1. Könige 18,21
Andachten
„Wie lange hinket ihr auf beiden Seiten?“
u. Matth. 6,24: „Niemand kann zweien Herren dienen.“
Man weiß wohl, dass man Gott dienen und Ihn lieben muss, wenn man selig werden will, aber man möchte in Seinem Dienst und Seiner Liebe alles Lästige entfernen und nur das Angenehme daran lassen. Man möchte Ihm dienen, aber unter der Bedingung, dass man Ihm nur Worte und Zeremonien, und dazu kurze, zu geben habe, deren man bald müde und überdrüssig ist. Man möchte Ihn lieben unter der Bedingung, dass man mit ihm zusammen und vielleicht noch mehr als ihn, Alles, was Er gerade nicht liebt und verdammt an der Eitelkeit der Welt, lieben könne. Man möchte Ihn unter der Bedingung lieben, dass jene blinde Selbstliebe keine Einbuße erleide, die ja bis zur eigenen Vergötterung geht, und uns nicht nur verhindert in steter vertrauensvoller Abhängigkeit von Gott, für welchen wir geschaffen sind, zu leben, vielmehr Gott von uns abhängig sein lassen möchte, wo wir Ihn nur als eine tröstende Aushilfe schätzen, wenn die Kreaturen uns im Stiche lassen. Man möchte Ihm unter der Bedingung dienen und Ihn lieben, dass man sich der Liebe zu Ihm auch schämen dürfe, und sie wie eine Schwäche verborgen halten, ja dass man über Ihn erröten könne als über einen Freund, der unserer Liebe nicht würdig; dass man Ihm nur gewisse religiöse Äußerlichkeiten darbringe, um das Ärgernis zu vermeiden und nach dem Willen der Welt zu leben, und Gott nur dann etwas zu schenken, wenn die Welt selbst es erlaubt. Was ist das für ein Dienst, welch eine Liebe!
Gott erkennt keinen anderen Bund mit uns an, als den, der sich auf unseren ersten Bund in der Taufe bezieht, wo wir versprochen haben, allem zu entsagen, um Ihm anzugehören, und auf das erste Gebot des Gesetzes, wo Er rückhaltlos unser ganzes Herz, unsern ganzen Geist und all unsere Kräfte fordert. Kann man in der Tat Gott aufrichtig lieben und noch so viele Rücksichten auf die Welt haben, die seine Feindin ist, über die Er so schrecklichen Fluch ausgesprochen hat. Kann man Gott lieben und fürchten mit Ihm zu vertraut zu werden, aus Angst man habe ihm alsdann Vieles zu opfern? Kann man Gott lieben und sich damit zufrieden geben, ihn nicht gröblich zu verletzen, ohne es sich Mühe kosten zu lassen, ihm zu gefallen, Ihn zu verherrlichen, Ihm mutig, so oft jeder Tag Gelegenheit gibt, die Inbrunst und Aufrichtigkeit unserer Liebe zu bezeugen? Gott ist schranken- und rückhaltlos in Seiner Hingabe an uns, und wir wollen tausenderlei uns von Ihm reservieren. Gibt es so gemeine Naturen auf der Erde, die sich damit begnügen würden, so von uns geliebt zu werden, wie wir schamlos genug verlangen, dass Gott sich mit unserer Liebe zufrieden gäbe? (François Fénelon)
Elia trat zu allem Volk und sprach: Wie lange hinkt ihr auf beiden Seiten? Ist der Herr Gott, so wandelt ihm nach; ist es aber Baal, so wandelt ihm nach.
Bei dem großen Ereignis auf Karmel waren drei Klassen von Menschen vertreten. Erstens die treuen Knechte und Zeugen Gottes, wie Elia, hinter welchem ihm zwar unbekannt siebentausende waren, die ihre Knie nicht vor Baal gebeugt hatten, und wie Obadja, der mit Lebensgefahr hundert Propheten in Höhlen verborgen und mit Wasser und Brot versorgt hatte; zweitens die Baalspriester, als offenbare Götzendiener, denen sich viele Verführte aus Israel anschlossen, und drittens die große Menge der Unentschiedenen, die es weder mit Gott noch mit Baal verderben wollten. Dieselben Klassen finden sich heute noch in der Christenheit. Während die einen Gott allein anbeten und ihm dienen, haben ihm andere mit Wissen und Willen den Abschied gegeben und hinken die dritten bald dahin, bald dorthin und sind dem schwankenden, vom Winde bewegten Rohre gleich. An die Letzteren wendet sich nun unser Wort und möchte sie, wie Elias sein Volk, zur Entscheidung für den Herrn bringen.
Das Hinken auf beiden Seiten besteht in einem Zögern mit der Bekehrung. Während Gott ruft: „Eile und errette deine Seele,“ gleichen sie Lots Weib, das zurücksah, oder dem Felix, der die Entscheidung hinausschob. Hinken ist ein fortwährendes Wanken, ein Anfangen und bald Aufhören, ein Wollen und Nichtwollen, ein Versprechen und Nichthalten, ein Hören und Nichttun. Das Hinken wird von Elia mit Recht getadelt, denn es ist etwas unnatürliches und weist, wie auf verstümmelte Glieder, so auf ungesundes Glaubensleben hin. Es ist etwas unehrliches, denn man hat den Schein, Gott zu dienen, und dient ihm doch nicht, man sagt sich ihm zu, ohne dass es gründlich ernst gemeint wäre. Das Hinken ist etwas verderbliches, hat keine Gewissheit und keine Kraft, bietet andern keinen Anhalt und schädigt Gottes Ehre. Darum ist es ihm missfällig. Ein Hinkender kommt nicht ans Ziel und bleibt er also, so wird er aus Gottes Munde ausgespien. Elia legt dem Volk die ernste Frage vor: Wie lange hinkt ihr auf beiden Seiten, d. h. wie lange schon und wie lange noch? Ist es nicht genug, dass die vergangene Zeit des Lebens also zugebracht wurde und wollt ihr noch ferner die kostbare Gnadenzeit missbrauchen? Elia mahnt zur Entscheidung. Ist der Herr Gott, so wandelt ihm nach; ist es aber Baal, so wandelt ihm nach. Leider antwortet das Volk ihm nichts, obgleich für jeden Israeliten längst entschieden sein sollte, dass Jehova ihr Gott sei. Damit es aber auch für die Trägsten keine offene Frage mehr bleibe, so bat Elia um Feuer vom Himmel. Es kam und fraß Brandopfer, Holz und Steine und die Erde des Altars. Da fiel das Volk auf sein Angesicht und sprach einmütig: „Der Herr ist Gott, der Herr ist Gott!“ In Christo ist das Feuer göttlicher Liebe auch zu uns gekommen. Schwankende Seelen, erkennet das, lasst euch strafen und in seinen Dienst einführen! Eure Freude wird gemehrt, eure Kraft gestärkt und ihr könnet in der Gewissheit eures Heiles den Gefahren der Zeit entgegentreten. O macht Ernst, ihr lieben, jungen Christen! Je bälder ihr euch dem Herrn übergebt, desto glücklicher seid ihr. Und ihr Älteren, ist es nicht hohe Zeit für euch? Sprecht mit Mund und Herz, mit Sinn und Wandel: Der Herr ist Gott! der Herr ist Gott!
Barmherziger Heiland, du hast uns aufs bestimmteste gesagt, dass niemand zwei Herren dienen könne und vielen bangt doch noch vor einer klaren Entscheidung. Komme über sie und lass ihr Herz entbrennen, sich dir ohne Rückhalt zum Eigentum zu opfern! Amen. (Rudolf Wenger)