Psalm 138,7
Andachten
„Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquickst Du mich.“
Die Angehörigen des HErrn - im Alten Testament die Gerechten genannt, im Neuen Testament die Heiligen und Auserwählten -, die müssen nun einmal durch viel Angst oder Trübsal hindurch. Auch am letzten Abend sagt der HErr noch zu Seinen Jüngern: „In der Welt habt ihr Angst“ (Joh. 16, 33); und nirgends ist uns verheißen, dass wir der Angst, d. h. der Trübsal in dieser Welt, ganz enthoben werden würden. Es ist zwar verheißen, dass Gott helfen, dass Er auch je und je die Angst wegnehmen werde; aber sie kommt immer wieder. Und ist sie da, so muss. man sie auswarten, denn sie bleibt oft längere Zeit. Und wie gesagt: Wie man wünscht und will, kann man die Trübsal nicht wegschaffen.
So redet auch David in unserm Spruch von einer Erquickung des HErrn mitten in der Angst; aber das Wandeln in der Angst, unter Trübsalen, geht doch fort. Wahr bleibt es denn doch, und es ist oft in der Schrift zugesichert, dass unter der Angst der HErr erquicke. So ist's hier gesagt. Und so setzt auch der HErr zu den Worten: „In der Welt habt ihr Angst“ das weitere hinzu: „aber seid getrost, Ich habe die Welt überwunden.“ Die Angst oder Trübsal bleibt, aber die Erquickung ist auch da.
Möchten wir nun auch lernen, mit der Erquickung zufrieden zu sein, auch wenn die Trübsal bleibt! Diese wird doch gemindert und lässt sich leichter tragen, wenn man die Erquickung geschmeckt hat. Lernen wir auch daraus, dass wir mit unsren Bitten vor Gott bescheiden bleiben müssen! Wir dürfen nicht zu arg tun, wenn unsre Not je und je länger verbleibt - als ob uns Gott dann verlassen hätte oder nichts nach uns fragen würde! Wenn wir's so machen, so verlieren wir zu allem hin noch die Erquickung. Denn ein verzagtes und zweifelndes Herz kann vom HErrn nicht erquickt werden, steht gar nicht in der Fassung, um nur auch eine Erquickung anzunehmen. Dann wird's erst wirklich schwer, und dann bringt's minder treue Leute zuletzt in Verzweiflung oder sonst in allerlei Torheit. Merken wir daher doch auf die Erquickung, die Gott den Seinen unter der Angst gibt! Sie ist oft so groß, dass wenigstens die Herzensangst weicht - wenn auch nicht die Trübsal, die Ursache der Angst. Endlich geht auch diese vorüber; denn jeder Trübsal ist ein sicheres Ziel gesetzt.
Immerhin wollen wir uns auf die Zeit freuen, da kein Leid noch Geschrei noch Schmerzen mehr sein wird! Wie wohl wird's uns dann sein, wenn wir hier schon so freundliche Erquickungen erfahren! (Christoph Blumhardt)
Wenn ich mitten im Leide wandle, so willst Du mich wieder lebendig machen: Du wirst Deine Hand ausstrecken über den Zorn meiner Feinde und Deine Rechte wird mich erretten.
Elendes Wandeln mitten im Leide. Nein, gesegnetes Wandeln, weil eine besondere Verheißung dafür da ist. Gebt mir eine Verheißung, und was ist das Leid? Was lehrt mein Herr mich hier sprechen? Nun, dies: „Du willst mich wieder lebendig machen“. Ich werde mehr Leben, mehr Kraft, mehr Glauben haben. Ist es nicht oft so, dass das Leid uns wieder belebt wie ein Hauch kalter Luft, wenn wir einer Ohnmacht nahe sind?
Wie zornig sind meine Feinde und besonders der Erzfeind! Soll ich meine Hand ausstrecken und gegen meine Feinde kämpfen? Nein, meine Hand ist besser beschäftigt im Dienst meines Herrn. Außerdem ist keine Notwendigkeit dafür da, denn mein Gott will seinen weitreichenden Arm gebrauchen und wird mit ihnen weit besser fertig werden, als ich es könnte, wenn ich es auch versuchte. „Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr.“ Er will mich mit seiner eignen rechten Hand der Macht und der Weisheit mich erretten, und was kann ich mehr wünschen?
Komm, mein Herz, rede über diese Verheißung mit dir selber, bis du sie als das Lied deiner Zuversicht, den Trost deiner Einsamkeit gebrauchen kannst! Bete, dass du selbst wieder lebendig werdest, und überlass das andre dem Herrn, der alles für dich vollbringt. (Charles Haddon Spurgeon)
Wenn ich mitten in der Angst wandle; so erquickst Du mich, und streckst Deine Hand über den Zorn meiner Feinde, und hilfst mir mit Deiner Rechten.
