1. Samuel 15,26
Andachten
Du hast des HErrn Wort verworfen, und der HErr hat dich auch verworfen.
Mit dem Volk Israel hatte es diese besondere Bewandtnis, dass der HErr in einem besonderen Verstand der König desselben sein wollte. Er ließ also nicht zu, dass ein Mensch demselben Gesetze vorschreibe, sondern gab selber durch Mosen solche Gesetze, welche nicht nur das allgemeine Verhalten aller rechtschaffenen Menschen, sondern auch die bürgerliche Verfassung Israels einrichten sollten. In besonderen Fällen gab Er durch das Licht und Recht, welches in dem Amtsschildlein des Hohenpriesters war, durch Propheten, die Er aufstellte, oder auch durch Seinen Engel, den Er zu ihnen sandte, die nötigen Befehle, und die Israeliten durften z.B. keinen Krieg anfangen, ehe sie einen solchen göttlichen Befehl bekamen. Weil aber die Israeliten zuletzt auf solche göttliche Befehle nimmer warten wollten, als welche erst alsdann ergingen, wenn sie wegen ihres Ungehorsams genugsam gezüchtigt und gedemütigt waren, so sagten sie zu Samuel: setze einen König über uns, der uns richte, wie alle Heiden haben, 1 Sam. 8,5., und versündigten sich dadurch sehr. Einen König hätten sie allenfalls begehren dürfen, weil doch Gott schon durch Mosen die Rechte eines Königs bestimmt hatte, 5 Mos. 17,14. u.ff., aber einen König, wie die Heiden hatten, hätten sie nicht verlangen sollen, denn sie verlangten auf diese Weise einen solchen, der nimmer vom Licht und Recht, von den Aussprüchen der Propheten und des göttlichen Engels abhängen, sondern nach menschlicher Willkür handeln dürfte. Der HErr erkannte auch die Argheit ihrer Herzen, und sagte 1 Sam. 8,7. zu Samuel: sie haben nicht dich, sondern Mich verworfen, dass Ich nicht soll König über sie sein. Übrigens sagte Er eben daselbst auch zu ihm: gehorche der Stimme des Volks in Allem, das sie zu dir gesagt haben, und offenbarte ihm hernach, dass Saul der erste König Israels sein sollte. So gut sich aber dieser Saul zuerst anließ, und so gewiss es ist, dass in seinem ersten Krieg der Geist des HErrn über ihn kam (1 Sam. 11,6.), und er also selber nach einem göttlichen Antrieb, der sonst den Propheten widerfuhr, handelte: so gewiss ist es auch, dass bald auch der Gedanke in seinem Herzen aufstieg (der vielleicht durch das Einraunen roher Israeliten erweckt und gestärkt wurde), er wolle ein König sein, wie die Könige der Heiden. Als ihm deswegen Samuel bei seinem Krieg wider die Amalekiter einen Befehl Gottes kund tat, so befolgte er ihn nicht. Es war ihm zuwider, dass ihm der Prophet und durch denselben der HErr in seine kriegerischen Verrichtungen einrede, und er wünschte auch solcher Einreden durchaus los zu sein. Deswegen hatte Samuel Grund, ihm zu sagen: du hast des HErrn Wort verworfen, darum hat dich der HErr auch verworfen. Schon vorher hatte Saul in einem Krieg wider die Philister nicht auf den Samuel gewartet, der ihm Gottes Befehl überbringen wollte, sondern vor seiner Ankunft aus Heuchelei opfern lassen, und sodann, was ihm gut däuchte, befohlen, 1 Sam. 13,12.13., aber im Krieg wider die Amalekiter brach sein rebellischer Sinn noch völliger aus. Seitdem nun das Zepter von Juda genommen ist, sind alle Reiche auf Erden Weltreiche, in welchem Gott der menschlichen Willkür mehr Raum lässt. Übrigens stehen alle Regenten und ihre Untertanen unter Gott. Wenn sie des HErrn Wort, das sie angeht, verwerfen, so verwirft sie Gott auch, und wehe dem, den Er verwirft! (Magnus Friedrich Roos)