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Hiob 8,13

Hiob 8,13

Andachten

Die Hoffnung des Heuchlers wird verloren sein.
Hoffnung besserer Tage begleitet den Menschen durch alle Tage seines Erdenlebens. Sie gehört zu den Dreien, die da bleiben, wie geschrieben steht: „Nun bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe.“ Wo ist ein Alter, ein Stand, ein Verhältnis, da man ihrer entbehren und sagen könnte: „Es ist alles so, wie ich mir's wünsche, ich brauche nichts mehr zu hoffen, denn ich habe alles!“ Sind wir doch allesamt reicher am Hoffen, wie am Haben; und wie arm würden wir uns fühlen, wenn wir in bösen Tagen keine Hoffnung besserer Tage, im Schmerz der Krankheit keine Hoffnung der Genesung, im Abschiedsweh keine Hoffnung des Wiedersehens, und im Tode keine Hoffnung des Lebens hätten! - „Ja,“ sagst du, „das ist wahr, darum ist es grausam, dem Menschen seine Hoffnung zu rauben.“ - O mein Lieber, Hoffnung soll dem Menschen bleiben. Aber eine andere Frage ist: soll man jedem Menschen, er sei nun fromm oder gottlos, seine Hoffnung lassen, auch dann, wenn seiner Hoffnung der Grund der Wahrheit fehlt? Soll man den unbußfertigen Sünder allerlei Gutes hier und dort hoffen lassen, da doch die Sünde der Leute Verderben ist? Soll man dem Ungläubigen, der die Gnade Gottes in Christo verachtet, seine Hoffnung lassen, da es doch heißt: „Wer nicht glaubt, der wird verdammt werden?“ Soll man die Heuchelchristen ihres Maulglaubens sich getrösten lassen, da doch der Herr spricht: „Es werden nicht alle, die zu mir Herr, Herr sagen, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel?“ - Nein, die Hoffnung ohne den Glauben, der gerecht, und ohne die Liebe, die heilig macht, die Hoffnung ohne Wahrheit, ja wider die Wahrheit des Wortes Gottes, die Hoffnung ist eitel, und die soll man dem Menschen nicht lassen. Von solcher Hoffnung heißt es Hiob 8,13.14.: „Die Hoffnung des Heuchlers wird verloren sein, denn seine Zuversicht vergeht, und seine Hoffnung ist eine Spinnwebe.“ Solche Hoffnung dem Menschen lassen, das ist grausam, das heißt, ihn so lange schlafen und von besseren Tagen und ewiger Seligkeit träumen lassen, bis er in der Hölle und in der Qual erwacht. Die Hoffnung, die zwischen Glauben und Liebe steht, die besteht, die soll und kann und wird dir niemand rauben. Die lässt nicht zu Schanden werden. (Carl Johann Philipp Spitta)


Die Hoffnung der Heuchler wird verloren sein.
Es gibt eine doppelte Hoffnung selig zu werden: eine gegründete, von welcher Paulus sagt, dass sie nicht zuschanden werden lasse, und eine falsche, von welcher Hiob sagt, sie werde verloren sein. Darum sprich und denke nicht nur: ich hoffe selig zu werden! sondern siehe zu, dass deine Hoffnung festen Grund habe. Festen Grund aber hat sie dann, wenn du die Kennzeichen der Seligen an dir wahrhaftig findest: wenn du arm bist im Geiste, wenn du Leid trägst über deine Sünden, wenn du sanftmütig gegen Gott und Menschen bist, wenn du hungerst und dürstest nach der Gerechtigkeit, wenn du Barmherzigkeit erzeigest, wenn du täglich dein Herz von Sünden reinigest, wenn du Frieden hältst und stiftest, wenn du über dem Gehorsam Gottes gern auch etwas leidest, wenn du deinen Schatz und dein Liebstes im Himmel hast. Du darfst nicht sagen: wer will mir in den Himmel fahren und das Buch des Lebens aufschlagen, ob ich auch selig werden könne oder solle? Es ist uns alles so deutlich in der Schrift, z. B. in der Bergpredigt offenbart, als wenn mein eigener Name darinnen stünde. Da malet uns der Herr die Gestalt derer, die selig, und derer, die verdammt werden sollen, mit so lebendigen Farben vor die Augen, dass sie ein jeglicher beim ersten Anblick erkennen und sich mit denselben vergleichen kann. (G. C. Rieger.)

Predigten

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