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Psalm 16,1

Psalm 16,1

Andachten

Kommst Du, Herr Jesu, dem schwachen Thomas entgegen: so eile auch zu meinem Trost und zur Hilfe herbei, wenn mein Glaube schwach und wankend wird, damit ich allezeit den 16. Psalm beten kann. Hast Du Thomä Verlangen erfüllt, weil es seiner Seele heilsam und notwendig war: ach, so gib mir auch die himmlischen Gaben in reichem Maß, Deinen heiligen Geist, ein frommes Herz, Abscheu vor allen Sünden, eine heilige, aufrichtige und beständige Liebe zu Dir, einen lebendigen, mein Herz und Leben heiligenden Glauben. Du weißt, dass ich ohne diese Gaben nicht in Deiner Gnade bleiben und auch nicht selig werden kann; darum lass Deine Liebe mich umfassen und erfreuen. Warst du willig, Deine Wunden dem Thomas nach Verlangen zu zeigen, so sollen auch dieselben mir in meinem ganzen Leben und zu allen Zeiten zu meiner Seele Erquickung dienen. Ich will daran gedenken in gesunden Tagen, und in Betrachtung derselben vor der Sünde fliehen, wie vor einer Schlange. Sollte ich Den mit Wissen noch betrüben wollen, der sich für mich hat blutig schlagen lassen? Ich will an Deine Wunden gedenken in meinen Angststunden, wenn das Sündenregister mich schreckt. Wenn mir der Satan die Seligkeit abspricht, so will ich im Glauben sprechen: diese Wunden sind auch für mich geschlagen, sein Blut ist das Lösegeld für alle meine Sünden. Mein Jesu, reiche mir auch Deine Wunden dar in der Stunde meines Todes, dass ich darein fliehe, mich Deiner Genugtuung tröste und um derselben willen Gnade erlange. Du wirst ja nicht zugeben, dass ich verwese, sondern mir kund tun den Weg zum Leben; vor Dir ist Freude die Fülle und liebliches Wesen zu Deiner Rechten ewiglich. Erschienest Du dem Thomas bald zum Troste und ließest ihn nicht länger als acht Tage in seinem Zweifel und in seiner Ungewissheit: ach, so verzeuch auch nicht, wenn ich mit Trübsal umgeben bin, wenn ich allerlei äußerliches oder innerliches Elend an meinem Leibe oder Gemüte trage. Indessen lass meinen Glauben nicht aufhören, stärke und erhalte mich in Deiner Gnade, und erfreue mich, wie Du Thomas erfreut hast. Amen. (Friedrich Arndt)


Bewahre mich, Gott! denn ich traue auf Dich.

Der Glaube und Gottes Hilfe hängen notwendig aneinander; der HErr Christus sagt es ja hier, und schließt selber also: Ich traue auf Dich; darum bewahre mich. Darum muss es ja wahr sein, dass Gott diejenigen erhalten muss, die auf Ihn trauen. Denn der Glaube vereinigt sich mit Gott, hängt an Ihm, umfängt Gott den HErrn mit ganzem Herzen, und ruht in Ihm, ja er zieht Gott mit sich in sein Elend herunter; so muss auch der liebe Gott einen solchen Elenden mit sich aus seiner Not herausreißen. Und dieses tut auch die große Treue Gottes: Treu und wahrhaftig ist Er. Derohalben kann Er es nicht lassen, wenn Ihm ein Mensch so getreu ist, dass sein ganzes Herz an Ihm allein hängt, alle Kreaturen ausgeschlossen, dass Er einen solchen Menschen nicht erretten und erhalten sollte. Daher kommen Seine wahrhaftige Verheißungen: Fürchte dich nicht; Ich bin mit dir; Weiche nicht; Ich bin dein Gott, Dem alles möglich ist; darum verzage nicht an Meiner Hilfe. Keiner wird zu Schanden, der Dein harrt.

Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf Ihn allezeit; der wird ihn wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut, der hat auf keinen Sand gebaut. (Johann Arnd)

Auslegungen

1. Ein goldenes Kleinod Davids. Bewahre mich, GOtt; denn ich traue auf dich. 2. Ich habe gesagt zu dem HErrn: Du bist ja der HErr, ich muss um deinetwillen leiden. 2. Für die Heiligen, so auf Erden sind, und für die Herrlichen, an denen habe ich alles mein Gefallen. 4. Aber Jene, die einem andern nacheilen, werden großes Herzeleid haben. Ich will ihres Trankopfers mit dem Blut nicht opfern, noch ihren Namen in meinem Mund führen. 5. Der HErr aber ist mein Gut und mein Teil; Du erhältst mein Erbteil. 6. Das Los ist mir gefallen aufs Liebliche, mir ist ein schön Erbteil geworden. 7. Ich lobe den HErrn, der mir geraten hat; auch züchtigen mich meine Nieren des Nachts. 8. Ich habe den HErrn allezeit vor Augen: denn er ist mir zur Rechten, darum werde ich wohl bleiben. 9. Darum freut sich mein Herz, und meine Ehre ist fröhlich, auch mein Fleisch wird sicher liegen. 10. Denn du wirst meine Seele nicht in der Hölle lassen, und nicht zugeben, dass dein Heiliger verwese. 11. Du tust mir kund den Weg zum Leben; vor dir ist Freude die Fülle, und liebliches Wesen zu deiner Rechten ewig.

1) Die hier zuerst vorkommende, und sich noch bei etlichen andern Psalmen befindende Überschrift: Ein goldenes Kleinod Davids. Wir mögen uns diese Überschrift billig erinnern lassen, auch diesen Teil des göttlichen Worts über Gold und über kein Gold hoch zu halten, da uns darin eine so wichtige Nachricht gegeben wird von dem Glauben, den der Sohn GOttes bei Seinem Hingang zum Vater so treulich gehalten hat. Bei Allem, was einem begegnet, ist das Merkwürdigste, wie man es ansieht, was man davon denkt, was man daraus macht, wie man sich darüber herauslässt. So geben uns diese Psalmen in das ganze Leidensgeschäft des HErrn JEsu das rechte Licht, da sie uns so nahe hinzuführen, dass wir die Unterhandlung des lieben Sohnes GOttes mit Seinem lieben himmlischen Vater über Sein Leiden und dessen Früchte hören können. Hier findet man den Glauben des lieben Sohnes GOttes in einer dreifachen ruhigen Aussicht, dabei er teils auf das Vergangene, und das durch den Rat Seines himmlischen Vaters auf immerhin Festgesetzte zurücksieht, teils das Gegenwärtige vor sich hat, und seine Übungen darinnen erzählt; teils getrost auf das Zukünftige hinaussieht, und unter Allem über Glauben, Liebe und Hoffnung hält. Der Geist Christi in David lässt sich also 2) über das, was in dem ewigen Rat GOttes von Seinem Leiden, und dessen Frucht beschlossen worden, gläubig heraus V. 1 6. 3) Beschreibt er mit Danken seine Fassung im Gegenwärtigen, V. 7. 8. 4) Er ist auch völlig in der Hoffnung auf alles Weitere, V. 9. 10. 11.

Mensch! denk hier an des Vaters Freuden,
Wie gegen uns Sein Herze brach,
So oft der Sohn von Seinen Leiden
Mit Ihm noch vor den Zeiten sprach,
Und wie daher Sein Mittleramt
Schon aus des Vaters Schoß herstammt.

