2. Mose 19,5
Andachten
Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern, denn die ganze Erde ist mein. Und ihr sollt ein priesterliches Königreich und ein heiliges Volk sein.
Das alles sind hohe und köstliche Ehren-Titel! die heben hoch empor, aber sie beugen auch tief. Ach, Du armes Israel, wie bist Du schlecht bestanden in solchem hohen Beruf, hast Seiner Stimme nicht gehorcht und Seinen Bund nicht gehalten. „Mein Eigentum,“ spricht der Herr, und Du hast Dich von Ihm losgerissen und fremden Göttern angehangen! „Ein priesterlich Königreich,“ Du aber nahtest Dich Ihm mit Deinen Lippen und mit dem Herzen bleibst Du ferne von Ihm! ja, Du erwähltest Dir selbst Könige, die Dich mit Skorpionen züchtigten! „Ein heilig Volk“ und Dein Gott klagt über Dich: Eure Missetaten scheiden euch von eurem Gott. Ach, und wir sind Israels Erben, Beides im Guten wie im Schlimmen. Alle diese köstlichen Ehren-Namen, sie gelten erst recht dem Christen-Volk; gelten Dir und mir. Denn wir sind erlöst, erworben und gewonnen, auf dass wir „Sein Eigen“ seien; Priester und Könige sind wir, denn Jesus, der ewige Hohepriester nimmt uns mit ins Heilige, und mit Ihm sollen wir auf Seinem Stuhle sitzen, und herrschen hier und dort; auch glauben wir an eine Gemeinschaft der Heiligen. Das Alles ist gewisslich wahr! Aber wenn wir nun ins Licht vor Sein Angesicht treten, da findet es sich, dass wir, die teuer Ihm zu Eigen Erkauften, der Menschen und der Sünde Knechte werden; dass wir durch eigne Schuld den Zugang zum Heiligtum verlieren und nicht beten können; dass wir uns die Kronen nehmen lassen und sie nicht festhalten. Wohin sollen wir denn gehen? Ach, mein Herr Jesu, wenn ich Dich nicht hätte, und wenn Dein Blut nicht für die Sünder redete, wo sollt' ich Ärmster unter den Elenden mich sonst hinwenden? Aber bei Dir ist die Gnade und viel Erlösung! Aus der Enge in die Weite, aus der Tiefe in die Höh', führt der Heiland Seine Leute, dass man Seine Wunder seh'! (Nikolaus Fries)