1. Samuel 3,7
Andachten
Aber Samuel kannte den Herrn noch nicht, und des Herrn Wort war ihm noch nicht offenbart. Und der Herr rief Samuel wieder zum dritten Mal, und er stand auf und ging zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich, du hast mich gerufen. Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben rief, und sprach zu ihm: Gehe wieder hin und lege dich schlafen, und so du gerufen wirst, so sprich: Rede, Herr, denn dein Knecht hört.
Das ist sehr merkwürdig: Samuel diente im Tempel dem Herrn und kannte Ihn noch nicht, und Sein Wort war ihm noch nicht geoffenbart; wie mag das zugehen? Wir sehen daraus, dass es auch alttestamentlich auf die innere Erweckung ankommt; dass man wohl äußerlich dienen kann, aber die Seele schläft noch, und es bedarf oftmaligen Rufens, bevor es heißt: Rede, Herr, Dein Knecht hört! Aber der Herr ist treu, er lässt sich das viele Rufen nicht verdrießen, denn Samuel ist aufrichtig gesinnt, und den Aufrichtigen lässt's der Herr gelingen. mag nun wohl Jeder sich fragen, ob seine Stunde gekommen? - an der äußerlichen Frömmigkeit ist es nicht genug; es hält sich Mancher zu Kirche und Altar, aber erweckt ist er noch nicht, die Stimme des Herrn hat er noch nicht erkannt. Jedoch, er ist unter den Augen des Herrn und steht auf heiligem Boden, da ruft die Stimme von oben, wieder und immer wieder und wer's nur aufrichtig meint, der antwortet endlich: Rede, Herr, Dein Knecht hört! Denken wir Dem nach, wie wir endlich dazu gelanget, dass wir Ihn erkannt und dass Sein Wort uns offenbar geworden, da müssen wir's wahrlich mit viel Dankestränen bekennen: O, ein treuer Gott! Wie mag Samuel wohl hernachmals in tiefer Beugung sich verwundert haben, dass er die Stimme seines Gottes so spät erkannt! ach, und was sollen denn wir sagen, da wir einen Heiland haben, der uns so weit, so lange, so mühselig nachgegangen, ja nachgekrochen durch Dorn und Hecken, dass Ihm darüber der Dornzweig am Haupte hangen geblieben? (Nikolaus Fries)