Denke auch, welch große Dinge hernach auch in der heiligen Seele unsers liebsten Heilands während Seines Wandels auf Erden vorgegangen sind, in Absicht auf das Werk, das der Vater ihm zu tun gegeben hatte, und was es über Sein Leiden und Herrlichkeit für köstliche Abwechslungen gegeben hat, z. B. da Er das Osterfest im zwölften Jahr Seines Alters besucht, und in dem sein musste, was Seines Vaters war; da Er getauft war; da Er den Versucher in der Wüste überwand; da Er um des Vaters Haus geeifert; da Er sich über die den Unmündigen geschehene Offenbarung erfreute; da Er auf dem Berg verklärt worden; da Er Seinen Einzug zu Jerusalem gehalten; da Er gesprochen: jetzt ist meine Seele betrübt; da Er die letzte Osterlamms-Mahlzeit mit Seinen Jüngern gehalten; da Er Seine bedenkliche Worte am Kreuz ausgesprochen usw. Da ist dieser im Psalmen ausgedrückte Glaubenssinn auf unterschiedliche Weise geübt worden, und das Alles steht nun als ein ewiges Opfer vor GOtt, und ist noch frisch, gültig und kräftig, wie bei dem ersten Zugang zu GOtt. Noch jetzt wird unser schwacher Glaube gesegnet und gestärkt durch alle die Seufzer, die in dem Herzen JEsu bei Seinem Leiden aufgestiegen sind. Unser einfältiges Sehnen nimmt Er nun in Seine vollen Glaubensarme hinein, und führt uns durch, wohin Er nun Recht hat uns einzuführen. O! dass wir nur gläubiger hineinsähen, wo JEsus Sein ewig gültiges Opfer hingebracht hat, wo Seine Seufzer, Seine Leidens-Psalmen, samt Seinem Blut für uns Schwachgläubige reden, wo JEsus das Amt als mitleidiger Hoherpriester täglich unserthalben führt und fortsetzt, und nicht nachlassen wird, bis Er uns dahin gebracht hat, wo Freude die Fülle und liebliches Wesen zur Rechten GOttes ewig ist. Eja, wären wir da!

Wenn der HErr eine Seele, die aus der Hütte geht, in Seiner Hand hat und behält, so ist sie nicht der Hölle überlassen.

David sah die Verwesung, aber weil er die Hoffnung auf den Messias in sich hatte, der die Verwesung nicht sehen würde, so war der Anblick friedsam, und nicht peinlich; die Gebeine wurden bewahrt. (Karl Heinrich Rieger)

Predigten

Arndt, Johann - Erbauliche Psalter-Erklärung - Psalm 16.

Was der Prophet Jesajas (53,7) weissagt von dem heiligen und unschuldigen Leiden unseres HErrn Jesu Christi, da er spricht: Gott warf alle unsere Sünde auf ihn, und abermal: der HErr wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit, und was St. Petrus sagt (Ap. 6,2.23), Christus sei aus verordnetem Rat Gottes versehen worden zum Tod, eben davon weissagt auch dieser Psalm, der von dem Leiden Christi, von seiner sieghaften Auferstehung und deren herrlichen Früchten handelt.

V. 1. Bewahre mich Gott, denn ich traue auf dich. Hier betet der HErr Christus im Stande seiner Niedrigkeit: ach Gott, mein Vater, du weißt, dass ich nach deinem göttlichen Rat und Wohlgefallen bin Mensch geworden und mich meiner göttlichen Gewalt und Herrlichkeit entäußert habe; so erhalte mich doch in solchen schweren Leiden. Denn ich habe alle meine Hoffnung auf dich gesetzt und bin gewiss, du werdest mich auch erhalten.

So vereinigt sich der Glaube mit Gott, hängt an ihm und ruht in ihm, ja er zieht gleichsam Gott in sein Elend herunter, so dass Gott einen solchen Elenden aus seiner Not herausreißen muss. Und wenn ein Mensch Gott so treu ist, dass sein ganzes Herz allein an ihm hängt, so kann auch die große Treue Gottes nicht anders, sie muss einen solchen Menschen erhalten und erretten.

