Psalm 118,8
Ps. 118,8: „Es ist gut, auf den Herrn vertrauen, und sich nicht verlassen auf Menschen.“
Andachten
Du verlässt sich alle Tage auf schwache Freunde, auf unbekannte Menschen, auf untreue Diener und du scheust dich, auf Gott zu vertrauen. Die Unterschrift eines Beamten beruhigt dich über deine Habe und das ewige Evangelium vermag dich nicht zu beruhigen? Die Welt macht dir Versprechungen, und du glaubst ihr, Gott schwört dir und du willst ihm kaum Glauben schenken. Welche Schmach für Ihn! welches Unglück für dich! Versetzen wir alles zurück in die gehörige Ordnung! Tun wir mit innerer Ruhe, was von uns abhängt. Seien wir unbedingt gefasst auf alles, was von Gott kommt. Unterdrücken wir alles Ungestüm der Leidenschaft, alle Unruhe, die sich verbirgt hinter dem Namen Verstand oder Eifer. Wer so handelt, macht Wohnung in Gott und wird unbeweglich wie der Berg Zion.
Das Vertrauen, selig zu werden, muss noch höher und sicherer sein. Phil 4,13. „Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht.“ Als ich glaubte, alles zu vermögen, vermochte ich nichts; und jetzt, da es mir scheint, dass ich nichts vermag, fange ich an, alles zu vermögen. Glückliches Unvermögen, das mich in dir, mein Gott, Alles finden lässt, was mir in mir selbst mangelte! Ich rühme mich der Schwachheit und der Trübsal meines Lebens, da sie mich über die ganze Welt und über mich selbst enttäuschen. Ich muss mich glücklich schätzen, von einer so barmherzigen Hand vernichtet zu werden, da ich gerade durch diese Vernichtung werde überkleidet werden mit Deiner Kraft, geborgen sein werde unter Deinen Flügeln und umgeben von jenem besonderen Schutze, den du ausbreitest über deine Kinder, die demütig von niemand etwas erwarten, als von Dir. (François Fénelon)
Es ist gut, dem Herrn vertrauen, und sich nicht verlassen auf Menschen.
Die ganze Schrift vom ersten bis letzten Worte ermahnt und fordert uns auf zum Vertrauen auf den Vertrauenswürdigsten und warnet uns vor dem Vertrauen auf Menschen, auf Geschöpft; ja, sie verflucht den, der auf Menschen vertraut, der Fleisch zu seinem Arm macht. Sie verspricht allen Segen und alles Heil dem, der auf den Herrn vertrauet. Jer. 17,5.7. Der ist wie ein Baum an Wasserbächen, wie ein Fels im Meere. Des ungeachtet vertrauet man so gern auf Menschen, sieht sich immer nach menschlichen Stützen um, und vergisst den Herrn und seinen Arm, als wenn er nicht wäre, als wenn er uns nichts verheißen hätte. So schwer wird es dem Menschen, sich an das ewigfeste, unvergängliche, das er nicht sieht, zu halten; lieber hält er sich an einen Strohhalm, den er sieht; lieber stützt er sich auf ein Moosrohr, das er mit der Hand fassen kann, das aber bald, ehe er sich recht darauf stützt, bricht und ihm durch die Hand geht. Wer nun gelernt hat, auf den Herrn zu vertrauen, der auch im Meere Wege und in tiefen Wassern Bahn machen kann, der steht mitten in Ungewittern wie ein Fels im Meere, angefochten, verfolgt, aber doch unbeweglich, unerschütterlich, fest auf dem Grunde seiner Zuversicht, der nicht wanket. Wer nicht auf die Gefahr, nicht auf die schwankenden Wellen und Wogen der Trübsal, sondern auf den Steuermann sieht, der noch niemals Schiffbruch gelitten, dessen Schiff noch nie untergegangen ist, der sitzt ruhig und steht fest in seinem Gott, als wenn nichts wäre, als wenn nur er und Gott, - als wenn kein Unglück und keine Gefahr wären. (Johannes Evangelista Gossner)
