird, der hat viel mehr erhalten, als ein vom Lichte bloß Angeschienener, welcher nur bei Gelegenheit dem alten Menschen ein Sonntagsgewand anzieht und sich vom Sonnenstrahl der Gnade ein wenig erwärmen lässt. Ein Erleuchteter hat innerlich das Licht und es strömen von diesem Quellpunkt Kräfte der Wahrheit und der Liebe, der Keuschheit und der Gerechtigkeit durch seine Worte und seine Taten unter die Mitmenschen aus. Endlich wird er selbst „ein Licht in dem Herrn“ und dadurch für andere ein Wegweiser zum Leben hin; einem Schifflein gleich, das im Meeresleuchten die Wogen durchzieht, hinterlässt der Christ stets eine leuchtende Bahn. Wie die brennenden Fackeln des Nero den Heiden einen Beweis geben konnten von dem Glauben, der nicht erlischt, auch wenn das leibliche Leben vom Feuer verzehrt wird, so sind diejenigen, welche Licht in dem Herrn geworden sind, Leuchter in der Finsternis und imstande, Fernstehenden den Weg zur Wahrheit zu weisen. Meine Seele, prüfe dich: bist du vom Lichte nur angeschienen oder bist du erleuchtet, oder selbst ein Licht in dem Herrn geworden?
Herr Jesu, erleuchte die Leuchte unseres Herzens und mach unsere Finsternis zum Licht. Immer noch will Unwahrheit und trügerischer Schein deine Strahlen verdunkeln. Treibe sie weg und verkläre dich in uns zu deiner Ehre und zum Segen unsrer Mitmenschen! Amen. (Rudolf Wenger)