V. 2. Ich habe gesagt zu dem HErrn: du bist ja der HErr, ich muss um deinetwillen leiden. Lerne hier die große Liebe Gottes gegen das menschliche Geschlecht, dass Gott, der HErr, eher seinen eingebornen Sohn dahingeben wollte für dasselbe, als dass es sollte verloren werden. Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeigt, dass er uns seinen Sohn geschenkt hat zur Bezahlung unserer Sünde! Lerne aber auch die hohe Geduld und den großen Gehorsam Christi. Durch eines Menschen Ungehorsam sind wir alle Sünder geworden, darum mussten wir durch eines Menschen Gehorsam wieder gerecht werden. Und Christi Gehorsam war ein vollkommener, freiwilliger Gehorsam für fremde Sünde, ein Gehorsam bis zum Tod am Kreuz. Wie können wir dem Sohn Gottes genugsam danken für diesen seinen heiligen Gehorsam, dadurch Gott versöhnet ist?

Ach, wenn wir nur einen solch geduldigen Gehorsam, den Willen Gottes zu tun, wollten von unserem HErrn Jesu Christo lernen, so würde uns kein Kreuz zu schwer sein. Denn haben wir Gott lieb, so müssen wir seinen Willen tun und seinen Willen leiden in Kreuz und Elend, und darum wird durch unser Kreuz Gott am höchsten gepriesen und geehrt.

V. 3. Für die Heiligen, so auf Erden sind, und für die Herrlichen; an denen habe ich all mein Gefallen. D. i. ich nehme dieses schwere Leiden und mein Kreuz gerne auf mich; denn ich weiß, es wird ein sehr fruchtbares Leiden sein, dass die Gläubigen dadurch geheiligt und vor Gott herrlich werden. Und weil sie an mich glauben und mich lieb haben, auch mir ewig danken werden für mein Leiden und Tod, so werde ich all mein Gefallen an ihnen haben. Da sehen wir drei Früchte des Leidens Christi: die erste ist unsere Heiligung. Wie unheilig, unrein, ja verflucht wir von Natur sind, das bezeugt uns die Erbsünde; Christus aber hat uns wieder geheiligt mit seinem heiligen Blut und dadurch uns gereinigt von unseren Sünden. Die andere Frucht des Leidens Christi heißt Herrlichkeit. Wir sind von Natur in Schmach und Schande, so dass wir Kinder des Zorns und ein Gräuel sind vor Gott und allen heiligen Engeln. Aber nun sind wir durch Christum wieder zu Ehren gekommen, weil wir mit Gott ausgesöhnt sind; in Christo sind wir wieder herrlich gemacht, weil er nicht allein unsere Natur an sich genommen hat, sondern durch den Glauben ganz unser geworden ist, also dass seine Ehre unsere Ehre, seine Herrlichkeit unsere Herrlichkeit ist. Die dritte Frucht des Leidens Christi ist, dass er an allen Gläubigen, an denen sein Leiden und Sterben die Seligkeit gewirkt hat, sein herrliches Wohlgefallen haben wird. Das ist seine Freude, dass die Gläubigen seines unschuldigen Todes teilhaftig geworden sind. Nicht allein an den Heiligen, die im Himmel sind, hat Gott ein Wohlgefallen, sondern auch an den Heiligen, so auf Erden sind. Das ist unsere höchste Ehre im Himmel und auf Erden, dass Gott ein gnädiges Gefallen an uns hat in seinem lieben Sohne.

