2. Mose 32,30
Andachten
Des Morgens aber sprach Mose zum Volk: Ihr habt eine große Sünde getan, nun will ich hinaufsteigen zum Herrn, ob ich vielleicht eure Sünde versöhnen möge. Als nun Mose wieder zum Herrn kam, sprach er: Ach, das Volk hat eine große Sünde getan, und haben ihnen goldene Götter gemacht. und vergib ihnen ihre Sünde. Wo nicht, so tilge mich auch aus deinem Buch, das du geschrieben hast.
Mose, der alttestamentliche Mittler, trägt schwer an der Sünde des Volks. Er steigt hinauf zum Herrn, ob er vielleicht ihre Sünde versöhnen möge, ja, er bietet sich selbst dar zur Sühne und spricht: Tilge mich aus deinem Buch. Das ist wohl ein echtes Mittlertum, hat auch Gnade bei Gott gefunden, aber es bleibt doch dabei, dass ein Bruder niemand versöhnen kann, noch seine Seele erlösen, denn es kostet zu viel, eine Seele zu lösen, dass er's muss lassen anstehen ewig. Gott sei Dank! dass wir einen anderen und höheren Mittler haben als Mosen: Jesum, den Gerechten, den ewigen Mittler des Neuen Bundes. O lasst uns sehen, wie Er hinaufgestiegen ist zu versöhnen die Sünde des Volkes, Seiner Brüder. Wohin denn? Nicht auf einen Berg wie Mose, sondern an ein Holz, ein Fluch zu werden für uns; denn es steht geschrieben: Verflucht ist Jedermann, der am Holze hängt. Über Mosen spricht der Herr: Ich will den aus meinem Buche tilgen, der an mir sündigt. Aber die Sühne Jesu hat Er angenommen. „Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!“ das heißt nichts Anderes, da Er betete in Gethsemane, als dieses: So tilge denn mich aus Deinem Buch! unter Tränen und starkem Geschrei hat Er es sich losgerungen von Seiner Seele und ward betrübt bis an den Tod; ja Sein Schweiß ist darüber geworden wie Blut. Das ist viel mehr, als ein Mensch vermochte! Und als aus Gottes Buch ausgetilgt hat Er am Kreuze gehangen um die neunte Stunde, und mochte wohl jammern: Mein Gott! mein Gott! warum hast Du mich verlassen? - welch' ein heiliger Ernst! welch' ein Straf-Gericht! damit ist wahrlich nicht zu scherzen! dabei soll Dir Dein Herz stille stehen und Deine Knie beben! Herrgott vom Himmel, erbarme Dich unser, dass wir solche Gnade nicht auf Mutwillen ziehen! (Nikolaus Fries)