Ohne Zweifel bist du schon manchmal in die Versuchung geraten, dich auf das Sichtbare zu verlassen, statt dein Vertrauen und deine Zuversicht ganz allein auf den unsichtbaren Gott zu legen. Christen suchen oft bei Menschen Hülfe und Rat, und verunzieren die edle Einfalt ihres Vertrauens auf ihren Gott. Wenn unsere heutige Schriftstelle einem Kinde Gottes unter die Augen kommen sollte, das sich über das Zeitliche ängstigt, dann möchten wir gerne ein kurzes Wort mit ihm darüber reden. Du glaubst an den Herrn Jesum, und setzest wegen deiner Seligkeit dein ganzes Vertrauen auf Ihn allein; nun, was ängstigst du dich denn noch? „Wegen meiner schweren Sorgen. Steht denn nicht geschrieben: „Wirf dein Anliegen auf den Herrn?“ „Sorget nichts, sondern in allen Dingen lasset euere Bitte im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden.“ Kannst du Gott nicht dein Zeitliches anvertrauen? „Ach, ich wünschte, es wäre mir möglich.“ Wenn du aber um deine zeitlichen Anliegen keine Zuversicht zu Gott gewinnen kannst, wie magst du Ihm dein geistliches Heil anvertrauen? Kannst du auf Ihn bauen, wenn's sich um deine Seelenrettung handelt, wie kannst du Ihm nicht auch das Geringere zutrauen? Genügt dir der allmächtige Gott nicht für deine Bedürfnisse, oder ist Sein Allvermögen zu gering für alle deine Wünsche? Verlangst du noch ein anderes Auge außer dem, das alle Geheimnisse sieht und durchforscht? Ist Sein Herz hart? Ist Sein Arm müde? Wenn das ist, ja, dann suche dir einen andern Gott; wenn Er aber unendlich, allmächtig, wahrhaft, treu, allweise und allgütig ist, was spähest du denn so lange umher und suchest eine andere Zuflucht? Warum durchsuchst und durchwühlst du die Erde nach einem andern Grund, wenn dieser Grund fest genug ist, um die ganze Wucht zu tragen, die du darauf türmen kannst? Lieber Christ, vermische deinen Wein nicht mit Wasser, löte das Gold deines Glaubens nicht mit den Schlacken des Menschenvertrauens zusammen. Harre auf Gott und lass Ihn deine Hoffnung sein. Beneide Jonas nicht um seinen Kürbis, sondern traue auf seinen Gott. Lass die Toren ihr Haus auf den Sand irdischen Vertrauens gründen, du aber baue eine sichere Wohnung auf den Fels der Zeiten. (Charles Haddon Spurgeon)
Es ist gut, auf den HErrn vertrauen, und sich nicht verlassen auf Menschen. Es ist gut, auf den HErrn vertrauen, und sich nicht verlassen auf Fürsten.
Es ist etwas Köstliches, wenn man so ganz auf dem HErrn steht und nicht mehr auf Menschen. So lange wir uns an Menschen hängen, und nach ihrem Urteil und ihrem Fürgutfinden uns richten, so lange wir nicht ganz allein auf den HErrn bauen, so lange ist auch unser Christentum noch ohne den wahren Halt, es ist noch Sandgrund da; aber wenn wir so durch die Umstände selber darauf geführt werden, wenn die Menschen selber durch ihre schiefen und unrichtigen Urteile in göttlichen Dingen uns auf den ewigen Felsengrund, Jesum Christum, zurückführen, da geht es, wie Joseph sagte: „ihr gedachtet es böse zu machen, der HErr aber hat es gut gemacht;“ so muss dann der Teufel selber zur Gründung, Bewährung, Befestigung und Vollbereitung der Seelen helfen und beitragen. So ging es von jeher allen Kindern und Knechten Gottes; sie wurden nach und nach einzig und allein auf den HErrn selber zurückgeworfen, und sind auf diesem Felsengrunde niedergesunken, und haben sich darauf fest gebaut, und mit Glaubensarmen daran festgeklammert. Auch den Jüngern ging es so. O wie standen sie Anfangs auf menschlichem Grund und Boden, wie haben sie Anfangs auf Fleisch und Blut ihre Hoffnung gesetzt: aber als die Menschen ihr Angesicht von ihnen wendeten, als sie keinen anderen Halt mehr hatten als ihren unsichtbaren HErrn und Meister, wie wurden sie so stark und kräftig in ihm, wie haben sie da frisch und freudig bekannt: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen;“ da standen sie fest auf dem Felsengrunde ihres Glaubens. Auch dem Apostel Paulus ging es so, der zuerst ein willenloses Werkzeug in der Hand der Feinde Christi war. Da er aber nach vielen Kämpfen und Anfechtungen von außen und innen auf den HErrn sich geworfen sah, und in ihm erstarkt war, da scheute er sich vor Niemand mehr, und war ein freier Mann, und widersprach den falschen Brüdern ins Angesicht. So ging es auch unserm Luther, der Anfangs noch viel auf Menschen baute, und dem Papst und den Kardinälen mit viel Demut und ehrerbietiger Beugung gegenüber trat: da aber ihr Ansehen vor ihm zusammenbrach, und er ganz allein auf Christum, seinen HErrn, geworfen ward, da stand er felsenfest und unverrückt. (Ludwig Hofacker)