3. Mose 1,4
Andachten
“Und er lege seine Hand auf des Brandopfers Haupt, so wird es angenehm sein und ihn versöhnen.“
Dass unser Herr „für uns zur Sünde gemacht“ ist, wird in unserer Schriftstelle sehr bezeichnend dargestellt durch die Übertragung der Sünde auf den Farren des Sündopfers, welche von den Ältesten des Volkes vollzogen wurde. Das Auflegen der Hand bezeichnete nicht bloß ein einfaches Berühren, denn in einigen andern Schriftstellen schließt das ursprüngliche Wort den Sinn eines schwer lastenden Anlehnens in sich, wie es etwa der Ausdruck bezeichnet: „Dein Grimm drücket mich“ (Psalm 88,7). Und dies ist gewiss auch das eigentliche Wesen und die wahre Natur des Glaubens, welcher uns mit dem großen Stellvertreter nicht bloß in Berührung bringt, sondern uns lehrt, uns mit der ganzen Last unserer Schuld auf Ihn zu lehnen. Jehovah ließ auf das Haupt des Stellvertreters alle Sünden Seines Bundesvolkes übertragen, aber jeder einzelne Auserwählte wird besonders herzugebracht, um diese feierliche Bundeshandlung persönlich anzuerkennen, wenn er von der Gnade gewürdigt wird, dass er durch den Glauben seine Hand darf legen auf das Haupt „des Lammes, das erwürget ist, von Anfang der Welt.“ Gläubige Seele, gedenkst du des entzückenden Tages, da du zuerst Vergebung empfangen hast durch Jesum, den Sündenträger? Darfst du nicht freudig bekennen und sagen: Meine Seele denkt mit Wonne an den Tag ihrer Erlösung zurück. Mit schwerer Schuld beladen und von Furcht gequält erblickte ich meinen Heiland als meinen Bürgen und Stellvertreter, und ich legte meine Hand auf Ihn; ach, wie furchtsam im Anfang! aber der Mut wuchs und mein Vertrauen befestigte sich, bis dass ich endlich meine Seele ganz auf Ihn lehnen konnte, und nun ist's meine unaufhörliche und unnennbare Freude, dass ich weiß, meine Sünden werden mir nicht länger zugerechnet, sondern sind auf Ihn gelegt. Und wie der barmherzige Samariter von den Schulden seines verwundeten Pfleglings sagte, so spricht auch der Herr Jesus von meiner künftigen Sündenschuld: „Und so du was mehr wirst dartun, will Ich's bezahlen.“ O, selige Entdeckung eines dankerfüllten Herzens!
„Du hast mein Elend überdacht
Und Dich für mich zur Sünde
Aus Liebesglut gemacht!“ (Charles Haddon Spurgeon)
Wenn das Rind durch dies Auflegen der Hand des Darbringenden Opfer ward, wieviel mehr wird Jesus unser werden durch das Auflegen der Glaubenshand?
„Mein Glaube legt die Hand,
O Jesu, auf Dein Haupt,
Wenn ich die Sünd‘ bekannt
Und reuig vor Dir steh.“
Wenn ein Rind statt Seiner angenommen werden konnte, um ihn zu versöhnen, wie viel mehr wird der Herr Jesus unsre volle und allgenügende Sühne sein? Einige streiten wider die große Wahrheit der Stellvertretung; aber was uns betrifft, so ist sie unsre Hoffnung, unsre Freude, unser Ruhm, unser alles. Jesus ist angenommen an unsrer Statt, uns zu versöhnen, und wir sind „angenommen in dem Geliebten.“
Möge der Leser Sorge tragen, sogleich seine Hand auf des Herrn vollendetes Opfer zu legen, damit es durch diese Annahme ihm zu gute kommen möge! Wenn er dies einmal getan hat, tue er es wiederum. Wenn er es niemals getan, so strecke er ohne einen Augenblick Verzug seine Hand aus. Jesus ist jetzt dein, wenn du Ihn haben willst. Lehne dich auf Ihn; lehne dich mit all deinem Gewicht auf Ihn, so ist Er dein über allen Zweifel hinaus; du bist mit Gott versöhnt, deine Sünden sind ausgetilgt, und du bist des Herrn. (Charles Haddon Spurgeon)