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1. Samuel 24,17

1. Samuel 24,17

Andachten

Als nun David solche Worte zu Saul hatte ausgeredet, sprach Saul: Ist das nicht deine Stimme, mein Sohn David? Und Saul hob auf seine Stimme und weinte, und sprach zu David: Du bist gerechter denn ich. Du hast mir Gutes bewiesen, ich aber habe dir Böses bewiesen.
Tut wohl Denen, die euch hassen! das Böse überwinden mit Gutem, das ist die neue Gesetzgebung, die Jesus-Art, wie aber kommt denn David dazu? Ist er denn nicht gesalbt zum Könige in Israel? hat er nicht Recht zu sagen: Ich habe an Dir nicht gesündigt und Du jagst meine Seele! Seht, der Geist der Weissagung hat Wohnung gemacht in David, von der Stunde an, da Samuel das heilige Salböl ausgeschüttet aus seinem Öl-Horn über das Haupt des bräunlichen Knaben, und es steht geschrieben in der Offenbarung St. Johannis: Das Wort Jesu ist der Geist der Weissagung! Also hat dieser Geist zuvor tatsächlich offenbart in David, dem Gesalbten Gottes, was Jesus, der Erfüller, in welchem Alles Ja und Amen ist, hernachmals in Worte gefasst, und durch Seinen heiligen Geist ausgegossen hat, in die Herzen aller Derer, die Ihm angehören. Vor diesem Geiste der Weissagung muss der böse Geist, welcher in Saul sonst herrscht, zurückzuweichen; da kommt das Weinen über den unglückseligen, verworfenen König; da kommt das Bekenntnis und die Selbstanklage: Du bist gerechter denn ich! - Der Geist der Weissagung ist zur Erfüllung geworden: Jesus hat nicht gedroht, da Er litt! Jesus hat am Kreuz für die Übeltäter gebeten! Jesus hat durch Sein heiliges Blut Ale zu Brüdern gemacht und allem Hassen den Kopf zertreten. Ja, das hat er getan, aber was tust Du? So weit die heilige Liebesmacht vom Kreuze reicht, so weit auch die neue Regel: das Böse zu überwinden mit Gutem und mit Wohltun zu verstopfen die Unwissenheit der törichten Menschen. Aber wie weit reicht diese Liebesmacht? reicht sie bis zu Dir? hat sie Dir das Herz ergriffen und durchdrungen? Wer außer dieser Liebesmacht lebt, der hat keinen Teil an Christo; und wer außer ihr stirbt, hat keinen Platz im Himmel. Das merk Dir! (Nikolaus Fries)


Und Saul hub auf seine Stimme und weinte und sprach zu David: Du bist gerechter, denn ich. Du hast mir Gutes bewiesen, ich aber habe dir Böses bewiesen.
Die Feindesliebe, die Böses mit Gutem vergilt, hat manches Mal den köstlichen Segen, dass sie feurige Kohlen auf das Haupt des Nächsten sammelt, der uns Arges getan hat. Es brennt dem Bruder die Wohltat auf dem Haupte, es tut ihm seine Übeltat weh. So hat es David erfahren. Als er sich mit seinen Begleitern vor Saul in einer Höhle verborgen hatte, und Saul selbst in diese Höhle eintrat, hätte er ihn leicht erschlagen können. Er tat es nicht, sondern schnitt ihm nur den Zipfel des Rockes ab. Als nun beide Männer aus der Höhle herausgetreten waren, rief David ihm aus der Ferne zu und zeigte ihm den Zipfel des Rockes. Da merkte Saul, wie nahe er dem Tode gewesen, und wie David ihm mit Liebe begegnet war; er hub seine Stimme auf und weinte. „Du bist gerechter, denn ich,“ so ruft er ihm zu, „du hast mir Gutes bewiesen, ich aber habe dir Böses bewiesen.“ Da brannten dem Saul die Kohlen der Feindesliebe, die David bewiesen hatte, auf dem Haupte. - Sieh, diese himmlische Frucht soll auch heute nicht gar ausbleiben. Wo du von Herzen segnest, wenn der Nächste flucht, wo du von Herzen wohltust, wenn der Nächste hasst warte nur, es kann die Zeit kommen, dann erkennt der Bruder sein Unrecht. Und wie wohl tut es dem Menschen, wenn er erst dazu kommt, seinen Fehler zu erkennen! Hat er ihn aber erkannt, und deine Liebe bleibt sich gleich, dann wird er auch seine Sünde beklagen. Damit aber ist der Weg zum Frieden wieder eben gemacht; dann legen sich wieder die Hände des Bruders in deine Hände, und wenn sie vorher noch so feindlich waren; dann schlägt dir wieder das Herz entgegen, das sich sonst von dir gewendet hatte. Das ist ein großer Segen der siegenden Liebe. Und damit zugleich wird dann dem Bruder der Weg zum Himmel leichter gemacht. Der Hass ist ja vergangen, und die Arme Jesu Christi strecken sich aus, und wieder ist eine Seele aus der Macht des Zornes und des Grimmes herausgewonnen, und der Gott des Friedens kommt mit seinem reichen Glanze und segnet den Nächsten und segnet dich mit, und ihr geht euren Weg mit einander nach der Stadt mit den goldenen Gassen.

Lasst uns beten: Vater im Himmel, Du Gott der Freundlichkeit, Du hast Deinen lieben Sohn für uns gegeben, da wir Deine Feinde waren. Deine Liebesglut hat uns überwunden, und wir danken Dir dafür und flehen zu Dir: Nimm uns nun zu Deinen Freunden an. Und lass uns von Deiner Liebe erwärmt werden und immer mehr unserm Nächsten zeigen, dass wir himmlisch gesinnt sind. Lass uns nicht müde werden, immer Deinem Beispiel nachzufolgen und auszuhalten in treuer Liebe, bis der Bruder gewonnen wird, bis unsre Liebe den Sieg davonträgt, bis seliger Friede erreicht ist, und wir mit dem Bruder Dir unsern Dank darbringen. Zu rechter Liebestreue bereite uns an diesem frühen Morgen, stärke uns und lege die siegende Gewalt Deiner Liebe in unser Herz. Amen. (Wilhelm Hunzinger)

Predigten

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