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2. Mose 3,11

2. Mose 3,11

Andachten

Moses sprach zu Gott: Wer bin ich, dass ich zu Pharao gehe und führe die Kinder Israel aus Ägypten? Er sprach: Ich will mit Dir sein.
Aus dem dunklen Hintergrunde verflossener Jahrtausende tritt meinem andächtig forschenden Geiste eine großartige Lichtgestalt entgegen. Schon als Kind habe ich dieselbe angestaunt. Es ist dies der ehrwürdige Mann nach dem Herzen Gottes, Moses, von dem es heißt: „Und Mose war hundert und zwanzig Jahre alt. Seine Augen waren nicht dunkel worden und seine Kraft war nicht verfallen.“ Zwar ist er ein sündiger Mensch gewesen, wie ich; ja, er hatte eine schwere Missetat auf seinem Gewissen, die er unzweifelhaft bitter bereute; aber umso inniger rang er mit Gott im Gebete, der seine Zuflucht für und für“ war. Voll hoher Geistesbildung, die er in Folge seiner wunderbaren Rettung aus den Fluten des Nilstromes in der Könige Häusern sich erworben, unerschütterlich, wie ein Fels, der stehen bleibt in der Brandung des Meeres, mutig, stark und begeistert, so sehe ich ihn seinem rohen, halsstarrigen und abgöttischen Volke gegenüberstehen. Er wankte wohl etliche Male, aber nie stürzte er zusammen; und doch war er sich seiner Schwachheit gar wohl bewusst. Wer bin ich? - diese Frage bewegte er in seinem Herzen. Durch Demütigung gelangte er zu jener Glaubenshöhe, wo ihm der Herr sein Ein und Alles geworden. O, alle Bedenklichkeiten, Zagnisse und Sorgen überwand er am Ende immer mit der göttlichen Verheißung: „Ich will mit Dir sein.“

Geht mich etwa diese Verheißung nichts an? - Gewiss; denn umgeben von der feierlichen Stille der Nacht, in welche die funkeln den Sterne vom Himmel noch immer so freundlich herableuchten, wie dort am Berge Horeb, höre ich im Geiste Einen zu mir sagen, neben dessen Lichtgestalt die des Moses erbleicht, wie der Mond vor der Sonne: „Ich bitte für sie, und bitte nicht für die Welt, sondern für die, die Du mir gegeben hast; denn sie sind Dein. Und alles, was mein ist, das ist Dein, und was Dein ist, das ist mein; und ich bin in ihnen verklärt.“ - Ja dem Vater gehöre ich auf ewig an in Christo Jesu. Sein Kind bin ich; und mich sollte die göttliche Zusage nichts angehen: „Ich will mit Dir sein?“ - Was, der große Gott, der so groß ist, dass Ihn aller Himmel Himmel nicht fassen können, und doch so klein, dass Er in eines Menschen Herz hineintritt und Ihm in jedem Augenblicke die frischen Spuren Seiner Macht, Weisheit und Güte aufprägt, also, dass sie keine Gewalt daraus zu tilgen vermag; - Er, der allenthalben unter den Menschen und Engeln wohnt und wandelt in Seiner Herrlichkeit; - Er, dem kein Berg zu hoch, kein Tal zu tief, kein Punkt im Weltall zu fern, kein Sonnenstäubchen zu unbedeutend ist, worin wir Ihn nicht mit dem geistigen Sinne, den uns Sein Sohn geöffnet hat, vernehmen könnten; - Er sollte gerade mit mir nicht sein? Hat Er denn ein einziges Stiefkind unter Seinen Kreaturen? O, nein! Jedes Menschenantlitz, selbst das des Verworfensten, hat wenigstens noch Einen himmlischen Zug, der auf den Vater deutet; jede Christengestalt, die bei mir ein- und ausgeht, wenigstens Einen Strahl von dem wunderbaren Lichte, zu dem auch ich berufen bin; jedes Wesen, und wäre es ein Teufel in Menschengestalt, wenigstens noch Eine Saite, die nur angeschlagen werden darf, um Gottes Dasein zu verkündigen; - und von mir sollte der Herr sich zurückgezogen haben? Unmöglich; auch im Gefängnisse des verstocktesten Bösewichtes, in der größten Finsternis, in der furchtbarsten Geistesverwirrung zeigt sich noch seine erhaltende Schöpfermacht. Keine Schranke umfängt Ihn, keine Zeit begrenzt Ihn, kein Hauch der Veränderlichkeit berührt Ihn; Er wirkt überall; und ich sollte Ihn nicht bei mir haben, wo ich auch sei? - Bin ich etwa weniger, als der Wurm, den Er im Staube kriechen, oder als das Vögelein, das Er in den Lüften fliegen, oder als die Lilie, die Er den Garten schmücken lässt?

Moses war ein Israelit. Wie das gelobte Land, so sah er den Immanuel der Christen nur von der Ferne; aber ich habe ihn gesehen in seiner Herrlichkeit; ich trage sein Taufsiegel mit mir herum in dem kindlichen Geiste, der da ruft: Abba, lieber Vater! Das soll ich sogar im Kleinen werden, was er im Großen war: „Der Mensch Gottes, zu allem guten Werke geschickt, ein Tempel des Heiligen Geistes.“

Mit diesem süßen Gedanken will ich heute unter festen, guten Vorsätzen einschlafen. Sein und mein Vater behütet mich. Bedecken wird Er mich mit den Fittichen seiner Vaterliebe. Darum sei mein letztes Wort, wenn ich mich zu Bette lege, und mein erstes, wenn ich erwache: „Herr Zebaoth! wohl dem Menschen, der sich auf Dich verlässt;“ wohl mir, Du willst mit mir sein ewig! Amen. (Gerhard Friederich)

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