Hier lernen wir, dass unser Leben ist mit vielen Feinden umgeben. Es ist gleich wie ein unsicherer Weg, umgeben mit Räubern und Mördern, da man mit Angst und Furcht muss hindurch gehen, dass man oft vor Herzeleid und Traurigkeit sterben möchte, also, dass man lebendig tot ist; da zürnt jedermann oft mit den Frommen, sonderlich die Feinde und Verfolger der Kirche, die haben einen mächtigen Zorn, als Wölfe, Löwen und Bären, die die Schäflein Christi wollen zerreißen, da ist oft Angst Leibes und der Seele. Da kommt dann Gott und erquickt uns, macht uns lebendig und errettet uns, und der HErr Christus tut nicht. mehr, denn dass Er Seine rechte Hand ausstreckt über den Zorn der Feinde, so hält Er ihren Zorn auf und wendet ihn ab. Haben demnach alle die geängsteten und bedrängten Seelen ihren Trost, dass die rechte Hand des HErrn ihnen hilft. Gott steuert den Feinden, dass sie ihren grimmigen Zorn gleichwohl nicht mögen an uns vollbringen. Was können alle Feinde wider die rechte Hand des HErrn? Darum erfährt man es oft in großen Nöten, dass eine wunderliche Hilfe von Gott kommt, da kein Mensch daran gedacht hätte. (Johann Arnd)
„Wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquickst Du mich.“
Barmherziger Herr, der Du mir erlaubt hast, dass ich mich dem Gnadenthrone nahen darf, mache Du heute mein Herz helle, damit ich in die Pflichten, Unruhen und Kämpfe dieses neuen Tages mit einem stillen, gelassenen Sinn eintreten kann, weil Dein Frieden mit mir ist.
Ich danke Dir, dass ich immer aufs neue von Barmherzigkeit zu rühmen habe, neben Deiner Gerechtigkeit. Verdient habe ich ja eitel Zorn, aber Du milderst ihn mit erbarmender Liebe. O möchten nur Deine Wege mit mir ihren Zweck erreichen, nämlich mich zu der einzigen wahren Rube meiner Seele, zum Herzen meines Gottes, hinzutreiben!
Wie oft sendest Du Deinen Kindern Trübsal, damit sie Deine gnädige Hand deutlicher sehen können wie oft, wenn wir unter schwerem Druck liegen, erfahren wir das Nahesein des großen Bundesengels, und die Fülle Seiner kräftigen Gnade und Erbarmung! Herr, mein flehentliches Bitten geht dahin, dass Du mir in jedweder Trübsal meinen Jesus immer köstlicher und teurer machen wollest. Wenn eine Stütze nach der andern bricht, an die ich mich auf Erden gelehnt habe, dann lass mich lernen, mich ganz und allein an Ihn zu halten, und mich einzig auf Ihn zu verlassen Ihn zu erfassen, der mir der Freund ist, der da fester beisteht als ein Bruder Seinem treuen Herzen alle meine Not auszuschütten, aus Seinem unerschöpflichen Reichtum mir Trost reichen zu lassen, und in Seinen starken Armen vertrauensvoll zu ruhen.
O getreuer Heiland! was sind meine Schmerzen gegen die Deinigen! was sind meine Tränen und mein bitterstes Herzweh im Vergleich zu dem, was Du so mild und willig für mich erduldet hast! Lass mich doch den Trost der Gemeinschaft Deiner Leiden erfahren, dass er mich stärke, geduldig alles zu ertragen, was Du mir auferlegst. Verleihe mir die Gnade, niemals zu vergessen, dass mein schwerstes Leiden meine Sünde ist, und dass das Kreuz, was mich am meisten drückt, mein böses, Dir abgewendetes Herz ist. Gedenke ich an jene glückselige Zeit, wo Gott alle Tränen von allen Augen abwischen wird, so möge der Grund meiner unaussprechlichen Freude das sein: dass es dann keine Sünde mehr geben wird, die Veranlassung zu Tränen gibt.
Lass mich demütig zu meines Jesu Füßen liegen, mich auf nichts anderes verlassen, als nur auf Ihn, und Ihm danken für Seine Erlösung, für Seine uns zugerechnete Gerechtigkeit, für Seine alles vermögende Fürbitte. Ich gedenke der Menge der Erlösten vor Seinem Thron, die Niemand zählen kann, und weiß, dass Sein Wille und Seine Macht, „selig zu machen noch immerdar“, unveränderlich dieselbe bleibt.
Gieße heute auch, o Herr, Deinen reichen Segen auf alle meine Lieben möchten sie Alle auch die Deinigen sein! Und ob auch auf Erden von einander getrennt, so lass uns doch den Trost haben, dass wir Alle auf demselben Wege, gen Jerusalem hin, pilgern, und dass am Ende unsrer Wallfahrt die Bande unsrer Liebe vor Deinem Angesicht für alle Ewigkeit befestigt und gekräftigt werden sollen.
Und die Gnade unsers Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes des Vaters, und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns Allen. Amen. (John Ross MacDuff)