2. Mose 20,18
Andachten
Alles Volk sah den Donner und Blitz, und den Ton der Posaune und den Berg rauchen. Da sie aber solches sahen, flohen sie und traten von Ferne und sprachen zu Mose: rede du mit uns, wir wollen gehorchen; und lass Gott nicht mit uns reden, wir möchten sonst sterben.
Der Mensch, nach Gottes Ebenbild geschaffen, stand in kindlichem Umgang mit Gott vor seinem Fall. Durch die Sünde ist es anders geworden; die Sünde scheidet Gott und den Menschen; der Sünder hat ein böses Gewissen Gott gegenüber, er hat Angst vor dem heiligen Gott und flieht ihn. So lesen wir unmittelbar nach dem Sündenfall: Adam verbarg sich mit seinem Weibe vor dem Angesichte Gottes des Herrn, 1. Mose 3, 8. Nach obigen Worten steht das Volk Israel am Berge Sinai; Gott will dort einen Bund mit ihm machen und offenbart sich unter Donner, Blitz, Posaunenhall und Rauchen des Berges. Da flieht das Volk und bittet Mose: lass Gott nicht mit uns reden, wir möchten sonst sterben. Gibt es eine traurigere Schilderung des gefallenen Menschen als die, welche in diesen Worten liegt: lass Gott nicht mit uns reden! Das Geschöpf flieht den Schöpfer, die Quelle seines Lebens, das Licht. Warum? Der fündige Mensch steht unter der Obrigkeit der Finsternis und entzieht sich Gottes Auge und Gottes Mund. So schildert die ganze heilige Schrift den unbekehrten Menschen. Unmittelbar vor dem großen Gerichtstag sprechen die Gottlosen zu den Bergen und Felsen: fallet auf uns und verbergt uns vor dem Angesichte dessen, der auf dem Throne sitzt, und vor dem Zorn des Lammes, Offb. 6, 16. Ja, die Zeit kommt, in der jeder Mensch vor seinem Gott stehen und seine Stimme hören muss, ob er will oder nicht. Wohl dem, der jetzt die Stimme Gottes hört. Unser Gott kennt unsere finsteren, misstrauischen Herzen, die voll Furcht sind. Darum hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, damit wir wieder Mut bekommen uns ihm zu nahen. Welch ein Unterschied, zwischen jenem Donner und Blitzen am Sinai und dem Rufe Jesu: kommet der zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Derselbe heilige Gott, der die Sünde hasst und uns auf dem Sinai sein Gesetz gegeben, offenbart sich im Sohne auf Golgatha als den, der Sünden vergibt, zu dem der Sünder nahen darf, auch der Sünder am Galgen. Wohl dem, der im Geiste am Sinai gestanden hat in Buße und Reue und dann unter Jesu Kreuze das Trostwort hören durfte: Dir sind deine Sünden vergeben.
Ja, Du willst nicht den Tod des Sünders, sondern, dass er lebe. Du hast Dich zu uns genaht in Deinem lieben Sohne. In Deinem Namen Herr Jesu! nahen wir uns wieder dem Vater. Amen. (Elias Schrenk)