Lieder zu Psalm 32
Matthias Jorissen
Heil, heil ihm, dem die Sünden sind vergeben,
Der nicht mehr darf vor seinem Richter beben,
Und dessen Greul, der Seel und Leib befleckt,
Ihm nicht mehr droht, weil Gnade ihn bedeckt!
2. Heil dir, o Mensch! wenn deine Schuld auf Erden
Dir nicht vom Herrn darf zugerechnet werden;
Wenn sich dein Geist von aller Falschheit kehrt,
Sich treu erzeigt, und wird von Gott bewährt.
3. So lang’ ich schwieg, verhehlte meine Sünden,
Konnt‘ ich nie Trost, nie Ruh des Herzens finden;
Ich suchte sie, sie floh; bei stetem Schrei’n
Verschmachtete mir täglich mein Gebein.
4. Ja, Tag und Nacht fühlt ich das schwere Drücken
Der Hand des Herrn, Nichts konnte mich erquicken;
Ich merkte, daß mir, wie vom Sonnenbrand,
Mein Lebenssaft vor Herzensangst verschwand.
5. Doch, da ich mich entschloß, Nichts zu verhehlen,
Dir alle Sünd‘ aufrichtig herzuzählen,
Und da ich’s that, vergab, Herr, deine Huld
Mir Missethat und alle Sündenschuld.
6. O große Huld! Du winkest allen Frommen,
Zur Gnadenzeit gebückt zu Dir zu kommen.
Dann tob‘ die Fluth, die alle Dämme bricht,
Wer zu Dir kommt, an den gelangt sie nicht.
7. Ich flieh zu Dir in drohenden Gefahren,
Du bist mein Schirm, kannst mich vor Angst bewahren!
Bald ist mein Herz erfüllt mit heißem Dank
Ja, bald umringt mich ein Triumphgesang!
8. Stets soll mein Mund, Herr, Deine Gnade preisen!
Du sprichst zu mir: „Ich will dich unterweisen,
Geh‘ unbesorgt, und siehe stets auf mich!
Ich zeig‘ den Weg, mein Auge leitet dich.“
9. Dein Herr ist Gott, Er führet dich auf Erden,
D’rum sei nicht gleich den Mäulern und den Pferden,
Die nur Gebiß und Zaum bezwingen kann.
Hör du sein Wort mit Unterwerfung an.
10. Folg‘ ihm mit Lust und ohne zu verweilen,
Er führet dich an seiner Liebe Seilen!
Sei treu zu thun, was dir zu thun gebührt,
Er ist der Herr, der dich zum Ziele führt.
11. Der Sünder häuft sich selber Schmerz auf Schmerzen,
Wer aber Gott gehorcht von ganzem Herzen,
Wer auf Ihn hofft, sein harret mit Geduld,
O, den umfaßt, den krönt einst seine Huld!
12. Der Herr ist nah‘ bei allen seinen Knechten,
D’rum freuet euch des Herrn, o ihr Gerechten,
Die ihr Ihm dient, und grades Herzens seid,
Lobsinget Ihm, sein Dienst ist Seligkeit!
Bartholomäus Ringwaldt
Im Ton: Nun freut euch, lieben Christen gmein.
Wol dem, dem Gott all seine Sünd
Allhier in diesem Leben,
Gleich wie ein Vater seinem Kind,
Aus Jammer thut vergeben,
Und ihm dieselb nicht rechnet zu,
Wol ihm, er wird gewisse Ruh
In seiner Seelen haben.
Ein solcher lebt in Gottes Rath,
Ist rein von allen Schulden,
Kein falschen Geist im Herzen hat
Und steht in großen Hulden.
Ein Heuchler aber geht zu Grund,
Dieweil er den Genadenbund
In Jesu Christ verachtet.
Denn da ich eins mein‘ große Schuld
Gedachte zu verschweigen
Und mich durch Werk von Sünden wollt
Aus eignen Kräften freien,
Sieh, da verschmacht mir Mark und Bein,
Ich konnt gar nicht zufrieden sein,
Mein Herz das wollt mir brechen.