V. 4. Aber jene, die einem andern nacheilen, werden großes Herzeleid haben. Ich will ihres Trankopfer mit dem Blut nicht opfern, noch ihren Namen in meinem Munde führen, d. i. die einen andern Weg suchen, gerecht und selig zu werden außer mir, werden in ihrem Herzen nimmer keine Ruhe oder wahren Trost haben, werden sich viel Mühe und Arbeit aufladen, durch eigene Werke selig zu werden. Aber ich will ihr Opfer nicht, ob sie mir gleich noch so viel Geschlachtetes opfern; sie sind mir ein solcher Gräuel in ihrem Wesen, dass ich auch nicht einmal ihres Namens gedenken mag. Außer Christo ist keine Seligkeit zu finden, gleichwie es die höchste Torheit ist, etwas in einem Ding zu suchen, in dem nichts ist, in das Gott und die Natur nichts gelegt hat, also ist's auch die größte Blindheit, die Seligkeit in einem Menschen zu suchen oder in Menschenwerk, da doch der Mensch nichts ist denn Sünde, Tod und Verdammnis. Die Seligkeit muss man allein bei dem suchen, der wahrer Gott ist. Darum musste Gott Mensch werden, auf dass wir in Christo suchen und finden sollten unsere Gerechtigkeit, Leben und Seligkeit. Wir müssen aber weiter bedenken, dass es unmöglich ist, eine solche hohe teure Gabe, ein so großes, ewiges und unendliches Gut Gott abzuverdienen. Was wolltest du wohl geben für die Seligkeit, wenn sie dir Gott nicht aus Gnaden gäbe? Wenn du willst durch dein Verdienst selig werden, so musst du deine Werke höher achten denn Gottes Gnade und Werk und verwirfst das große Gnadengeschenk Gottes, nämlich Christum, in welchem dir Gott Gerechtigkeit, Leben und Seligkeit geschenkt hat; damit aber verlierst du den allerhöchsten Trost im Himmel und auf Erden, denn außer Christo ist keine Ruhe der Seelen, sondern eitel Herzeleid. Das größte Herzeleid ist, keinen gnädigen Gott zu haben, keinen Trost noch Ruhe der Seele zu empfinden. Dies Herzeleid kann nicht gestillt werden denn mit dem teuren Verdienst Christi. Lernt nun, ihr betrübten Seelen, in Christo eure Ruhe und euren Trost zu suchen in allerlei Kreuz und Not.

Ich will ihres Trankopfers mit dem Blut nicht opfern, denn ihre Opfer gefallen mir nicht. Warum denn? Darum, dass sie einem andern nacheilen und ihre Opfer nicht in wahrem Glauben verrichten. Aber Gott hat doch die Opfer selbst geboten, warum verwirft er sie denn hier? Darum, dass sie außer dem Glauben geschehen. Gott hat die Opfer freilich geboten, aber sie sollten im Glauben an den Messias gebracht werden. Weil nun die Juden ihre Opfer und Gottesdienste nur in das äußerliche Werk setzten und durch ihre eigenen Werke mit bloßen Opfern Gott versühnen wollten, der wahren Buße aber, des Glaubens, der Liebe und Barmherzigkeit vergaßen, so verwarf sie Gott mit all ihren Opfern und Tempel. Also ist es auch mit unserem Gottesdienst. Es ist wohl sehr gut und von Gott befohlen, zur Predigt zu kommen, das Sakrament zu gebrauchen, zu singen und zu beten; das sind die allerköstlichsten Opfer, wenn sie geschehen in wahrer Buße, im Glauben, in der Liebe, in der Hoffnung, in Demut und Gottesfurcht. Aber wenn keine wahre Buße, kein Glaube, Liebe und Demut dabei ist, so spricht Gott, der HErr: ich bin feind euren Opfern, eurem Kirchengehen; tut das Geplärr weg von meinen Augen, tut wahre Buße, übt Liebe und Barmherzigkeit; das gefällt mir, spricht der HErr. (Hos. 6,6. Mich. 6,8).

