Psalm 146,10
Andachten
„Der HErr ist König ewig, dein Gott, Zion, für und für. Halleluja.“
Der HErr hat ein Königtum geschaffen in Israel, sofern Seine Rechte und Gebote da zum Landesgesetz erhoben wurden, Sein Wille da, wie der eines Königs, galt, Er auch da gleichsam eine Residenz hatte, von welcher aus Er sich persönlich auf allerlei Art bezeigte. Hier war Er also HErr und König. Bevor das war, stand Er überall, so zu sagen, neben draußen, hatte Er kein Erbteil auf der ganzen Welt, weil Sein Gesetz nirgends galt, die Herzen nirgends Ihm untertan waren. Gott war wie ausgetan und durfte nirgends das Regiment führen. Die Menschen wollten zwar Regen und Sonnenschein und alles Gute von Ihm haben, das Er ihnen wie ihr Knecht geben musste und gab; sie aber waren die Herren ohne Ihn, und Er galt ihnen nichts. Im Laufe der Zeit aber gelang es dem HErrn, ein Erbteil zu bekommen, im Geschlecht Abrahams. Da legte Er sich den Grund zu einem Königreiche im Lande Kanaan, dem gelobten Lande, welches deswegen das Erbteil Gottes hieß. Er konnte dasselbe aber nur durch Austreibung der bisherigen Bevölkerung sich sichern, welche letztere durch ihre ungeheuren Gräuel zum Gericht sich reif gemacht hatte. So wurde Kanaan, das kleine Land, der erste Königssitz unseres Gottes; und Zion ist gleichsam die Burg, auf der Er wohnte, und von welcher herab Er sich zeigte.
Der HErr soll König sein ewig und Zions Gott für und für, sagt David, womit prophetisch gesagt ist, dass Gott festen Fuß in Israel auf Weiteres gefasst habe, und der Feind Ihn nicht mehr verdrängen könne. Zugleich huldigt damit David seinem Könige für sich und seine Nachkommen. Solches konnte er, weil der HErr doch immer, so verderbt auch mitunter das Volk am Ganzen war, Seelen genug unter dem Volke hatte, die Ihm treu blieben, wie Er selbst in der gräulichsten Zeit des Königs Ahab zu Elias sagte (1 Kön. 19, 18): „Ich will lassen überbleiben 7000 in Israel, die sich nicht gebeugt haben vor Baal.“ Auch redet David aus der Verheißung heraus, die ihm geworden war, dass aus seinen Lenden der kommen werde, der im Namen des HErrn die volle Herrschaft begründen und über alle Welt ausdehnen würde. So ist also der HErr König ewig, wenn auch zunächst nur in einem kleinen Ländchen, doch unvertreibbar. Begreiflich hat, wer Ihn zum König hat, zugleich den ganzen Gott bei sich. Daher, dass auch Gotteswerke viele geschahen, große Wunderwerke, die durchs Ganze hindurchliefen, welche noch größer gewesen wären, noch umfangreicher und herrlicher, wenn das Volk im Ganzen besser eingeschlagen hätte, und der Charakter der Untertanen dem Willen des Königs mehr entsprochen hätte. Aber die Zahl der Gerechten und Heiligen blieb verhältnismäßig stets nur eine geringe.
Mit Christo aber, dem großen Davidssohne, sollte das Königreich der Himmel, eröffnet, oder das bisherige kleine Königreich zu einem Reich über die ganze Welt, im Himmel und auf Erden, erweitert werden; und Christus, der zur Rechten Gottes erhöhte Menschensohn, gilt jetzt als der Regent, als der König aller Könige und der HErr aller Herren, der dem Vater die Herzen erobert durch die ganze Welt, bis alle Seine Feinde zum Schemel Seiner Füße gelegt sind, und alle Zungen bekennen, dass „JEsus Christus der HErr sei, zur Ehre Gottes des Vaters,“ oder bis es auf das hinausläuft, dass Gott wird sein Alles in Allen.“ Da wird das rechte Halleluja aus Aller Mund erschallen, mit welchem David unseren Spruch schließt.
Vorerst aber ist es unsre Schuldigkeit, rechte Untertanen des HErrn, unseres großen Königs, zu sein, und dafür Sorge zu tragen, dass unsre Herzen und Häuser Sein Eigentum und Erbteil in vollem Sinne werden. Huldigen wir Ihm, und lassen wir uns durch nichts verlocken, Ihm untreu zu sein, und dem anzuhangen, wodurch der noch sich geltend machende Fürst dieser Welt, obwohl er weiß, dass er wenig Zeit, in das Netz seines Verderbens uns verstricken will.(Christoph Blumhardt)