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Psalm 145,14

Psalm 145,14

Andachten

Der HErr erhält Alle, die da fallen, und richtet auf Alle, die niedergeschlagen sind.
Es wird in diesem Spruch die große Barmherzigkeit und Treue gerühmt, welche der HErr als König gegen Fallende und Niedergedrückte beweist; denn unmittelbar vor diesen Worten sagt David zu Ihm: Dein Reich ist ein ewiges Reich, und Deine Herrschaft währt für und für. Gott hat Untertanen in Seinem Reich, die fallen, und solche erhält oder unterstützt Er, Er sieht niedergeschlagene oder gebückte Untertanen, und diese richtet Er auf. Von den Gottlosen wird oft gesagt, dass sie fallen. Die Bösen, sagt David Ps. 27,2., müssen anlaufen und fallen, und Ps. 36,13.: lass sie, die Übeltäter, daselbst fallen. Israel und Ephraim sollen fallen um ihrer Missetat willen; auch soll Juda samt ihnen fallen, Hos. 5,5. Hingegen sagt der Messias Ps. 118,13.: man stößt mich, dass Ich fallen solle, aber der HErr hilft Mir; und David Ps. 125,1.: die auf den HErrn hoffen, werden nicht fallen; Ps. 145,14.: der HErr unterstützt in Seinem Reich Alle, die da fallen. Fallen heißt also nicht eine Missetat begehen, denn man fällt um der Missetat willen, die man begangen hat. Fallen heißt auch nicht ins Leiden hineingeraten, denn wer hat mehr gelitten als der Messias, dem doch der HErr geholfen hat, dass Er nie fiel? Und wer ist, der nicht bei dem Vertrauen auf Gott Vieles zu leiden hätte? Was ist also dieses Fallen? Derjenige fällt, der sich durch seine Torheit und Missetat eine Schmach oder ein Unglück zuziehet, folglich, wenn er leidet, denken muss: das habe ich mir selber durch mein Versehen zugezogen. So fiel Christus nie, und die auf den HErrn hoffen, fallen nicht, gleichwie Johannes sagt: sie sündigen nicht, und ziehen sich also kein Unglück durch ihre Sünden zu. Gleichwie aber Johannes ebenfalls sagt: ob Jemand sündiget, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater; und: so unser Herz verdammt, so ist Gott größer denn unser Herz usw., also sagt auch David: ob Jemand von den Reichsgenossen des HErrn fällt: so erhält und unterstütz ihn der HErr, und lässt ihn nicht ins Verderben geraten. Man bedenke, in was für ein Gedränge Abraham geraten, da er von seinem Weib die Unwahrheit gesagt, und was für Leiden sich David durch seine Flucht zu den Philistern zugezogen; der HErr vergab ihnen aber, und half ihnen wieder. Und so fällt der Gerechte siebenmal, und steht wieder auf, weil er doch ein Gerechter bleibt, und nicht aus dem Reich Gottes hinaus fällt; aber die Gottlosen versinken im Unglück, das sie sich selber zugezogen haben, Spr. 24,16. Der Gottlose wird fallen durch sein gottloses Wesen, Spr. 11,5. Er wird fallen, wenn er sich durch seine Gottlosigkeit ein zeitliches Unglück zubereitet, er wird aber auch am Ende seines Lebens in die Hände des lebendigen Gottes fallen. Wie gut ist es hingegen, ein Reichsgenosse Gottes zu sein! Er unterstützt diejenigen, die da fallen, ob sie schon nicht ohne Schuld sind, und richtet auf, die niedergeschlagen sind, oder gebückt einhergehen. Er richtet sie durch Seinen Trost und Seine Hilfe auf. Gelobt sei Gott, der ewige König, der alle Fallenden in Seinem Reich erhält, und alle Niedergeschlagenen aufrichtet! (Magnus Friedrich Roos)


Der Herr erhält alle, die da fallen, und richtet auf alle, die da niedergeschlagen sind.
Der Psalm schildert die Herrlichkeiten des Reiches Gottes, die sich als ein befruchtender Strom über alle Lande ergießen. Gottes Herz gleicht dem wallenden Meere, seine Wellen heißen Güte, Erbarmen und Treue. Keine Grenzen sind ihm gesteckt, dafür bürgt das vierzehnmal vorkommende Wort „Alle“. Die ganze Kreatur ist von Gottes Güte abhängig und aller Augen warten auf ihn, dass er ihnen Speise gebe zu seiner Zeit. Die Barmherzigkeit aber tut sich kund an der Menschenwelt und besonders an denen, die gefallen sind.

Seit Adams erster Sünde geht ein Fallen durch alle Zeiten. Damit es aber nicht eine bleibende Trennung werde, hält Gott die da fallen und übt große Geduld und Langmut an ihnen. Damit aber niemand dies zum Ruhekissen eines Todesschlafes mache, müssen die letzten Verse des Psalms beachtet werden, welche von einer gerechten und heiligen Liebe reden, die nur denen hilft, die nach Gott schreien, diejenigen aber verwirft, die sich nicht wollen helfen lassen. Damit der Gefallene nicht liegen bleibe, wirkt Gottes Geist in ihm. Er überführt ihn seiner Sünde, zeigt ihm seinen Undank, mahnt ihn zur Buße und wirkt eine göttliche Traurigkeit, die zum Leben führt. Nun kann der Niedergeschlagene ausgerichtet werden. Damit solches gleichsam in einem Bilde jedermann zur Stärkung des Glaubens vor die Augen gemalt werde, steht im Alten Testament die ergreifende Geschichte des königlichen Sängers, der in Ehebruch und Mord gefallen ist, und im neuen diejenige von dem Felsenmann Petrus, der sich verfluchte: „Ich kenne den Menschen nicht.“ Beide wären in ihrem Elend untergegangen, hätte sie Gottes Geist nicht ausgerichtet; sie wurden aber wieder angenommen und sind zum Segen für die weitesten Kreise geworden.

Wenn ein Christ nach einem Falle niedergeschlagen ist, so kann er dieselbe Freundlichkeit, wie sie, erfahren. Leicht ist diese Arbeit Gottes nicht, denn wenn der Feind vor dem Fall gesagt hat: die Sache ist klein, sie schadet nichts! so spricht er nachher: sie war zu groß, es ist keine Gnade mehr! Trotzdem vermag aber Gott die Niedergeschlagenen auszurichten, und es gehört zu den Wundern der Liebe, dass er den glimmenden Docht nicht auslöscht und das zerstoßene Rohr nicht zerbricht. Aber ein vom Geiste Gottes Niedergeschlagener muss sich ihm in die Kur geben und der Stellvertretung Christi am Kreuz mehr trauen, als seiner eigenen Buße. Diese wäre nie genügend, um allein die Sündenwunden zu heilen. Angefochtenes, gebeugtes Herz, lies unser Bibelwort noch einmal und mehrmals und glaube deinem Gott, dass er es auch für dich wahr werden lässt!

Du Gott alles Trostes, der du nahe bist denen, die eines zerschlagenen und gedemütigten Herzens sind, erbarme dich ihrer, dass sie aus ihrem Fall aufgerichtet und zu neuer Wachsamkeit gestärkt werden. Lass ihre Wiederannahme zur Verherrlichung deiner Gnade dienen! Amen. (Rudolf Wenger)

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