Ich will ihren Namen nicht in meinem Mund führen, sie nicht für die Meinen erkennen. Wer an Christum glaubt und durch den Glauben mit Christo vereinigt ist, Vergebung der Sünden hat und durch Christi Blut geheiligt und gerecht gemacht ist, dessen Namen ist im Himmel angeschrieben, im Himmel bekannt vor Gott und allen heiligen Engeln. Hast du einen kleinen geringen Namen vor der Welt, wird dein Name gelästert, verunehrt, geschändet, verflucht, so freue dich, dass dein Name im Himmel geschrieben ist. Hast du nicht große Gaben und Ansehen vor der Welt, freue dich, dass dein Name im Himmel geschrieben ist. Da sich die Jünger freuten der herrlichen Gaben, dass ihnen auch die Teufel untertänig wären im Namen Jesu, sprach der HErr; freut euch eurer Gaben nicht, denn große Gaben machen Niemanden selig oder besser vor Gott, sondern freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind. Wiederum kann es nun nicht anders sein, denn dass der Ungläubigen, der gottlosen, unbußfertigen Verächter Namen im Himmel nicht geschrieben sind, sondern ewig vergessen und vertilgt. Gott kennt sie nicht, Christus kennt sie nicht, denn sie sind außer Christo; der Zorn Gottes bleibt über ihnen, nicht mit Christo sind sie vereinigt, sondern mit dem Satan, mit dem sie ein Geist worden, weil sie ihm anhängen. Ach was hilfts nun, einen großen Namen auf Erden haben und im Himmel ewig vergessen sein und die schreckliche Stimme hören: ich kenne euch nicht, weicht alle von mir, ihr Übeltäter.

V. 5. Der HErr aber ist mein Gut und mein Teil, du erhältst mein Erbteil, d. i. mein rechtes Hauptgut und Erbe habe ich nicht auf Erden, sondern im Himmel, und ist der HErr, der allmächtige Gott selbst. Danach sind alle Gläubigen auf Erden mein Erbteil, welche Gott erhält. Dies zu erklären, gebraucht der heilige David ein schönes Gleichnis von täglicher Speise und Trank, da Gott täglich so viele tausend Menschen speist und ernährt und einem Jeden sein bescheidenes Teil gibt. So sollen wir denn nach dem höchsten und ewigen Gut vor allen Dingen trachten und dasselbe suchen und lieb haben, und das ist Gott selber. Dem sollen wir allein mit unserem Herzen, Glauben und Lieben anhangen; denn aller Welt Gut, Ehre und Herrlichkeit ist ein unbeständiges, flüchtiges und vergängliches Ding, und stürzt alle die, so mit ihrem Herzen daran hängen, ins Verderben und ewige Finsternis.

V. 6. Das Los ist mir gefallen aufs Liebliche, mir ist ein schön Erbteil worden. Gleichwie Gott den Kindern Israel das Land Canaan durchs Los austeilte und ihnen zum Erbe gab, und wie man durch eine Messschnur das Land abmisst und austeilt, so ist das Evangelium die Schnur, die ausgeht in alle Lande und die Rede des HErrn in aller Welt Ende, dadurch die Gläubigen durch Gottes Versöhnung das Erbteil Christi geworden sind.

Wer sind nun die Lieblichen? Es sind die Auserwählten. Die Gott segnet, die segnet er in Christo, nicht außer Christo; die des Glaubens Abrahams sind, werden mit dem gläubigen Abraham gesegnet. Des HErrn Christi Erbe ist das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums (1 Pet. 2,9). Und das ist aller gläubigen Christen großer Trost, dass sie des HErrn Christi Erbe und Eigentum sind, ihm von Gott geschenkt und gegeben zu dem Ende, dass er sie soll gerecht und selig machen, wie er selbst spricht: das ist der Wille meines Vaters, dass ich keinen verliere von allen denen, die er mir gegeben hat, sondern dass ich sie auferwecke am jüngsten Tage (Joh. 6,39).