Denn dein gerechter ernster Zorn,
Weil ich mich nicht erkannte,
Stach mich gewaltig, wie ein Dorn,
Und wie ein Feuer brannte,
Daß ich zuletzt bekennen mußt
Und sprach: Ich hab ja keine Lust
Zum Guten allenthalben.
Und da ich solches frei bekannt
Und bat dich um Genaden,
Dein starker Grimm sich von mir wandt,
Damit ich war beladen,
Mir wieder mein Gewissen labtst
Und mir all meine Sünd vergabst
Um des Messiä willen.
Um welchs die Heilgen allzumal,
Die jungen sammt den alten,
Dich werden bitten überall
Und darin Recht behalten
Im Glauben durch den heiligen Geist;
Denn ihr Gerechtigkeit die heißt
Vergebung aller Sünden.
Darum so trau ich dir allein,
Wenn Tod und Teufel wüthen,
Du würst mich vor der Höllen Pein,
Das glaub ich fest, behüten;
Denn dein Sohn Jesus Christus hat
Für all mein Sünd und Missethat
Am Holz genug bezahlet.
Erhalt mich, Herr, in deiner Lehr,
Leit mich mit deinen Augen,
Auf daß ich nun und nimmermehr
Abweich vom rechten Glauben,
Sondern auf deinem Wege bleib
Und ob der Wahrheit Gut und Leib,
Wenns nöthig ist, zusetze.
Laßt euch berichten, lieben Leut,
Euch selber nicht versäumet
Und nicht wie Roß und Mäuler seid,
Die man hart bindt und zäumet,
Sondern gehorchet Gottes Stimm,
Auf daß euch nicht sein ernster Grimm
An Leib und Seel verletze.
Der Gottlos hat viel Angst und Plag,
Das macht sein falsch Vertrauen;
Denn er vermag an keinem Tag
Die Gnad des Herrn zu schauen.
Die aber sich auf Gott verlan,
Die werden Trost genugsam han:
Des freut euch, ihr Gerechten.
Burkard Waldis
Ein leer von vergebung d’sünden, daß wir vnsere sündhafft natur erkennen, vmb gnad bitten, vnd vergebung der sünd durch Christum hoffen sollen.
1. Wol dem menschen, dem sünden vil
vnd missethat vergeben
Vnn dems Got nit zu rechnen wil,
für den todt gibt das leben!
Dann da ich wolt
mein sünd vnd schuldt
vor dir, Herr, nicht bekennen,
Verdorrt mein safft
vnd all mein krafft,
must mich einn sünd‘ nennen.
2. Dann deine hand war vber mir
vnd truckt mich tag vnd nachte,
Macht mir die Sünd so groß vnd schwer,
daß all mein gbein verschmachte,
Da sprach ›Ich muß
mich kern zur buß,
bekennen mein gebrechen‹:
Dein zorn ließ ab,
bald sünd vergab,
wilt mir kein schuld zurechnen
3. Dafür dich auch von anbegin
all Heilgen han gebetten,
Daß du auß gnad vergabest jn
jr schuld vnd vbertretten,
Dadurch sie sein
gantz frei vnd reyn
von sünd vnd Hellschem schrecken,
Wirst sie on klag
am jüngsten tag
zur herrligkeyt erwecken.
4. Du bist, Herr Got, mein schirm vnd schutz,
wöllst mich für angst behüten,
Daß mir nit schad der sünden trutz,
der Hell vnd Teuffels wüten:
Zeyg mir dein weg
vnd deine steg
vnd mach mich, Herr, verstendig,
Daß ich nit werd
gleich wie ein pferd
wild, fräch vnd gar vnbendig.
5. Der gotloß wirt für seine Sünd
beyd hie vnd dort geplaget,
Der glaubig stedts gnad bei dir sindt,
wie vns dein Wort zusaget:
Drumb dancken wir,
daß deine leer
thut vnser hertz vernewen.
In deinem rhum
gerecht vnd frumm
wölln wir vns Ewig frewen.