V. 7. Ich lobe den HErrn, der mir geraten hat; auch züchtigen mich meine Nieren des Nachts, d. i. ich danke meinem himmlischen Vater, dass er mich nach seinem Rat allezeit leitet und führt, durch welchen göttlichen Rat und Willen ich Mensch geworden bin, nicht allein menschlichen Leib und Seele angenommen habe, sondern auch aller Menschen Elend, Leiden, Schmerzen und Angst, dadurch mich mein himmlischer Vater erinnert meines Berufes, welchen die innerlichen, nächtlichen, allerheimlichsten und verborgenen Schmerzen der Nieren bezeugen. Diese lehren mich, wie groß die Last und Strafe der Sünden sei, wie ernstlich die Gerechtigkeit Gottes sei, wie groß der Höllen Pein.

Dafür sollen wir unserem HErrn JEsu danken, dass er solche peinlichen Leibesschmerzen und Seelenangst für uns ausgestanden und noch dazu seinen himmlischen Vater gelobt und gedankt. Und weil er uns zu gute und Gott zu Ehren Gottes Willen vollbracht, unsere Sünde, Krankheit und Tod auf sich genommen, sollen wir wieder ihm zu Ehren und Gehorsam sein Kreuz auf uns nehmen, uns dem gnädigen Willen Gottes ergeben und uns fest am Kreuz Christi halten, so wird er uns mit sich führen und aus Schmach und Tod herausreißen, dass wir mit ihm durch Leiden und Kreuz zu seiner Herrlichkeit eingehen.

V. 8. Ich habe den HErrn allezeit vor Augen; denn er ist mir zur Rechten, darum werde ich wohl bleiben. Den HErrn allezeit vor Augen haben, heißt seine Hoffnung und Zuversicht allein auf Gott setzen. Das aber ist des rechten Glaubens Art, dass er immer auf Gott sieht und gewiss hofft, Gott werde ihn nicht lassen zu Schanden werden in Ewigkeit, wie der HErr hier betet: darum werde ich wohl bleiben. So ist denn der Glaube die höchste und edelste Gabe Gottes des Heiligen Geistes, dadurch wir zeitlicher und ewiger Hilfe teilhaftig werden, dadurch wir allein Friede, Freude und Trost aus Gott erlangen, dadurch Gott bei uns und in uns wohnt, sich mit uns vereiniget, dadurch wir die ewige Seligkeit in Christo ergreifen.

V. 9. Darum freut sich mein Herz, und meine Ehre ist fröhlich, auch mein Fleisch wird sicher liegen. Das ist die schöne Weissagung von der Auferstehung Jesu Christi, welche Petrus und Paulus zum Zeugnis und zur Bekräftigung ihrer Predigt anführen. Und hier haben wir zu lernen, dass die Auferstehung Christi sowohl als unsere Auferstehung unsere allergrößte Freude und Ehre ist, wie der Tod unsere größte Traurigkeit und Schmach. Den Tod müssen wir leiden, auf dass wir diesen alten sündlichen Leib ablegen und mit einem neuen, reinen Leib angetan werden, der ähnlich sei dem verklärten Leib Jesu Christi. In dieser Hoffnung der Auferstehung wird mein Fleisch sicher liegen. Das ist die selige, stille, friedsame Ruhe, welche keine Qual des Todes anrührt und welche uns zu Teil wird, wenn wir in Christo abgeschieden sind. Ach, welch eine sanfte selige Ruhe muss das sein, in gewisser, ungezweifelter Hoffnung der fröhlichen Auferstehung mit verklärtem Leib zum ewigen Leben! Darum heißt sie eine sichere Ruhe, weil Sünde, Tod, Teufel, Hölle und Welt eine solche Seele nicht mehr betrüben können. Die richtig vor sich gewandelt haben, kommen zum Frieden und ruhen in ihren Kammern (Jes. 57,2).

V. 10. Denn du wirst meine Seele nicht in der Hölle lassen und nicht zugeben, dass dein Heiliger verwese. Hier ist angedeutet, dass der HErr Christus in seiner fröhlichen siegreichen Auferstehung zur Hölle gestiegen und alle höllische Macht zerstört und überwunden und uns davon erlöst hat nach dem Worte: Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg? (1 Kor. 15,54 f); wie auch Paulus spricht (Eph. 4,9): dass er aber aufgefahren ist, was ist es denn, dass er zuvor hinuntergefahren in die untersten Örter der Erde.

Der hinuntergefahren ist, der ist derselbige, der auch aufgefahren ist über alle Himmel, auf dass er alles erfüllte. Dass aber der Leib Christi nicht hat können verwesen, hat seinen Grund besonders darin, dass er den Tod überwunden, und dasselbige nicht allein für sich selbst, sondern auch für uns. Und weil es nun für uns geschehen, so folgt unwidersprechlich daraus, dass auch uns der Tod nicht behalten kann, weder der zeitliche, noch der ewige, denn demselben ist die Macht durch Christum genommen und ein ewiges, unvergängliches Wesen an's Licht gebracht (2. Tim. 1,10).

V. 11. Du tust mir kund den Weg zum Leben; vor dir ist Freude die Fülle und liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich. Gleichwie der Weg des Todes die Sünde ist, so ist der Weg des Lebens die Wegnahme der Sünde und die Wiederbringung der Gerechtigkeit. Diesen Weg hat kein bloßer Mensch kund tun, öffnen können außer der, welcher Gott und Mensch ist, der Sünde und Tod wegnehmen konnte, der Durchbrecher, wie Micha sagt (2,13). Mit den Worten: vor dir ist Freude die Fülle, wird das ewige Leben beschrieben. Gleichwie der HErr JEsus in seinem Leiden erfüllt gewesen ist mit Traurigkeit, Angst, Zittern und Zagen, so ist er nun erfüllt mit Freude vor dem Angesicht Gottes im ewigen Leben und Reich der Herrlichkeit; und gleichwie wir des Leidens Christi viel haben, so werden wir auch reichlich getröstet werden durch Christum (2. Kor. 1,15). Das liebliche Wesen aber ist in der Offenbarung Johannis vorgebildet durch das schöne neue Jerusalem, die schöne Stadt Gottes, die Gottes Herrlichkeit erleuchtet; und die Rechte Gottes ist seine Majestät, Herrlichkeit, Macht und Gewalt, zu welcher unser HErr JEsus Christus erhöht ist. Diese Erhöhung ist seine größte Freude und Ehre. Und wenn wir diese Majestät und Herrlichkeit Gottes sehen werden, so werden wir auch dieses lieblichen Wesens zur Rechten Gottes teilhaftig werden. Und das ist unser höchster, kräftigster Trost. Vater, ich will, spricht der HErr, dass wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, auf dass sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast (Joh. 17,24). Amen.

Gebet

O lieber HErr JEsu Christe, wir danken dir, dass du alle Not und Schmerzen, all unsere Krankheit und Sünde auf dich geladen hast, dafür genug getan und bezahlt und uns ewige Ruhe erworben hast. Gib uns, HErr, deinen Geist und Gnade, dass wir dein Leiden selig und fruchtbar betrachten, die Ursache, Nutzen und Kraft deines Leidens christlich erkennen und uns im Wort durch den Glauben mit deinem Blut besprengen, welches uns allein gerecht und selig macht.

Behüte uns, treuer Immanuel, vor allen andern Wassern, damit die Welt die Sünde will tilgen und auslöschen. Hilf auch, dass wir dein Grab für unserer Sünden Kerker erkennen und uns vor dem zeitlichen Tod und irdischen Grab nicht fürchten, und in deiner Erkenntnis gern und willig in unserem Ruhekämmerlein schlafen gehen, nachdem du mit deinem heiligen Leib alle unsere Gräber geweiht und geheiligt hast, hochgelobet in alle Ewigkeit. Amen.

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